Zusammen gärtnern

Inklusiv, interkulturell, ökologisch – zu Besuch im Gemeinschaftsgarten im Vauban

Anna Castro Kösel

Der Gemeinschaftsgarten "Zusammen gärtnern" ist ein Ort für Inklusion und interkulturelle Vielfalt. Nun wurde er mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Am Sonntag wird der Preis beim Herbstest überreicht.

Sonnenschein, Blumen und Gemüsebeete. Mütter lachen und unterhalten sich, ihre Kinder spielen daneben: Der Gemeinschaftsgarten "Zusammen gärtnern" im Freiburger Stadtteil Vauban am Dorfbach ist ohne Zweifel eine Idylle und ein Ort der Ruhe – abseits vom Alltagsstress. Doch der Nachbarschaftsgarten ist noch viel mehr als das. "Die Grundidee war einen interkulturellen, inklusiven Garten, also einen Garten für alle zu schaffen", sagt Projektkoordinatorin Johanna Dangel, die Mitglied im projektführenden Verein Zusammen leben ist.


Dazu gehört auch die Barrierefreiheit – auf allen Ebenen. "Wir richten uns an alle Menschen, an körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen, aber auch an Menschen, die einen Migrations- oder Fluchthintergrund haben", sagt Projektkoordinatorin Stefanie Koch. Daher habe man dafür gesorgt, dass das Gartengelände vollständig mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Barrieren sollen auch durch die Kommunikation mit Bildern und kostenlosen Bildungsangeboten abgebaut werden, um niemanden auszuschließen oder zu beschämen, weil er die Sprache nicht beherrscht oder den Preis nicht bezahlen kann.

Dieses Konzept wird nun von hoher Stelle gewürdigt. Diesen Sonntag – am Tag des alljährlichen Herbstfestes – wird der Garten mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Sonderwettbewerb "Soziale Natur – Natur für alle" ausgezeichnet. Dieser Preis richtet den Fokus auf Projekte, die Natur und biologische Vielfalt mit sozialem Zusammenhalt verknüpfen.Überreicht wird dieser von Simone Pflaum, der Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements der Stadt Freiburg. Außerdem gewann der Garten den Startsocial Preis vom vergangenen Jahr, der von Angela Merkel an die beiden Projektkoordinatorinnen im Kanzleramt übergeben wurde.
Der Gemeinschaftsgarten nimmt auch am Wettbewerb für den Deutschen Engagementpreis teil. Hier geht es zur Abstimmung.

Der Garten umfasst ein vielfältiges Kultur- und Bildungsangebot

"Unser Garten fußt auf drei Säulen", sagt Johanna Dangel. Gruppen wie Wohngemeinschaften oder Frauengruppen haben eine sogenannte Beetpatenschaft. Sie betreuen gemeinsam die eine Seite des Gartens und stellen einen Plan auf, was und wann sie pflanzen möchten. Die andere Seite des Gartens ist für Aktionstage reserviert, wo alle mit anpacken können. Dort entstehen zum Beispiel Blumenbeete, ein Platz für Hängematten und eine Feuerstelle. Eine weitere Säule ist das Bildungsangebot des Gartens. Dort gibt es Miniworkshops, Vorträge und Jugendbildung, was "ein wichtiges Standbein" des Gartens ist, sagt Stefanie Koch. Dieser Bereich soll Workshop bieten, wie man richtig und naturschonend gießt.

Die dritte Säule umfasst das kulturelle Angebot. Auf dem Garten findet jährlich ein großes Sommer- und Herbstfest statt. Letzteres an diesem Sonntag. Dabei wird das Zusammensein und die gemeinsame Arbeit mit Essen und Musik gefeiert. Es gibt auch ein Projekt, das "Zusammen Kaffee" heißt, wo es dienstags,mittwochs, donnerstags von 12 bis 14 Uhr im Strandcafé einen Mittagstisch gibt. Für diesen soll es bald Gemüse aus dem Garten geben.

Der Gemeinschaftsgarten beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit

"Wir haben den Gemeinschaftsgarten gegründet, um einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit in der Gesellschaft zu leisten", sagt Stefanie Koch. "Der Bereich Essen und Landwirtschaft trägt auch eine große Mitverantwortung für den leider so schlechten ökologischen, klimatischen Zustand unseres Planeten." Auch der Garten hat mit Wasserknappheit zu kämpfen, weshalb Tanks in Zukunft Regenwasser aufnehmen sollen.

Schöne Erlebnisse gibt es oft

Auch wenn es ab und zu Probleme mit Anwohnerinnen und Anwohnern gibt, die sich über den Lärm bei Festen beschweren, oder einige Gartenbesucherinnen- und Besucher sich nicht immer den Regeln entsprechend verhalten, beispielsweise Müll hinterlassen, überwiegen vor allem die positiven Seiten – da sind sich die beiden Projektkoordinatorinnen einig. Ein besonders schöner Moment sei gewesen, als ein älterer afghanischer Mann, der sich sonst nie an Aktionen beteiligt hatte, auf einmal anbot, das Kürbisbeet zu betreuen. "Er wollte sich dafür bedanken und etwas zurückgeben, weil er bei unseren Aktionen immer kostenlos etwas zu essen bekommen hat", erzählt Stefanie Koch.

Johanna Dangel erinnert sich gerne an ihre Lieblingserfahrung, als der Vater einer irakischen Familie, die besonders im Garten engagiert war, nach Deutschland nachkommen durfte. "Gleich nachdem er in Freiburg ankam und es nach zwei Jahren endlich ein Wiedersehen mit seiner Familie gab, kam die ganze Familie zu uns in den Garten zu einem Liederabend", erzählt sie. "Es hat mich so gefreut und berührt, dass die Familie diesen Moment mit uns im Garten teilen wollte."
  • Was: Herbstfest & Preisvergabe des Preises der UN Dekade Biologische Vielfalt im Sonderwettbewerb "Soziale Natur – Natur für alle" im Gemeinschaftsgarten "zusammen gärtnern". Das Programm besteht aus einem Mitmach-Kochen mit der MuFuKü, gemeinsamem Flammenkuchenbacken, Kinderprogramm, Henna Tattoo Malen, sowie Tanz und Musik.
  • Wann: So, 22.September 14-18 Uhr
  • Wo: Gemeinschaftsgarten "zusammen gärtnern". Am Dorfbach neben dem Stadtteil Vauban: Straßenbahnlinie 3 Richtung Vauban, Ausstieg Insbruckerstraße. Dann der Beschilderung "zusammen gärtnern" folgen.