Im Techniclub: Blinkende Christbäume, selbstgelötet

Lorenz Bockisch

Einmal im Monat treffen sich in einer Baracke beim Freiburger Flugplatz Jugendliche zu Techniclub. Zwischen 12 und 14 Jahre sind sie alt und sie verbindet die Leidenschaft zum Basteln. Unter Anleitung eines professionellen Amateurfunkers lernen sie, wie man mit Widerständen, Halbleitern und Lötzinn umgeht.



Es raucht, es riecht verbrannt und über ein Dutzend junger Köpfe beugen sich konzentriert über kleine, grüne Weihnachtsbaumplatinen. Heute wird gelötet: Leuchtdioden, Widerstände und Transistoren werden genau so auf der Platine angebracht, damit ein bunt blinkender kleiner Weihnachtsbaum entsteht. Aber der Reihe nach:


"Tricks mit LEDs" heißt die samstagliche Veranstaltung, zu der junge technikinteressierte Menschen geladen wurden. Manchmal kommen auch Mädchen, meint der heutige Kursleiter Karl-Heinz Rattay (55), aber an diesem diesigen Dezembernachmittag haben nur Jungs hierher gefunden. Drei von ihnen heißen Jakob und sie kommen aus Freiburg, Gundelfingen, Munzingen oder Holzhausen, gehen auf Realschulen oder Gymnasien. Auf den Tischen, die in U-Formation aufgestellt sind, stehen schon 15 Lötkolben in ihren Halterungen.



Karl-Heinz Rattay, ein engagierter Freiburger Funkamateur, leitet diesen Kurs. "Hauptsache, es macht Spaß", fasst er das Motto dieser Technikstunde zusammen. In dieser "offenen Jugendarbeit", wie er es nennt, wolle er einerseits die Jugend zum Selberbasteln animieren, andererseits auch Nachwuchs für die Amateurfunker rekrutieren. Er hat eine Präsentation vorbereitet, mit der er pünktlich ab 14 Uhr den Schaltplan und die technischen Vorgänge erklärt.

Aber die Jungs müssen nicht animiert werden. Nach der ersten Pause bei selbstgebackene Muffins und Tee, geht es von der Theorie zur Praxis. Etwa die Hälfte hat zu Hause selbst einen Lötkolben, die meisten sind nicht zum ersten Mal beim Techniclub. Die letzten Sicherheitsanweisungen zum Lötkolben werden nebenbei mitgenommen, bis es endlich zur Sache geht. Die Platinen in Weihnachtsbaumform werden verteilt, dazu bekommt jeder Lötzinn und das erste Stückchen Draht. Damit soll eine Drahtbrücke über die Leiterbahnen auf der Platine gebaut werden. Das heißt: Draht zurechtschneiden, mit einer Zange zu einer Brücke biegen, mit kleinen Füßchen versehen und – endlich – auf die Platine löten.

Rauch steigt auf – es ist das verdampfende Flussmittel, das als Seele im Lötzinn enthalten ist. Leises Gemurmel, hier und da hilft ein Nachbar dem anderen. "Fertig!" ruft der Erste, doch Rattay hat noch etwas zu bemängeln: Zu hoch ist die Drahtbrücke geworden, so kann sie leichter kaputtgehen. Also nochmal ablöten, zurechtschneiden, Füßchen biegen. Das Bäumchern soll schließlich nicht nur an einem Weihnachtsabend leuchten.



Weiter geht es mit den Widerständen: Wo die zwei hinkommen, wird per Präsentation an die Wand projiziert. Und auch deren Drähte müssen gekürzt und mit Füßchen versehen werden. Zwei erfahrenere Löter, Timo und Julian, die zwei Jahre älter sind als die 15 Jungs, gehen mit Rat und Tat an den Tischen entlang.

Währenddessen streut Karl-Heinz, wie ihn hier alle nennen dürfen, theoretisch-elektronisches Wissen ein: Woran man erkennt, wieviel Ohm ein Widerstand hat (an den bunten Strichen darauf), dass man immer das zuerst anlötet, was am meisten aushält (also Draht und Widerstände, erst danach die Halbleiter), wieviele Transistoren in einem heutigen Handy sind (über 50 Millionen) und dass zum Löten auch Brandverletzungen gehören.



Als nächstes verteilen die zwei Assistenten die Kondensatoren und weiter geht's mit dem Löten. "Ihr müsst jetzt auf die Einbaurichtung achten. Man erkennt sie daran, dass auf der einen Seite ein Plus, auf der anderen ein Minus steht", erklärt Karl-Heinz Rattay. "Bei mir ist da nur ein Minus", meint der 12-jährige Levy. Ein wenig Gelächter quält sich durch den Raum.

Dass der Kursleiter jetzt eine Pause eingeplant hat, stört die Jungs herzlich wenig: "Keine Pause!" schallt es einvernehmlich. Sie wollen fertig werden. Aber die Löt-Dämpfe müssen raus und so wird gelüftet: Fenster auf und Schüler raus. Draußen erklärt der Amateurfunk-Profi seinen Schützlingen die vielen verschiedenen Antennen, die an dieser Baracke angebracht sind.



Nach der Pause kommt noch der schwierigste Teil, nämlich die dreibeinigen Transistoren. Sie sind später dafür verantwortlich, dass das kleine Bäumchen blinkt. "Nicht zu lange löten, sonst machst du Bleigießen", mahnt Rattay scherzend die Verschwendung von Lötzinn an. Außerdem können durch solche Metallberge Kurzschüsse entstehen, ergänzt er. Doch das werden viele erst später merken. Schon nach kurzer Zeit hat Jakob die erste Erfolgsmeldung: "Meiner steht schon", ruft er stolz durch den Raum.

Fehlen nur noch die wichtigsten Elemente, nämlich die Leuchtdioden. Jeder bekommt acht Stück. "Tausche zwei gelbe und eine rote gegen grüne", ruft einer. Sofort entsteht ein reger Tauschhandel um die drei Farben. Während Karl-Heinz Rattay noch erklärt, dass die drei Arten mit unterschiedlichen Spannungen arbeiten, stellt sich schnell heraus, dass die roten am begehrtesten sind. Doch nach einer Weile hat jeder die Farben, die er will, und die LED werden durch die in der Platine vorgebohrten Löcher gesteckt und ebenfalls festgelötet. Jetzt nur noch die überstehenden Drähte abknipsen und fertig.

Fertig? Nicht ganz: "Jetzt überprüft eure Platinen nochmal genau auf Kurzschlüsse!", fordert Karl-Heinz Rattay seine jungen Technikfreunde auf. Er und seine "Assistenten" Timo und Julian gehen die einzelnen Lötstationen ab und schauen genau auf die Leiterbahnen, ob nicht vielleicht doch die ein oder andere Lötstelle einen Kurzschluss verursacht.



Um 16:20 Uhr ist es so weit, das erste Bäumchen wird an die 9-Volt-Batterie angeschlossen und leuchtet auf. Alle LED blinken so, wie es geplant war. Und auch das zweite Bäumchen blinkt, nur etwas schneller. "Das ist ein anderer Kondensator", erläutert Rattay. "Ihr könnt ja zum Omega gehen und nach einem Kondensator mit 47 Mikrofarad fragen. Oder ihr nehmt andere Widerstände. Probiert's einfach aus, wann es schneller oder langsamer blinkt."

Aber nicht alle Weihnachtsbäume funktionieren. So machen sich Julian, Timo und Karl-Heinz auf die Suche nach Lötfehlern. Meistens sind die beiden Füße der "Leuchtidioten" mit Zinn verbunden. Aber auch das wird schnell behoben.

Nach drei Stunden Techniclub, viel "Bleigießen" und null Brandwunden sind 15 Jungs mit einem selbstgebauten Blink-Weihnachtsbaum ausgestattet. Gekostet hat sie das nur 5 Euro an Materialkosten. Dafür haben sie eine Menge gelernt – und vielleicht ein kleines Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern, die sie jetzt wieder abholen kommen.