Ohne Wohnung

In Freiburg schlafen bei der Kälte 30 Menschen im Freien

Frank Schoch

Im Winter bleibt es eng für Obdachlose in Freiburg: Zusätzlich geschaffene Schlafplätze werden vollständig genutzt. Es besteht aber wohl noch weiterer Handlungsbedarf.

Ein warmer Platz zum Schlafen ist für fast alle eine Selbstverständlichkeit. Nicht für Obdachlose. Gerade in den kalten Nächten wird das zum Problem, gerade dann sind die wenigen Plätze in einer Notunterkunft begehrt. Die Stadt hat Anfang des Jahres die Kapazität erhöht. Zu den rund 50 Schlafmöglichkeiten, die die Oase in der Haslacher Straße 11 bereithält, kommen zehn im ehemaligen ADAC-Haus in der Haslacher Straße 199. "Die Nutzung läuft bisher problemlos", sagt Toni Klein, Pressesprecher der Stadt. Etwa 30 Menschen schlafen dennoch weiter im Freien (Kommentar).


Plätze vollständig belegt

Alle zur Verfügung stehenden Plätze in den beiden Notunterkünften der Stadt würden üblicherweise vollständig genutzt. In das ehemalige ADAC-Haus haben die Verantwortlichen in der dafür zuständigen Oase vor allem Menschen eingeteilt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig, aber ohne eigenen Wohnsitz sind. "Dadurch können einige Personen von anderen mit problematischen Verhaltensweisen getrennt und entlastet werden", sagt Claudius Heidemann, Leiter der Oase.

Im gleichen Zug würde das Risiko gesenkt werden, dass sich Anwohner über Störungen durch die neuen Nachbarn beschweren. "Es sind uns keine Beschwerden bekannt und genau das war und ist das erklärte Ziel", erläutert der Unterkunftsleiter.

Kapazität kann erhöht werden

Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand: Die Oase wird entlastet. "Im Moment reicht die Kapazität. Und nach unserer Erfahrung und unserer Hoffnung wird sie das auch die Kälteperiode über tun", sagt Stadt-Pressesprecher Toni Klein. Die Stadt hat das Gebäude in der Haslacher Straße 199, in dem bis Dezember Flüchtlinge untergebracht waren, bis Ende März für 14.100 Euro monatlich vom ADAC gemietet, dann sollen dort neue Wohnungen entstehen.

Sollte sich der Bedarf an Notunterkunftsplätzen in den kommenden Winterwochen erhöhen, könne laut Stadtverwaltung das Obergeschoss in der Haslacher Straße 199 hinzugenommen werden, sodass in der Oase und im ADAC-Haus insgesamt etwa 70 Personen, zumeist in Doppelzimmern, übernachten könnten. Laut Claudius Heidemann ist es aber nicht das Ziel, die Plätze in den Notunterkünften zu erhöhen. "Stattdessen sollen die Leute aus den Notsituationen herausgeholt werden", so Heidemann.

Sicherheitsdienst in der Nacht

Nach Angaben von Toni Klein bleiben die Verhältnisse in den Notunterkünften bis auf weiteres eng. Für verbesserte Wohnverhältnisse im ADAC-Haus sollen Spinde und eine Waschmaschine sorgen, die Anfang der Woche installiert wurden. Ein Sicherheitsdienst soll über Nacht für Ordnung sorgen.

Willibert Bongartz, Leiter der Caritas-Obdachlosen-Tagesstätte Pflasterstub, sieht die derzeitige Lage gespalten. Zwar könne er den Maßnahmen der Stadt viel Positives abgewinnen. "Aber nach wie vor sind nachts viele Menschen auf der Straße", so Bongartz. Der Stadt sind etwa 30 von insgesamt rund 800 Obdachlosen in Freiburg bekannt, die im Freien Schlafen. Die große Mehrheit hingegen kommt in anderen Wohnheimen, die nicht für Notübernachtungen sondern für längere Zeiträume gedacht sind, oder bei Bekannten unter. Als Gründe, die Oase zu meiden, bekommt Bongartz häufig zu hören, dass es dort regelmäßig sehr voll sei.

Auch fühlten sich manche Obdachlose nicht sicher und wohl. "Es ist die freie Entscheidung jedes einzelnen. Die Betroffenen kennen aber die Angebote", so Toni Klein. Streetworker, Polizei und Tagesstätten kooperieren nach Angaben der Stadt und sind in der kalten Jahreszeit besonders aufmerksam. "Sie haben gerade die gesundheitlich gefährdeten Personen im Blick und kennen deren Schlaf- und Stammplätze", sagt Toni Klein. Doch auch die Stadt sieht bei den Schlafmöglichkeiten für Obdachlose noch mehr Handlungsbedarf. Im Sommer 2016 hatte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach weitere Hilfsprojekte für insgesamt 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Auch die alte Stadthalle kann eine Option werden

Dazu zählen etwa zwei Gebäude, die ausschließlich für die Nutzung von obdachlosen Familien gedacht sind, und die laut Pressesprecher Toni Klein bereits in die dafür notwendige Form gebracht wurden. "Wir sind im Plan", so Klein, der einräumt, dass man immer mehr machen könne.

Eine Möglichkeit, die dafür in Frage kommt, ist die alte Stadthalle in der Wiehre. "Es gibt diverse Begehrlichkeiten für das Gebäude. Eine von etwa sechs Möglichkeiten ist die Unterbringung von Obdachlosen", sagt Klein – ohne konkreter werden zu wollen. Alle seien aber mit Umbauarbeiten und einem politischen Entscheidungsprozess verbunden. "Die Prüfungen laufen", so Klein. Derweil wird das leer stehende Gebäude in Form von Kontrollgängen bewacht, um Vandalismus vorzubeugen. Die Heizung wurde auf ein Grundniveau abgesenkt, sodass die Leitungen nicht einfrieren können.

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