Ich steh' dazu: Ich arbeite in einem Sexshop

Eva Hartmann

Zur richtigen Kondomgröße zu raten und über Vibrationsstufen und multiple Orgasmen zu sprechen gehört für Robert Weibelzahl (33) zum Alltag. Er arbeitet in einem Sexshop. Peinlich ist ihm das überhaupt nicht. Eva hat mit ihm gesprochen.



"Um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen, nahm ich mit 21 eine Stelle als Verkäufer im Sexshop an – aus dieser Übergangslösung sind mittlerweile zwölf Jahre in der Branche geworden. Heute arbeite ich als leitender Angestellter im Erotic Markt Freiburg.


Peinlich war mir der Job nie. Am Anfang fand ich alles geil und bin praktisch mit einem Dauerständer herumgelaufen. Mittlerweile fühlt es sich nicht mehr anders an, als würde ich Brötchen verkaufen. Ich bin nicht abgestumpft, aber ich habe mich an vieles gewöhnt. Kaum noch etwas finde ich pervers. Das meiste sehe ich als Fetisch an. Es sind eher die Kunden, denen etwas peinlich ist. Aber in Freiburg sind die Leute viel offener und lockerer als beispielsweise in Berlin oder Kaiserslautern, wo ich vorher gearbeitet habe.



Dass ich in Verkaufsgesprächen manchmal ein wenig von meinem eigenen Sexleben offenbaren muss, ist mir nicht unangenehm. Gut beraten kann ich schließlich nur, wenn ich weiß, wovon ich rede. Freunde und Familie reagieren sehr positiv auf meinen Job. Oft werde ich gefragt, ob ich dieses oder jenes günstiger besorgen kann. Auch bei der Wohnungssuche hat mein Job noch keinen Vermieter abgeschreckt.

Meine Arbeit ist abwechslungsreich; ich habe schon viele spannende Geschichten erlebt. Außerdem hat jeder Mensch sexuelle Vorlieben und Fantasien; es wäre doch albern, das zu leugnen."