Tierliebe

Im Katzencafé in Kandern sind die Perserkatzen die Stars

Tamara Keller

Es ist das einzige Katzencafé in Südbaden: das Café von Heidrun Blüny in Kandern. Wer Katzen liebt, ist hier genau richtig. Acht Perserkatzen leben hier – und sorgen für viel Gesprächsstoff.

Heidrun Blüny hält ein Tablett in der Hand auf dem eine Katze abgebildet ist. Sie serviert den Kaffee. Auf der Untertasse befindet sich ein Keks – natürlich in Katzenform. "Darf es noch Zucker sein?", fragt Blüny. Währenddessen tapst Mogli herüber und springt auf den ovalen Kratzbaum, der ein paar Zentimeter vom Tisch entfernt steht. Er kneift die Augen zusammen und begutachtet misstrauisch die abgestellten Tassen. Mogli ist ein schwarzer Perserkater und zu Hause im Katzencafé in Kandern (Fotos).

Von weit weg scheint das Katzencafé in der Bahnhofsstraße, direkt gegenüber der Kandertalbahn-Station, unscheinbar: Erst auf den zweiten Blick sind die Schilder, auf denen Katzen aufgemalt sind zwischen den Bäumen zu erkennen. Besitzerin Heidrun Blüny kam auf die Idee, als sie von der Existenz solcher Cafés aus anderen Städten erfuhr.

Bei Veranstaltungen in Kandern, unter anderem bei Flohmärkten, zeigte sie ihre Babykatzen und bot dazu Kaffee und Kuchen an. Dort wurde sie vermehrt auf Probleme bei der Katzenhaltung angesprochen. "Die Leute hatten Fragen zur Ernährung, Aggressionen und medizinischen Sachen wie Parasiten entfernen oder Impfen", sagt die 57-Jährige. "Ich wollte einen festen Ort schaffen an dem jeder darüber reden kann, wo es Probleme gibt, aber auch wie einfach es ist, ein Kätzchen zu halten." Für Fragen steht Blüny selbst zur Verfügung. Zudem kann sie ihre Kunden bei spezifischen Anliegen an Experten wie Ärzte, das Veterinäramt oder an eine Tier-Energetikerin vermitteln.
"Kätzchen geben gerne den Ton an." Heidrun Blüny
Charlotte spielt mit der Schnur, die ihr ein kleines Mädchen hinhält. Mogli hat es sich am Backsteinofen gemütlich gemacht und hält ein Mittagsschläfchen ab. Daisy wälzt sich auf dem Rücken hin und her, weil sie die Krauleinheit, die einer der Gäste ihr gerade schenkt genießt. Ohne Frage: Die Katzen sind hier die Stars. Von den insgesamt acht Perserkatzen die hier zu Hause sind, befinden sich oft nur drei im Raum. "Dass es ihnen hier zu viel Trubel wird, das ist mehr menschliches Denken", so Blüny. Eine Katzenklappe in der Hintertür ermöglicht den Ausgang ins Freie und in das Obergeschoss des Hauses, wo sie ihre Ruhe haben. "Sie werden nicht festgehalten und können raus und rein, wann sie wollen. Kätzchen geben gerne den Ton an."

Baristas schenken Kaffee aus

Ein älterer Herr betritt das Café durch die Hintertüre. "Bitte die Türe zu machen, wegen den Katzen," sagt Blüny freundlich. "Das mache ich doch immer – ich bin ja Katzenbesitzer", sagt der Gast und lächelt. "Deshalb wollte ich mir das hier unbedingt mal anschauen." Das Katzencafé gibt es erst seit August 2015 und ist nur sonntags geöffnet. Im Zweier-Team gemeinsam mit Joachim Bieler kümmert sich Blüny um die durchschnittlich 30 Gäste.

Meist stehen verschiedene Kuchensorten zur Auswahl, die von Landfrauen in Rheinfelden gemacht werden. "Guter Kaffee ist wichtig. Deshalb besuchen alle meine Mitarbeiter Baristakurse", sagt die Katzenliebhaberin. Zu ihrem Team gehören mittlerweile acht Personen, die sich alle neben ihrem Hauptjob engagieren und nach und nach immer mehr in das Café miteingebunden werden. Blüny selbst arbeitet unter der Woche als Pflegeexpertin auf der Intensivstation der Uniklinik in Basel und ist gleichzeitig selbständige Bewegungspädagogin.

Die Hygiene wird regelmäßig vom Veterinäramt kontrolliert

Lauscht man den Gesprächen der Gäste geht das Konzept auf: "Meine Katze ist viel aggressiver." "Ja, meine Katze kratzt mich immer." "Meine Katze ist verspielter." Durch die Tiere kommen Gäste von verschiedenen Tischen ins Gespräch. "Was man mit den eigenen Haustieren erlebt hat, möchte man erzählen. Ich finde das sehr schön", so Blüny. Das Café soll aber auch die Möglichkeit geben, Katzen unbefangen kennenzulernen, wenn man noch keine zu Hause hat. "Schließlich hat jeder, der sich eine Katze anschafft auch viel Verantwortung. Die meisten leben mindestens 20 Jahre."

Und wie ist das mit der Hygiene bei so einem Katzencafé? "Es gibt viele Auflagen und Anordnungen die jedes Café einzuhalten hat und die vom Veterinäramt kontrolliert werden", erklärt Blüny. Deshalb biete sie derzeit auch nur Kaffee und Kuchen an, für Fleisch zum Beispiel, wären die Auflagen nochmals gesondert. Aber bei einem Ausnahmefall wie dem Katzencafé muss es doch noch speziellere Regeln geben? "Die vom Veterinäramt sind oft hier gewesen und hatten viele Fragen", sagt Blüny. "Und das Katzenklo muss natürlich draußen bleiben."
Info

Im südbadischen Raum existiert ein Katzencafé nur im französischen Straßburg und in der Kleinstadt Kandern. Heidrun Blünys Café befindet sich in der Bahnhofsstraße 16 und hat immer am Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Pünktlich zur Adventszeit, vom 27. November bis zum 4. Dezember, ist das Café eine Woche lang auch von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Danach schließt das Café aufgrund von Umbauarbeiten und wird Ende Januar 2017 wieder aufgemacht.

Online ist das Katzencafe zu finden unter: heidruns-katzencafe.de oder in Facebook.

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