fudder-Interview

"Ich will beim Auflegen dancen": Ändi Fox über seine Soulship-Partys in Freiburg

Alexander Link

Nach dem Start der Soulship-Partyreihe 2014 und wechselnden Locations fand die Party im Juli zum ersten Mal im White Rabbit statt. fudder hat mit Veranstalter DJ Ändi Fox übers Auflegen, Soulmusik und sein Partykonzept gesprochen. Die zweite Ausgabe am 31. August wurde kurzfristig abgesagt!

Die zweite Soulship-Party am 31. August wurde leider kurzfristig abgesagt. Das Interview mit DJ Ändi Fox ist vor der Absage entstanden, deshalb möchten wir es euch nicht vorenthalten.

Seit vier Jahren veranstaltest Du die Partyreihe Soulship in Freiburg. Wie bist du zur Soulmusik gekommen?

Über die Hip-Hop-Musik, wo die Soulwurzeln in den Samples vergraben sind. Angefangen habe ich mit deutschsprachigem 90er-Hip-Hop wie Fanta 4, Jazzkantine und Rödelheim Hartreim Projekt und habe mich dann auf den Underground Hip-Hop aus den USA eingeschossen.

Sehr inspirierend fand ich die "Ozonalarm"-Mixtapes von DJ Amir, der unterschiedliche Vorlagen von Raw Deep Funk Hits auf Tapes gepackt hatte. Durch ihn kam ich zu Soul und Funk. Während meines Zivis 2001 in Berlin war ich zum ersten Mal auf einer der legendären Soul Explosion Partys von DJ Soulpusher im Pavillon im Weinbergspark und habe zu seiner Musik vier Stunden lang so abgespaced durchgetanzt wie noch nie. Er schenkte mir sogar noch eine Soul-Explosion-Compilation-CD mit der Playlist der Party.

Welches Konzept steckt hinter der Soulship-Veranstaltungsreihe?

Ich orientierte mich anfangs an DJ Soulpushers Konzept, nur unbekannte Raw Deep Funk Songs aus den 60er und 70ern auszuwählen und wollte das Spektrum mit Hip-Hop erweitern, der auf den Funk-Samples basiert und kombiniere auch gerne. Also spiele ich zuerst den Funk-Song und dann ohne Überleitung die Hip-Hop Version oder umgekehrt.

Ich wollte mehr Abwechslung in meine Playlists reinbringen und integrierte frühen Rhythm 'n' Blues aus den 50ern, rare Sachen aus der Discozeit der 80er und zeitgenössische Soul/Funk-Produktionen sowie African und Latin Funk, auch Boogaloo genannt. In meine Playlist kommt alles, was grooved, ab und zu auch Hits. Neben der Musik laufen auch Videos aus der US-Fernsehsendung "Soul Train" aus den 70ern. Wer in funky Klamotten zur Party erscheint, bekommt außerdem einen kleinen Preisnachlass.

"Mein oberstes Kriterium ist, dass der Song einen richtig packt und auch ich persönlich dancen will."

Wie wählst Du die Track aus, die Du auf den Partys auflegst?

Mein oberstes Kriterium ist, dass der Song einen richtig packt und auch ich persönlich dancen will. Inzwischen arbeite ich nur noch mit Vinyl, weil der Sound die Tiefen voller ausfüllt und besser klingt als digital komprimierte mp3-Dateien. Konkret nehme ich mir zu Hause sechs bis sieben Stunden Zeit zum Reinhören, bringe die Songs in eine Reihenfolge und lege mir die entsprechenden Platten raus. Das hat sich vor allem nach meiner Ankunft in Freiburg bei den Partys im Ruefetto bewährt.
Dadurch geht zwar der Livemoment des Auflegens, also die Idee den nächsten Song im Augenblick zu kreieren, etwas verloren, aber ich kann jederzeit auch improvisieren und zwischen den Tracks aus meiner Playlist spontan die Plattenfolge wechseln. Es scheint zu funktionieren, da mir sogar schon ein paar Leute meine Playlist abkaufen wollten.

Wie kam die erste Soulship-Party dieses Jahr beim Publikum im White Rabbit an?

Die erste Soulship-Party am 14. Juli war anfangs nur mäßig besucht, aber die Leute, die da waren, haben getanzt und die Stimmung war super. Gegen drei Uhr dachte ich, der Abend wäre gelaufen und plötzlich hat sich der Laden gefüllt und alle haben getanzt. Es waren so um die 130 bis 140 Leute da, also für den ersten Abend in der neuen Location echt gut und ich habe durchgehend bis fünf Uhr morgens aufgelegt.

"Ich nehme mir zu Hause sechs bis sieben Stunden Zeit zum Reinhören."

Welche Veränderungen hast Du im Freiburger Nachtleben in den letzten Jahren wahrgenommen?

Das Clubsterben in Freiburg habe ich miterlebt. Das gehört aber irgendwie zum Nachtleben dazu. Ich hab das Gefühl, dass der Druck auf die Clubbesitzer durch wechselnde Hauseigentümer weiter wächst. Ich denke und hoffe aber, dass es weiterhin gute Partys geben wird.

Was waren deine Highlights in den letzten vier Jahren Soulship in Freiburg?

Für mich ist jede Soulship ein Highlight! Ich habe mega Spaß im Vorfeld Platten auszusuchen, die Playlists zu erstellen und neue Platten von meiner Wunschliste zu bestellen. Wenn die Vorbereitungen dann aufgehen und ich am Abend der Party die Leute ein Stück weit glücklich machen kann und man diese Freude und Liebe zu der Musik gemeinsam teilt, dann füllt mich das aus.
Andreas Kerbs aka DJ Ändi Fox ist in Sibirien geboren und in Lahr aufgewachsen. Er studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam medienspezifisches Schauspiel. Nach Abschluss des Schauspiel-Diploms folgten freie Theater-Engagements in der Schweiz sowie ab 2011 ein Festengagement am Stadttheater Bremerhaven. Dort hat er 2012 die Soulship-Partyreihe ins Leben gerufen. Nach einer kurzen Zwischenstation in seiner Heimatstadt Lahr ist er seit 2014 mit seiner Soulship-Partyreihe in Freiburg angekommen.


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