Debatte

Informationsstelen neben Gedenkbrunnen am Platz der Alten Synagoge aufgestellt

Simone Lutz

Nach dem Ärger um im Gedenkbrunnen planschende Menschen stehen nun zwei Info-Stelen auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg. Sie zeigen Fakten zum jüdischen Gotteshaus auf.

Seit Montag stehen neben dem Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge zwei Informationsstelen. Seit der Platz Anfang August fertiggestellt worden war, sorgte das Verhalten vieler Menschen immer wieder für Irritation und Ärger: Wenn es warm wurde, plantschten Leute dort, wo in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Nazis die Freiburger Synagoge niederbrannten – der Wasserspiegel des Brunnens zeichnet den Grundriss des zerstörten jüdischen Gotteshauses nach.


"Ergänzende Informationen zum Ort sind notwendig geworden, da die im Brunnen eingelassene historische Gedenkplatte oft übersehen wird", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Der Infotext der Stelen soll den Platzbesuchern das damalige Unrecht vor Augen führen – in der Hoffnung, dass der Gedenkbrunnen als Ort der Erinnerung begriffen und das Verhalten der Besucher angemessener wird.
Kommentar zu den Informationsstelen am Platz der alten Synagoge: Das Erinnern und Gedenken brauchen klare Worte (BZ Plus)

Der Erklärungstext auf den Stelen findet sich in deutscher und englischer Sprache. Zusätzlich stellt die Stadt Freiburg auf einer Internetseite ergänzende Informationen zum Thema "Nationalsozialismus in Freiburg" zur Verfügung, unter anderem eine umfassende Publikationsliste des Stadtarchivs, aber auch graphisch aufbereitete Beiträge. Der Link zu dieser Internetseite und ein QR-Code stehen ebenfalls auf den Tafeln.

Parallel diskutiert die Stadt derzeit mit den jüdischen Gemeinden über den endgültigen Verbleib der Fundamentreste, die im vergangenen Jahr gefunden wurden.
Folgender Text ist auf den Stelen zu lesen:

Alte Synagoge
Hier stand die 1869/70 erbaute Synagoge der israelitischen Gemeinde Freiburg. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von der Freiburger SS in Brand gesetzt. Die SA riegelte die Brandstelle ab. Die herbeigeholte Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen des Feuers auf die Umgebung, durfte die brennende Synagoge selbst aber nicht löschen. Die
Zerstörung der Synagoge markiert den Übergang von der Entrechtung und Diskriminierung der jüdischen Mitmenschen zur Verfolgung und zum Holocaust.
Mit der Nachbildung des Grundrisses der Alten Synagoge in Form eines Wasserspiegels wird an ihrem Standort an die in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) verfolgten, deportierten und ermordeten Mitbürgerinnen und
Mitbürger erinnert, die dem NS-Regime von Terror und Gewalt zum Opfer fielen.
Ihr Schicksal verpflichtet uns, gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für Frieden und Freiheit einzustehen und diese Werte entschlossen zu verteidigen.
Der Wasserspiegel ist ein Ort des Erinnerns. Wir bitten um ein respektvolles und der Würde des Ortes angemessenes Verhalten.

Mehr zum Thema: