Ich steh' dazu: Ich schau Germany's next Topmodel

Kristina Bieda

Fast jeder hat sie, kaum einer verrät sie: die peinliche Lieblingsfernsehsendung. Bei Kristina ist es Germany's Next Topmodel. Wenn die Grazien über die Mattscheibe stolzieren, feiert die 25-jährige Studentin aus Freiburg mit ihren Freundinnen ein kleines Lästerfest.



Jeden Donnerstagabend sitze ich mit meinen Freundinnen vor dem Fernseher und schaue Germany’s Next Topmodel. Wir diskutieren dann über so wichtige Dinge wie, ob es gerechtfertigt war, dass Gina-Lisa von Sarah getrennt wurde. Bei diesem Drama musste ich mir einige Tränen aus den Augen wischen. Wenn Gina weg ist, kann ich nur noch über Giselle lachen – die Heulsuse vom Dienst.


Meine Leidenschaft für diese Sendung habe ich nie bewusst geheim gehalten – ich hätte nur nicht gedacht, dass sich meine Freundinnen dafür interessieren. Umso überraschter war ich, als vor dem letzten Staffelfinale eine Freundin plötzlich sagte: „Also, ich hoffe nicht, dass Anni heute gewinnt.“ Und plötzlich fingen alle an zu diskutieren. Jede von uns hatte die Show verfolgt – nur niemand darüber gesprochen.

Während die Kandidatinnen 40 Stockwerke zu Fuß erklimmen und sich anschließend auf dem Catwalk präsentieren, futtern wir Schokolade und Chips. Wir kommentieren: „Geil, wie Sophia den Aachen-Proll nachgemacht hat.“ Oder: „Also Heidi hat ja echt immer krasse Sachen an.“

Ich fiebere richtig mit und lache mich schlapp, wenn die zukünftigen internationalen Topmodels kein Wort Englisch verstehen. Ich freue mich, wenn Janina wieder für eine Show gebucht wird und die anderen leer ausgehen.
Was die Show obendrein reizvoll macht? Dass die Mädchen ohne Make-up und Top-Haarschnitt ganz normal aussehen.

Jede von uns könnte „Germany’s Next Topmodel“ sein. Und das bisschen „sexy, sexy, sexy“ laufen kriegen wir bis zur nächsten Staffel sicher auch noch hin.