Ich steh' dazu: Ich liebe Afterhour

Bernhard Amelung

fudder-Autor Bernhard hat eine große Liebe: die Afterhour. Eine Ode an die Party nach der Party.



Meine Liebe, ich will es gar nicht wissen, wie lange unsere letzte Begegnung zurückliegt. Denn um Dich treffen zu können, muss ich jedes Mal einen langen Anfahrtsweg auf mich nehmen. Hier, in Freiburg, meiner Wahlheimat, bist Du derzeit nämlich nicht gerne gesehen. Und ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird, bleibt offen und ungeklärt.


Die örtliche und zeitliche Distanz zwischen uns steigert meine Sehnsucht nach Dir. Es gibt Wochenenden, da halte ich es kaum aus ohne Dich. Umso wichtiger daher die Erinnerungen an unsere gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen. Bleibend stark der Eindruck, als wir uns ein erstes Mal begegnet sind. Ich kannte Dich nicht und hatte nichts von Dir, außer einem kleinen, handgeschriebenen Zettel. Ein Straßenname, eine Hausnummer und eine kleine Wegskizze.

Und dann Dein warmer, freundlicher Empfang. „Mach Dich gefasst, dass viel Zeit verstreichen kann, wenn Du bei mir bist“. Diese Worte hast Du mir damals ins Ohr gehaucht. Und auch heute noch spielt für Dich die Zeit eine nur untergeordnete Rolle. Ob es Sonntagnachmittag um vier Uhr oder Montagfrüh um neun Uhr ist, macht Dir nichts aus. Auch noch nach Jahren bist Du voller pulsierender Energie und Lebensfreude.

Der Soundtrack unserer gemeinsamen Stunden ist voller melancholischer Leichtigkeit. Du forderst nicht mehr unweigerlich zum tanzen auf. Du lässt zwar genug Raum für ungenierte Bewegungen, alleine oder gemeinsam, aber Du lässt mich auch mit traumverhangenen Augen zuhören und nichts tun. Die Menschen, die Du kennst, und die sich gerne in Deiner Nähe aufhalten, sind irgendwie schräg, buchstäblich seltsam.

Sei es ein Fondsmanager, der Stunden zuvor noch Millionen um den Globus herumgeschubst hat, sei es ein junger Arzt nach einer Wochenend- und Nachtschicht, seien es Künstler oder Kreativ-Prekäre, seien es Freaks ohne Herkunft und Ziel, für die das Wochenende bereits donnerstags beginnt und montags noch nicht zu Ende ist.

Diese farbenfrohe Schönheit, diese Ausgelassenheit sind manchmal jedoch von nur sehr kurzer Dauer. Es gibt Tage, an denen bist Du unerträglich launisch und hart zu mir. Du hältst mich fest und sorgst dafür, dass ich nach unserem Treffen einen weiteren Tag brauche, um wieder in den Alltagsrhythmus einzutakten. Es gibt Stunden, da lässt Du mich alleine durch verschiedene Wirklichkeiten wandern, zeigst mir noch unbekannte Seelenräume eines Bohemiens.

Auch befinden sich in Deinem Umfeld immer wieder Menschen, die mit verbotenen Substanzen, Drogen, Umgang haben. Du heißt den Konsum nicht gut, ermutigst niemanden zum Ge- beziehungsweise Missbrauch. Aber Du unternimmst auch nichts dagegen. Denn irgendwie gehört es doch zu Dir.

Möglicherweise werden unsere Treffen eines Tages noch seltener, werden sich unsere Wege ganz trennen. Vielleicht, weil ich zu alt für Dich bin, weil ich Deinen Lebensrhythmus nicht mehr mitgehen kann oder mit Deinen Launen trotz allem nicht so gut zurechtkomme, wie gedacht.

Und dennoch liebe ich Dich, Afterhour!

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