Ich steh' dazu: Ich fahre ein dickes Auto

Marcus Czerwinski

Freiburg ist die Stadt der umweltbewussten Fahrradliebhaber, da haben es Autofahrer generell schwer. Wenn man dann noch wie Marcus einen großen, protzigen Pick Up durch die gegen kutschiert, sind die Beschwerden vorprogrammiert. Marcus aber findet: So ein Auto muss sein.


"Mit meinem Auto errege ich viel Aufmerksamkeit - nicht nur positive. Ich fahre einen Dodge Ram, einen amerikanischen Pick Up. In den Staaten ist das ein ganz normales Arbeitsfahrzeug, bei uns gilt er eher als Protzkarre und Umweltsünde.


Ich habe das Auto aber sofort umrüsten lassen, als ich es vor anderthalb Jahren gekauft habe. Es kann jetzt sowohl Benzin als auch Autogas tanken. Ich schwöre auf Letzteres, bei 20 Litern Verbrauch könnt ich ihn mir sonst auch gar nicht leisten.

Dass das möglich ist, glauben viele Leute nicht: Seit ich vor kurzem Monaten in die Wiehre gezogen bin, werde ich ständig auf offener Straße angemacht. Viele Radfahrer zeigen mir den Stinkefinger oder tippen sich an die Stirn. Ich habe auch häufig Zettel hinter dem Scheibenwischer auf denen Leute fragen, ob so ein Auto sein muss.



Ich brauche beruflich einen großen Wagen, der Anhänger ziehen kann und der eine große Ladefläche hat. Natürlich könnte ich auch einen unserer drei Transporter nehmen. Aber ich finde den Dodge einfach geil. Er ist einzigartig, hat genau die richtige Größe und Form. Außerdem will ich ihn noch mit unserer Werbung bekleben, der Wagen ist ein echter Hingucker.

Einige Leute halten mich für einen Zuhälter, das liegt vielleicht auch an unseren zwei großen schwarzen Hunden, die bequem auf dem Rücksitz Platz haben. Aber wer mal genauer hinschaut sieht, dass daneben unsere zehn Monate alte Tochter im Kindersitz sitzt. Familienfreundlich ist der Wagen also auch noch."

[Marcus Czerwinski, 39, Freiburg]

(aufgezeichnet von Dana Hoffmann)



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