Instagram-Fotos aus dem SC-Alltag

Tamara Keller

Auf Instagram präsentieren die Fußballer des SC Freiburg ihre sportlichen Leistungen und ihr Privatleben. Das tun sie mit reichlich Foppereien – aber insgesamt ziemlich brav, denn der Verein guckt auch ein bisschen drauf.

Rund sieben Millionen Menschen nutzen die Foto-App Instagram in Deutschland. Darunter sind Menschen wie Du und ich, aber auch Influencer, Models, Schauspieler – und Fußballer. Auch die Spieler des SC Freiburg sind auf Instagram präsent. Fudder hat sich ihre Profile genauer angeguckt und dabei festgestellt: Die SC-Spieler sind ziemlich brav unterwegs – und sie lieben ihren Verein.


#superelfmeter#supertorjubel#scftsg#mp26

Ein Beitrag geteilt von Maximilian Philipp (@mphilipp10) am 12. Mär 2017 um 13:13 Uhr



Maximilian Philipp macht gegen Hoffenheim den Modeste: Er formt an beiden Händen aus Zeigefinger und Daumen einen Kreis und hält sich die Brille vor die Augen. Knapp 24 Stunden später postet er ein Foto von seinem Torjubel und schreibt: "#superelfmeter #supertorjubel #scftsg #mp26" und fügt noch einen Emoji mit Brille hinzu. Die Kommentare lassen nicht lange auf sich warten – vor allem seine Mannschaftskollegen haben Äußerungsbedarf: "#harrywaraufdertribüne #hatihnreingezaubert #harrybrille", kommentiert Pascal Stenzel, der auf dem Foto im Hintergrund verlinkt ist. War die Brille vielleicht eher eine Hommage an Stenzel, der in seiner Freizeit eine Harry-Potter-Brille trägt?

Auf gehts Männer � @mphilipp10

Ein Beitrag geteilt von (@pascal_stenzel15) am 5. Mär 2017 um 7:33 Uhr



Die SC-Spieler interagieren auf Instagram oft miteinander, sie liken gegenseitig ihre Fotos und verteilen kleine Seitenhiebe unter Kollegen in den Kommentaren. "So sweet, Amazingboy" schreibt etwa Mike Frantz zu Philipp. Auch das Hemd, welches Günter bei der Aufzeichnung von Sport im Dritten trägt, wird besprochen. Und die Kollegen machen sich über die Schusstechnik von Philipp lustig. Diese Kommentare sind kein neues Phänomen:Petersen und Philipp foppten sich schon im Dezember 2015 mit Kommentaren, die Fudder damals dokumentierte.

Keine Frage: Instagram spiegelt das wider, was sich auf dem Platz zeigt. Der Mannschaftsgeist des SC ist so gut wie noch nie zuvor. Der Tabellenplatz lässt sich als Aufsteiger sehen, die Stimmung ist super und die Spieler sind mehr als nur Arbeitskollegen. Sie sind Freunde und verbringen ihre Freizeit zusammen: Grifo postet ein Selfie, wie er mit Söyüncü Mittagessen geht. Stenzel gibt Einblicke in den Bowlingabend mit Niederlechner, Petersen, Frantz und Günter. Instagram zeigt: Die SC Spieler unter sich sind gerade eine wahre Bromance, also eine innige Männerfreundschaft.

"Wir geben unseren Spielern im Umgang mit den sozialen Netzwerken eine große Freiheit, aber stehen dennoch immer im Austausch. Es kommt aber öfters vor, dass sie auf mich zukommen und fragen, ob es in Ordnung ist, wenn sie das posten", sagt Carina Zimmermann, Social-Media-Redakteurin des SC Freiburg. "Das ist aber kein Muss." Zimmermann ist im vergangenen Sommer mit der Mannschaft im Trainingslager durchgegangen, was es bei Social Media zu beachten gibt. "Wir bieten sowohl bei der Jugend als auch bei den Profis einmal im Jahr Schulungen an. Wir wollen sensibilisieren und Tipps geben." Ihre Empfehlung: Bevor die Spieler etwas posten, sollen sie sich überlegen, ob das in einer Woche oder in einem Jahr noch vernünftig ist, wenn es im Internet ist. "Wenn es einmal dort ist, kann man es nicht mehr so einfach zurücknehmen", sagt die Social-Media-Redakteurin.

Echte Regeln gibt es kaum, nur manche Orte sind tabu: "Es dürfen keine Fotos oder Videos aus der Kabine gepostet werden. Das ist ein absolut sensibler Bereich", sagt Zimmermann. "Medial gibt es keine Fotos aus der Heimkabine des SC Freiburg. Das wurde bisher immer geschützt und das wird es auch weiter." Auch Fotos aus dem Bus oder Flugzeug sollen die Spieler vermeiden.

Nicolas Höfler sitzt mit seiner Tochter im Bällebad, Jonas Föhrenbach posiert mit Mama und Bruder im Garten, während Onur Bulut seinem Sohn im SC-Trikot die gleiche Frisur verpasst wie sich selbst. Auch Familie wird auf den SC-Instagram-Accounts groß geschrieben. Genau wie beim Verein selbst.

Nicht umsonst beschrieb die Wochenzeitung Zeit den SC vor einigen Monaten als "Familienbande", deren Hauptbestandteil Ehrlichkeit ist. Papa Streich und seine 27 Söhne. Der Cheftrainer ist dafür bekannt, die sozialen Netzwerke eher kritisch zu betrachten. Dementsprechend wenig ist er auf dem offiziellen SC-Instagram-Account zu sehen: "Wir respektieren die Privatsphäre unserer Spieler und auch die des Trainers. So versuchen wir, auch auf unseren Kanälen zu agieren. Besonders am Spieltag steht das Sportliche im Vordergrund," sagt Carina Zimmermann.

Und doch geben die Spieler auf ihren eigenen Accounts sehr viel aus ihrem Privatleben preis: Schwolow macht einen Spaziergang mit seiner Freundin durch die Reben, Kempf zeigt sich mit seiner Liebsten vor der New Yorker Skyline und Niederlechner entspannt mit seiner Freundin am Strand. "Auf Instagram ist oft weniger kommerzieller Inhalt als auf Facebook," erklärt Social-Media- und Marketingexperte Jan Stranghöner. "Weniger Inhalt von Sponsoren, aber dafür mehr persönliche Komponenten, so etwas schätzen die Fans."

Abrashi beim Torjubel mit Söyüncü, während der von sich ein Foto postet, wie er konzentriert trainiert. Neben Familie und Freundschaft zeigen die Spieler vorrangig Freizeit- und Urlaubfotos oder sich selbst beim Fußballspielen. Und auch das spiegelt den Verein wider: Um den Social-Media-Auftritt wird sich in der Freizeit gekümmert, ansonsten konzentriert man sich auf Fußball. "Jeder Spieler hängt sich rein", erklärte Streich vor einigen Monaten im ZDF-Sportstudio die konstante Leistung seiner Mannschaft.

Vorbereitung läuft #scf#fn7

Ein Beitrag geteilt von Florian Niederlechner (@floniederlechner7) am 21. Jul 2016 um 11:03 Uhr



Die SC-Spieler inszenieren sich nicht auf Instagram. Nach dem Training sitzen Mike Frantz, Christian Günter, Florian Niederlechner, Patric Klandt, Onur Bulut und Marc Kempf zur Abkühlung in der Dreisam, reden dort und lachen. Die Spieler sind auf Instagram fast zum Greifen nah und authentisch.