In Dutt-Manier: Freiburg siegt gegen Mönchengladbach 1:0

Clemens Geißler

Der Sportclub Freiburg hat sein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach gewonnen. Durch den 1:0-Erfolg machen die Breisgauer im Abstiegskampf Boden gut. Clemens war dabei und fragte sich während des Spiels unter anderem, warum am hellichten Tag das Flutlicht brennt.



Vorne relativ hui, hinten ziemlich pfui – so könnte man die bisherigen Darbietungen der Freiburger in dieser Saison beschreiben. Tore satt gab es auf jeden Fall immer, wenn die Akteure von der Dreisam ihre Kickstiefel schnürten: 34 an der Zahl in den ersten sieben Begegnungen. Schlechterdings war mit hohem Unterhaltungswert nicht immer der gewünschte Erfolg verbunden, sodass die Mannen um Marcus Sorg bis dato auf dem vorletzten Platz rangierten.


Insofern erlebten die 24.000 Besucher verkehrte Welt: Nur ein Tor, aber das Maximum an Punkten für die Heimelf. Und bei der Freude darüber wird man kompensieren können, dass es kein ansehnliches Aufeinandertreffen war, das sich beide Teams da lieferten, und dass gekonnte Spielzüge ebenso Mangelware waren wie echte Torchancen. Das positivste, was man noch sagen könnte, ist: Das Spiel hat von der Spannung gelebt und bei schönem Wetter stattgefunden.

Entsprechend schnell sind die Höhepunktenotiert: 18. Flums abgefälschter Schuss zum 1:0.  Der Torjubel. Acht Minuten später stehende Ovationen. 43. Baumann entschärft einen Schuss von Torben Marx aus 18 Metern. Pause: Halbverbrannte Thüringer im latschigen Wecken mit Senf.

Nach der Pause: Reus vergibt eine gute Gelegenheit, weil ihm der Ball über den linken Fuß rutscht. Schlussphase: Baumann lenkt einen Dante-Kopfball um den Pfosten. Einige halbgare Klärungsversuche (am schlimmsten der von Nicu in der Nachspielzeit) im Sportclub-Strafraum bleiben folgenlos.



So bleibt während des Spiels genug Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken: Warum brennt das Flutlicht am heiteren hellen Tag? Ist das, was in der Gladbach-Kurve geschwenkt wird, die Flagge Rumäniens oder eines afrikanischen Landes? Warum rennen zwei Fans von Carl-Zeiss-Jena im Stadion herum? Warum stehen die Sportclub-Spieler dauernd im Abseits und die Gladbacher nie? Und warum gibt es, als Pavel Krmas den Gladbacher Bobadilla mit beiden Armen zu Boden ringt, Freistoß für den Sportclub und Gelb für Bobadilla?

Und die wichtigste Frage: Was nimmt man aus dem Spiel mit?

Zunächst: Drei Punkte! Denn mehr als das Spiel gewinnen konnten die Breisgauer nicht. Das haben sie. Zu Null haben sie außerdem gespielt. Und - abgesehen von der turbulenten Schlussphase, als man auch in der Viererkette zwei Mal umgestellt hatte – relativ wenig Torchancen zugelassen gegen eine Mannschaft, die derzeit einen Lauf hat und auf Platz drei der Tabelle stand. Vielleicht, weil Gladbach für dieses Spiel ein Stück weit die falschen Mittel gewählt hat. Aber auch, weil der Sportclub es verstanden hat, das Spiel der Fohlen-Elf weitgehend zu unterbinden.

Dann kann man natürlich auch einiges aussetzen: Das spielerische Moment ließ zu wünschen übrig, die Konter wurden sehr unzureichend und vor allem zu langsam ausgespielt, der Sportclub brachte es über die gesamte Spielzeit auf nur einen Abschluss innerhalb des gegnerischen Strafraums. Hin und wieder wurde daher auch auf den Rängen der Unmut etwas lauter.



Aber man sollte lieber umgekehrt argumentieren: Hätte der Sportclub nach der Führung entfesselten Hurra-Fußball geboten und sich darüber Gegentore nach Kontern eingefangen, so hätte jeder im Stadion am Geisteszustand der Spieler gezweifelt und darauf verwiesen, dass Schönspielen eben nun mal keine Punkte gibt und man auch mal ein Ergebnis verwalten muss.

Insofern erinnert dieses Spiel auch mehr an die Handschrift von Robin Dutt als die von Marcus Sorg. Und vermutlich wird sie auch wieder die Marschroute für die Saison sein: Knappe - meinetwegen unattraktive (oder wie heute auch durchaus etwas glückliche) - Heimsiege gegen Gegner, die sich vermeintlich auf Augenhöhe befinden. Der HSV in zwei Wochen ist derzeit wohl auch auf Augenhöhe.

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