Indie Boy über seine Debüt-EP: "Manche sagen, die Platte wäre Musik für kleine Mädchen"

Laura Wolfert

Am Donnerstag wird im Auditorium der Release einer EP gefeiert, die so heißt, wie die Band, die sie gemacht hat: Indie Boy. Wir haben mit dem 22-jährigen Freiburger Jonathan Rietsche über seinen Erstling gesprochen.

Du hast ein wenig Zeit gebraucht, Deine erste EP zu veröffentlichen. Warum gerade jetzt?

Jonathan Rietsche, Indie Boy: Es dauert einfach eine Weile, um eine EP zu produzieren. Vor zwei Jahren bin ich aus Freiburg nach Mannheim gezogen und habe angefangen, an der Popakademie zu studieren. In dieser Zeit sind die Songs entstanden.

An der Platte habe ich mit dem Produzenten Manuel Renner in Mannheim gearbeitet. Ich wusste, dass wir im Juni eine kleine Tour starten und in Freiburg Halt machen werden. Da wollte ich nicht schon wieder ohne Platte auftreten. Hinzu kommt, dass ich im September vermutlich ein Auslandssemester in Amsterdam machen werde.

Deine EP ist am 22. Juni bei deiner Release-Party erhältlich. Wie sollte man sie sich am besten anhören - wann wirkt Deine Musik am besten?

Die EP wirkt bei den Leuten, die sie bisher gehört haben, ganz unterschiedlich. Manche sagen sogar, die Platte wäre Musik für kleine Mädchen. Das stimmt aber gar nicht stimmt, wenn man meine Facebook- und Konzertbesucher anschaut. Das liegt einfach daran, dass ich eine hohe und kindliche Stimme habe. Ich denke, dass die Musik aber live sehr gut wirkt.

Wie fühlt sich Deine Musik auf Deiner neuen Platte an?

Es geht wahnsinnig in die Knochen. Die Musik ist sehr energetisch. Man kann nicht stehen bleiben – und wird spätestens nach drei Minuten mit der Masse mitgezogen. Der Beat fließt in die Beine und lässt sie tanzen.

Für ein gutes Gericht braucht man ganz bestimmte Zutaten – welche Zutaten stecken in Deiner EP?

Es gehören sehr kitschige und eingängige Hook-Lines, Refrains und Melodien rein. Es darf nicht zerdacht sein, sondern soll den Moment widerspiegeln. Ganz viel Herzblut natürlich. So ein Album zu machen, die Texte dazu zu schreiben und zu produzieren ist ein spannender und intimer Prozess – den muss man lieben.

Demnach steckt auch ganze viele gute Laune in meiner Platte. Enthusiasmus ist die Geheimzutat. Wenn man dafür brennt, hat man auch die Kraft und steckt richtig viel Arbeit rein – aber trotzdem ist es kein Stress, der einen belastet.

Inwiefern unterscheidet sich Deine Musik von anderen Indie-Künstlern?

Ich finde es schwer, "Indie" genau zu definieren. Ich kenne wenig Indie-Künstler in meinem Umkreis von Freiburg und Mannheim, die so richtig dieses Indie-Genre fahren. Wobei man auch sagen muss, dass Indie Boy selbst sehr viel Pop-Einflüsse hat.



Deine EP erinnern an Songs wie "Restless" von Kakkmaddafakka und "What you know" von Two Door Cinema Club. Ist Deine Musik daran angelehnt – oder möchtest Du Dich davon unterscheiden?

Die ganzen Bands haben natürlich einen riesigen Einfluss auf das, was ich mache – das kann man fast gar nicht vermeiden. Aber ich kann nicht hergehen, Songs schreiben und denken: Das soll genauso klingen. Das funktioniert gar nicht. Das ist nicht ehrlich.

Im Endeffekt merkt man aber sehr schnell, dass die Musik von einem selbst kommt. Von mir selbst. Das, was man hört, ist das, was aus mir raussprudelt

Inwiefern spiegelt Die Musik auf deiner EP Dich selbst wider?

Sie spiegelt mich voll und ganz wider. Gerade weil die Texte in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Die Songs sollen keine explizite Situation meines Lebens wiedergeben. Jeder soll die Möglichkeiten haben, die Texte für sich zu interpretieren – sofern er auf die englischen Texte hört.

Bist Du passend zu deiner Musik dann auch der "Gute-Laune-Alles-Ist-Super-Typ"?

Absolut – aber natürlich nicht immer! Klar, manchmal denken die Leute bei meiner Musik, dass alles immer super und perfekt läuft – aber dem ist nicht so. Allein die ersten zwei Song-Titel "Stop Talking" und "This is not your Party" deuten schon darauf hin, dass auch ich ein paar Komplexe habe, über die man sprechen sollte.

...Und was sind das für Komplexe?

Eher Beobachtungen, die ich an mir mache. Gerade bei "Stop Talking": Dass man aufhört, die Dinge auf andere zu projizieren – und mehr auf sich selbst achtet. Das eigene Umfeld ist immer ein Abbild, was man selbst empfindest – und wie man handelst.

Die EP beschäftigt sich viel mit dem Gedanken: Ich kann eigentlich mein Leben so formen, wie ich es will – ich muss nur aufhören, andere dafür verantwortlich zu machen.


  • Was: HKDM Jam; EP-Release-Show von Indie Boy
  • Wann: Donnerstag, 22. Juni 2017, 20 Uhr
  • Wo: Auditorium (Ex-Schmitz Katze), Haslacherstraße 43
  • Eintritt: Frei