Foodsharing

In Freiburg gibt es immer mehr Lebensmittelretter

Jelka Louisa Beule

Foodsharing: Rund 40 Betriebe und rund 1300 Nutzer sorgen in Freiburg dafür, dass überschüssiges Essen nicht weggeworfen wird. Wo stehen die Fairteiler?

FREIBURG. Lebensmittel wegzuwerfen ist in Deutschland Alltag: 18 Millionen Tonnen landen jedes Jahr im Müll. Gegen diese Verschwendung setzen sich Initiativen ein, die größte ist Foodsharing. Auch in Freiburg gibt es immer mehr dieser "Lebensmittelretter". Bei der lokalen Gruppe sind 1300 Nutzerinnen und Nutzer registriert, die Initiative kooperiert mit 40 Betrieben. Zudem gibt es an sieben Stellen im Stadtgebiet die Möglichkeit, sich kostenlos mit Gemüse, Obst oder Brot zu versorgen. Rechtlich bewegen sich die Aktiven jedoch in einer Grauzone.


Der quietschgrüne Kühlschrank fällt auf. Er steht am Rand eines Bolzplatzes in der Dreikönigstraße im Stadtteil Wiehre. Gekühlt wird dort allerdings nichts. Der Kühlschrank hat eher die Funktion eines geschlossenen Regals, in dem überschüssige Lebensmittel darauf warten, abgeholt zu werden. An manchen Tagen ist das obere Fach übervoll mit Broten und im unteren Teil befinden sich durchaus noch knackige Salate, Möhren und Rote Bete.

Sieben Fairteiler im Stadtgebiet

An anderen Tagen herrscht eher Ebbe – dann liegt zum Beispiel nur ein Päckchen Gelierzucker im Seitenfach. Neben Privatpersonen bestückt Foodsharing diese "Fairteiler", von denen die Initiative inzwischen sieben im Stadtgebiet aufgestellt hat. Der Standort an der Dreikönigstraße ist relativ neu, genauso wie einer an der Musikhochschule. Weitere Stationen stehen in den Stadtteilen Vauban, Betzenhausen, Haslach und Herdern, außerdem gibt es einen mobilen Fairteiler, der vor der Unibibliothek Halt macht.

Doch auch wenn die Fairteiler am auffälligsten auf die Initiative Foodsharing hinweisen: Die größten Umschlagplätze sind sie nicht. Die meisten Lebensmittel würden direkt unter den rund 1300 registrierten Nutzern verteilt, erklärt Nenad Savic, der in Freiburg als "Foodsharing-Botschafter" agiert. Die Kontakte liefen über das Internet. Die Lebensmittel stammen von rund 40 Betrieben in der Stadt, die den Foodsharern ihre überschüssige Ware zur Verfügung stellen – von der kleinen Bäckerei über den Wochenmarkt-Gemüsestand bis hin zu Tankstellen, "die am Abend zwei Brötchen und ein Croissant übrig haben", sagt Nenad Savic.

Unterschied zum Containern, das strafbar ist

Und obwohl die Lebensmittel kostenlos seien: Um Bedürftigkeit gehe es beim Foodsharing nicht. 90 Prozent der Freiburger Foodsharer seien Studierende. Und sie nähmen auch den Tafeln nichts weg, die überschüssige Lebensmittel an einkommensschwache Menschen verkaufen, betont Nenad Savic. Es gebe genug für alle, zudem könnten die Tafeln kleinere Mengen Essen aus logistischen Gründen gar nicht abholen.

Die Zusammenarbeit mit den Betrieben unterscheidet Foodsharing vom so genannten Containern, bei dem Aktivisten Mülltonnen von Supermärkten nach noch genießbaren Produkten durchsuchen. Containern ist strafbar, da es sich um Diebstahl handelt. Doch auch Foodsharing bewegt sich rechtlich in einer Grauzone. "Das ist ein sensibles Thema", sagt Nenad Savic. Seiner Meinung ist jeder selbst dafür verantwortlich, ob er die angebotenen Lebensmittel noch für verzehrbar hält: "Bislang ist auch noch nie etwas passiert."

Viel genutzt: Die App "Too good to go"

Die Stadt Freiburg sieht es indes als "problematisch an, wenn eine lose Gruppe ohne rechtlichen Status" Lebensmittel tauscht, sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Zudem zähle es "grundsätzlich nicht zum Gemeingebrauch, im öffentlichen Raum Stände aufzubauen". Die Aktivitäten von Foodsharing seien zwar nicht unbedingt illegal, aber zumindest "nicht ausreichend genehmigt".

Neben Foodsharing gibt es in Freiburg auch noch kleinere Initiativen, die überschüssige Lebensmittel verteilen. Seit kurzem steht ein umgebautes Regal an der Eschholzstraße im Stadtteil Stühlinger, das nichts mit Foodsharing zu tun hat. Viel genutzt wird zudem die App "Too good to go", die deutschlandweit 850.000 Mal heruntergeladen wurde. Sie vernetzt Gastronomie-Betriebe, die zu viel zubereitetes Essen haben, mit hungrigen Kunden. Die App ist kostenlos, das Essen allerdings nicht: Dieses geben die Betriebe zu einem reduzierten Preis ab. In Freiburg machen aktuell 30 Restaurants mit.

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