Instrumenten-Ausfall und ein Aggro-Gast: So turbulent war’s bei The Lion and the Wolf im Swamp

Simon Langemann

Es hätte ein beschauliches Konzert werden können, doch dann kam alles anders: Erst gibt es unüberbrückbare Probleme mit dem Sound, dann kommt auch noch ein aggressiver Gast dazu. Am Ende musste Tom George alleine spielen.

Der Support

Selbst wer Vorgruppen routinemäßig ignoriert, muss eingestehen: An diesem Samstagabend im Swamp spielen sie eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Jimmy Broomfield aka Heart of Oak gibt sich schon auf der Bühne als überaus unterhaltsamer Zeitgenosse – und wird als solcher auch nach seinem Set noch des Öfteren in Erscheinung treten. Citizen Tim, der ebenfalls alleine mit Gitarre auftritt, weckt mit seiner Stimme angenehme Erinnerungen an zu unrecht vergessene Emo-Bands.

Die Crowd

Trotz der sommerlichen Temperaturen haben sich ein paar Dutzend aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer im Swamp eingefunden, um The Lion and the Wolf, das zutiefst schwermütige Projekt des britischen Singer/Songwriters Tom George, live zu erleben. Ihre Geduld wird auf eine harte Probe gestellt werden.

Die Stage

Es ist kurz nach 22 Uhr, als Tom samt Drummer und Bassist die Bühne betritt und mit zarter Kopfstimme zum tieftraurigen "Heaven Forbid" ansetzt. Die ersten Zeilen gehen problemlos von statten, doch mit Einsatz des Schlagzeugs tönt plötzlich ein ohrenbetäubendes Störgeräusch aus den Boxen. "It’s Nine Inch Nails!", freut sich Support-Act Jimmy, ein langjähriger Freund von Tom. Die Band bricht ab, sucht kurz nach dem Fehler und beginnt von vorn. Doch pünktlich mit den Drums kehrt das akustische Grauen wieder. Diesmal in so bedrohlicher Lautstärke, dass Tom die Anwesenden lieber evakuiert, indem er sie für ein paar Minuten vor die Tür schickt.

Kassensturz

12 Euro kostet die Veranstaltung an der Abendkasse. Doch ein Besucher scheint damit nicht einverstanden zu sein und versucht sich den Konzerteintritt mit dem Vorwand zu erschleichen, er wolle nur ein Bier trinken. Swamp-Wirt Chico bleibt hart. Es kommt zum Eklat, der Zahlungsunwillige entpuppt sich als gewaltbereit. Beim Wortgefecht im Kneipeneingang fallen Sätze wie "Ich hau dir gleich die Mütze vom Kopf" und "Ich frag mich, warum bei dir so viele spielen".

Für Jimmy so weit nichts Außergewöhnliches: "Oh, I’m at home! I’m in England." Doch als der Störenfried vor seinem Abgang tatsächlich versucht, dem Gastgeber eine zu verpassen, zeigt sich der Singer/Songwriter plötzlich von einer beeindruckend diplomatischen Seite: Nach einem deeskalierenden Monolog in forderndem British Accent zieht der Aggressor von dannen.

Schwitzfaktor

Das alles geschieht, während Band und Mischer händeringend versuchen, sich der technischen Probleme zu entledigen. Bis sie irgendwann kapitulieren. Der allgemeine Adrenalinspiegel hat sich längst nicht beruhigt, als das Alternativprogramm ausgerufen wird: ein intimes Solokonzert. Doch als wäre ihm noch nicht genug Unglück widerfahren, sorgt nun auch Toms E-Gitarre für ein unidentifizierbares, fortwährendes Brummen. Es ist zum Verzweifeln.

Die Show

Tom George steht nun nicht mehr auf der Bühne, sondern mitten im Raum. Er spielt auf Jimmys Akustikgitarre. Die Anlage dient nur noch der sachten Verstärkung seiner Stimme. Das Szenario erwischt ihn unvorbereitet, denn nach eigenen Angaben liegt sein letztes Solokonzert zwei Jahre zurück. Doch er meistert die Situation, als hätte er nie etwas anderes vorgehabt. So düster seine Musik mitunter klingt, so herzerwärmend wirkt sein humorvolles Gemüt. Viele Stücke handeln von Krankheit und Tod, doch Toms friedliche Art und Weise, darüber zu reden, beugt jeglicher Beklemmung vor. Ein bewegendes und zugleich beruhigendes Konzert.

Der Abschied

Nach dem Konzert bedankt sich Tom bei sämtlichen Anwesenden persönlich. Jimmy offenbart, er habe zehn Jahre lang als Türsteher gearbeitet – und sogar Türsteher ausgebildet. In England benötige man für den Job nämlich eine Lizenz. Und so verabschiedet er sich von Chico dann auch mit den Worten: "If you need a bouncer …"

Pauschalurteil

Möge Tom’s Instagram-Fazit vom Morgen danach für sich sprechen: "I"ll write up a longer post about this show at some point (it needs it). But for now, huge love to everybody who made it down and packed out the Swamp."