Dietenbachgelände

Infektion: In Freiburg grassiert die Kaninchenpest

Sandra Hennig

Zahlreiche Wildkaninchen auf dem Dietenbachgelände sind infiziert oder verendet. Doch das Veterinäramt entwarnt: Das Pockenvirus ist nicht übertragbar. Hunde sollten trotzdem an der Leine bleiben. Hauskaninchen können geimpft werden.

Als Alisa Szebries Anfang August ihre übliche Runde mit Hündin Sita entlang des Dietenbachs im Freiburger Westen drehte, sah sie, wie so oft in der Dämmerung, ein wildes Kaninchen. Erst bei näherer Betrachtung entdeckte sie etwas Ungewöhnliches: Der kleine Vierbeiner mit den langen Ohren hatte verklebte und geschwollene Augen. Umgehend verständigte Szebries das Veterinäramt – inzwischen ist klar: Bei der Krankheit handelt sich um die sogenannte Kaninchenpest, die durch das Myxomatosevirus ausgelöst wird.


"Als klar war, dass es sich um eine Seuche handeln muss, hatte ich Bedenken, dass meine Hündin angesteckt werden könnte." Alisa Szebries
Es beginnt mit geschwollenen, entzündeten und tränenden Augen, die im Krankheitsverlauf durch Eiter verkleben können – am Ende lassen auch knotige Veränderungen an Haut und Unterhaut erkennen: Die Myxomatose verläuft in ihrer aggressiven Form bei 80 bis 90 Prozent der betroffenen Kaninchen innerhalb von nur 10 bis 14 Tagen tödlich. Erst seit den 50er Jahren findet man das ursprünglich aus Südamerika stammende Virus auch in Mitteleuropa – ein Arzt hat es sich angeblich nach Frankreich bringen lassen, um eine Überpopulation im Südwesten von Paris einzudämmen. Die Folge: Innerhalb von nur zwei Jahren verbreitete es sich in Beständen in ganz Europa.

In Freiburg ist nun vor allem das Dietenbachgelände betroffen. Szebries dachte bei ihrer Entdeckung zuerst, es handle sich um ein einzelnes krankes Tier. Einige Tage später hörte sie allerdings, dass auf dem Gelände schon mehrfach erkrankte Kaninchen gesichtet wurden. "Als klar war, dass es sich um eine Seuche handeln muss, hatte ich Bedenken, dass meine Hündin angesteckt werden könnte", berichtet die 31-Jährige.

Veterinäramt entwarnt: Das Virus, das zu den Pockenviren gehört, ist nicht übertragbar

Das städtische Veterinäramt gibt jedoch Entwarnung: Das Virus, das zu den Pockenviren gehört, ist weder auf andere Haustiere noch auf Menschen übertragbar. Trotzdem rät die Behörde dazu, Hunde im Dietenbachpark anzuleinen, denn erkrankte Kaninchen seien leichte Beute. Das weiß auch Szebries: "Ich habe in den letzten Tagen schon von anderen Hundebesitzern gehört, dass ihre Vierbeiner mit einem Kaninchen zurückkamen." Ein Passant habe ihr sogar erzählt, er habe bereits 10 bis 15 Tiere aus dem Gewässer im Dietenbachpark gezogen.

Kaninchenbesitzer können ihre Haustiere durch regelmäßige Impfung vor der Krankheit schützen, die nicht nur durch Kontakt unter Kaninchen, sondern hauptsächlich durch Stechmücken übertragen wird. Weil eine Behandlung nach Krankheitsausbruch nicht möglich ist und um die Verbreitung bestmöglich einzudämmen, rät das Veterinäramt, ein erkranktes Tier weder anzufassen noch einzufangen. Der Fund toter Tiere kann jedoch dem Forstamt (Tel. 0761/201-6213) gemeldet werden, das das Gebiet in den kommenden Wochen durchsuchen wird, um verendete Kaninchen einzusammeln und zu entsorgen.

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