Drogenbericht

In Freiburg sterben 2016 erstmals Süchtige durch "Legal Highs"

Frank Zimmermann

Synthetische Billigdrogen machen der Polizei in Freiburg große Sorgen: Sie sind problemlos im Internet erhältlich – ihre Wirkung aber wird von den Konsumenten völlig unterschätzt.

Laut Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist die Zahl der Drogentoten im vergangenen Jahr bundesweit um neun Prozent gestiegen, in Freiburg um zwei Drittel (2016: zehn Tote). Neu ist für die Polizei, dass Konsumenten von "Legal Highs" darunter sind – von synthetischen, teilweise legal erhältlichen Drogen, die aufgrund ihrer häufig nicht bekannten Inhaltsstoffe lebensgefährlich wirken können. Auch weiter auf dem Vormarsch ist Cannabis.


Was der Polizei immer mehr Sorgen bereitet, sind synthetische, psychoaktive Substanzen, die verharmlosend "Legal Highs" genannt werden, weil sie häufig noch unter kein Gesetz fallen und von den Konsumenten in ihrer Wirkung falsch eingeschätzt werden. Gerade junge Menschen konsumierten diese synthetischen Cannabinoide, die problemlos im Internet erhältlich seien, so Achim Hummel, Leiter der Kriminalinspektion 4, zu der das Rauschgiftdezernat gehört.

Mit zehn Drogentoten ist die Statistik für Freiburg 2016 wieder auf dem Stand von 2012 und 2013 angekommen. In den vergangenen zehn Jahren gab es die meisten gestorbenen Süchtigen 2008 (23). Erwartungsgemäß sind darunter viele "Junkies", die über Jahre, in Kombination mit anderen Rauschmitteln und stark überdosiert Drogen genommen haben.

Vertriebswege verlagern sich von der Straße ins Internet

Eine "positive Entwicklung" sieht der Kriminalbeamte Thomas Schönefeld, stellvertretender Leiter des Drogendezernats, darin, dass die harte Droge Heroin in den vergangenen Jahren abgenommen hat – allerdings mit einem neuerlichen statistischen Ausreißer nach oben im vergangenen Jahr (plus 62 Prozent bei Erwerb und Besitz). Generell beobachte man, dass die Vertriebswege sich ins Private verlagerten, weg vom klassischen Dealer und hin zum Internet und zu Lieferdiensten, die die Drogen frei Haus bringen, sagt Hummel: "Da muss man gar keine besonderen Kenntnisse haben." Auch sein Kollege Thomas Schönefeld bestätigt: "Psychoaktive Substanzen sind einfach zu bekommen." Nach härteren Drogen müsse man hingegen schon im verschlüsselten Darknet suchen.

Dass "Legal Highs" gefährlich sind, ist das eine. Sorge bereitet der Polizei auch, dass man bei der Gesetzgebung der ständigen Weiterentwicklung der synthetischen Substanzen hinterherhinke. Wegen dieser Lücke kann die Polizei den teilweise noch keinem gesetzlichen Verbot unterliegenden "Legal Highs" aber mit polizeirechtlichen Mitteln begegnen, indem sie sie beschlagnahmt, um sie im Labor auf illegale Substanzen untersuchen zu lassen.

Schüler haben bei Cannabis häufig kein Unrechtsbewusstsein

Einen starken Anstieg verzeichnet die Polizei beim Handel und vor allem beim Erwerb und Besitz von Cannabis. Das müsse nicht einmal unbedingt importiert werden, sondern werde auch zu Hause angepflanzt und gezüchtet, so Schönefeld. Die öffentliche Debatte um die Legalisierung könne bei der Entwicklung eine Rolle spielen, glaubt Hummel. Ähnlich sieht das Diplompsychologin Jeanette Piram von der Drogenhilfe Freiburg. Sie diskutiere mit Schulklassen, die Cannabis als selbstverständlich erachteten und bei der Droge gar kein Unrechtsbewusstsein empfänden. Wenn jemand ein paar Pflanzen daheim habe, fänden das die Teenager unproblematisch, meist wüssten sie gar nicht, dass das verboten sei.

Die Polizei weist darauf hin, dass Statistiken stets von der Intensität und Häufigkeit der Kontrollen und Verfahren abhingen, da Drogendelikte in der Regel nicht angezeigt würden. Die Zahl der Rauschgiftdelikte in Freiburg ist 2016 um 2,6 Prozent (1827 Fälle) gestiegen, im Jahr zuvor sogar um mehr als 14 Prozent. Bei Erwerb und Besitz ist Cannabis Droge Nummer eins (1020), gefolgt von Amphetaminen und Methamphetaminen/Crystal Meth (101), Kokain (66) und Heroin (47); bei Kokain hat sich die Zahl der Delikte gegenüber 2015 verdoppelt, bei Heroin um 62 Prozent zugenommen. Cannabis ist in Freiburg auch die am meisten gehandelte Droge (281); dies entspricht einer Zunahme um 12,4 Prozent gegenüber 2015.

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