Initiative Pro Dreisamstadion: Jetzt sprechen die Fans

David Weigend

Während die Verantwortlichen des SC Freiburg davon ausgehen, dass ein Stadionneubau unumgänglich ist, formiert sich bei vielen Anhängern Widerstand. Die ersten entsprechenden Banner sind in Freiburg zu sehen. Wir haben mit den Fans gesprochen, die für den Erhalt des Dreisamstadions kämpfen wollen.



In der Stadt sind seit Kurzem Banner zu sehen mit der Aufschrift "Pro Dreisamstadion" und "Stadion statt Arena". Wo genau habt Ihr sie aufgehängt?

B31 Richtung Westen, Schwabentor-Fußgängerbrücke, Johanneskirche, Dreisamstadion, Kappler Knoten in beiden Fahrtrichtungen, am Zubringer Süd und an der blauen Brücke am Hauptbahnhof.

Gibt es eine bestimmte Gruppierung innerhalb der SC-Fans, die das Ganze organisiert hat?

Wir hielten es für notwendig, kurzfristig ein deutliches Zeichen zu setzen und auch außerhalb des Internets die Meinung der Fans kundzutun. Der Personenkreis der Beteiligten beschränkte sich zunächst auf ein paar einzelne SC-Fans. Da es aber aus Fankreisen viele positive Reaktionen gab, erwarten wir, dass in Zukunft noch weitere Aktionen auch anderer Fans folgen.

Euer Anliegen ist klar. Wie realistisch schätzt Ihr die Chancen ein, dass ein Stadionneubau verhindert werden kann?

OB Dieter Salomon hat sich vor der Wahl deutlich gegen einen Stadionneubau ausgesprochen. 80 Prozent der Freiburger Bürger waren in einer Umfrage ebenfalls gegen einen Neubau. Finanziell wäre der Bau einer Arena somit nur mit Hilfe eines privaten Investors möglich. Damit würde man sich aber komplett von diesem abhängig machen, was nicht im Sinne der Fans und Mitglieder des SC Freiburg sein kann. Fritz Keller ist bis zur nächsten Mitgliederversammlung lediglich komissarischer Vorstand und sollte sich unserer Meinung nach mit seinen Plänen etwas zurückhalten. Denn diese Pläne würden den Werdegang des Vereins in den nächsten Jahren enorm beeinträchtigen. Außerdem darf nichts über den Köpfen der Mitglieder hinweg entschieden werden.

Einen Neubau in Rust schließen wir grundsätzlich aus, denn mit einem Auszug aus der Stadt würde der SC Freiburg, wie Dieter Salomon richtig festgestellt hat, zum SC Rust mutieren. Deshalb sehen wir durchaus Chancen, dass sich die Verantwortlichen für die einzig richtige Lösung entscheiden: Ein Ausbau des Dreisamstadions.



Vereinsmitglieder sagen, der SCF würde mittelfristig keine DFL-Lizenz mehr bekommen, weil das Dreisamstadion nicht mehr den Voraussetzungen der DFL entspricht. Würdet Ihr für Euer Anliegen weiterhin kämpfen, auch wenn der SCF tatsächlich Probleme in dieser Hinsicht bekommen sollte?

Zunächst: Auch bei der DFL müssten normalerweise Menschen mit Verstand sitzen, so dass wir es für sehr weit hergeholt halten, einem Verein, der sich sportlich für die Bundesliga qualifiziert hat und finanziell - im Gegensatz zu anderen Vereinen - seit Jahren für sein gutes Wirtschaften gelobt wird, keine Lizenz zu erteilen, weil der Platz auf einmal ein paar Meter zu kurz sein soll. Womit sich die Beantwortung der zweiten Frage für uns erübrigt. Außerdem sind wir ja keinesfalls gegen einen Umbau des Dreisamstadions. Die Maße des Platzes ließen sich zum Beispiel durch einen Umbau der Nordtribüne leicht anpassen. Auf der Haupttribünenseite ist mehr als genug Platz für VIP-Logen und ein Parkhaus. Insgesamt bestehen noch viele weitere Möglichkeiten zur Aufwertung des aktuellen Standorts an der Dreisam.

Seht Ihr überhaupt eine Alternative zum Dreisamstadion?

Fast alle der Vereine, die in den vergangenen Jahren neue Stadien gebaut haben, hatten zuvor ein Stadion mit Laufbahn oder viele unüberdachte Stehplätze in maroden Zuständen. Dies alles trifft auf unser Dreisamstadion nicht zu. Hier ist man bei den Spielen hautnah dabei und erlebt den Fußball ganz anders als in einer der vielen neuen, gesichtslosen Arenen. Sollte der SC sich eines Tages dauerhaft im internationalen Fußball etabliert haben, wäre über eine neue Spielstätte sicherlich nachzudenken.

[Fotos: Thomas Kunz]

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