Ich steh' dazu: Ich arbeite 50 Stunden pro Woche

Mike

Viele junge Arbeitnehmer arbeiten deutlich mehr, als sie nach ihrem Arbeitsvertrag eigentlich müssten. Und zwar nicht nur aus Angst vor der Arbeitslosigkeit, sondern manchmal auch, weil Überstunden zum Traumjob dazugehören. So wie bei Mike, 29, aus Ehrenkirchen. Mike ist Koch und steht an Spitzentagen auch mal 16 Stunden in der Küche.



"Eigentlich müsste ich nur nur 10 Stunden am Tag arbeiten. Das steht in meinem Arbeitsvertrag. Aber ich bin Koch, und da arbeitet man grundsätzlich mehr.


Ich liebe meinen Beruf. Als Koch werde ich jeden Tag mit vielen unterschiedlichen Dingen konfrontiert, und lerne ständig etwas Neues dazu. Kochen hat mit vielen unterschiedlichen Themen zu tun, zum Beispiel mit Physik, Biologie, Technik, Mathe. Auch die körperliche Arbeit macht mir großen Spaß, denn ich kann nur ganz schwer still sitzen, und das tut man als Koch quasi nie.

Wie viel man arbeitet hängt davon ab, wie viel los ist: an Feiertagen kommt man schon mal auf elf oder sogar 16 Stunden.

Ich komme mir nicht ausgebeutet vor, denn dass man unbezahlte Überstunden macht, ist in der Gastronomie einfach üblich. Als ich mich für den Beruf entschieden habe, war mir das sehr genau bewusst. Zum einen kannte ich das schon aus meiner Familie, denn mein Onkel ist Koch und meine Oma war Küchenhilfe, zum anderen wurde das beim Vorstellungsgespräch für die Lehre natürlich besprochen.



Einer der Gründe, warum ich meinen Beruf so sehr mag ist der Teamgeist: Man kocht in einer Küche zusammen und macht eben auch zusammen Überstunden.

Ich würde meinen Job auf jeden Fall verlieren, wenn ich nach 10 Stunden Dienst einfach gehen würde, denn schließlich trage ich die Verantwortung dafür, dass das, was auf der Karte steht, auch gekocht werden kann, dass alle Zutaten vorhanden sind, und alles zubereitet werden kann. Wenn im oder vor dem Service keine Zeit zum Vorbereiten sein sollte, dann muss halt die Freizeit herhalten. Schließlich müssen die Sachen ja gemacht sein, sonst funktioniert ein Restaurant nicht.

Viel Freizeit bleibt da nicht, und wie bei Vielen in der Gastronomie besteht auch mein Freundeskreis fast nur aus Kollegen. Auch meine Freundin ist Köchin, das funktioniert super. Jemand mit geregelten Arbeitszeiten hätte bestimmt kein Verständnis.

Nach der Arbeit habe ich meist keine Lust mehr, Zuhause auch noch zu Kochen. Es gibt Kollegen, die das tun aber wenn ich frei habe, gehe ich lieber essen. Das hat außerdem den Vorteil, dass man mal was anderes zu sehen und zu essen kriegt, als dass, was man selbst drauf hat.

Manchmal frage ich mich, ob ich mir mein Leben mit einem anderen Beruf vorstellen könnte. Vorstellen, das geht noch, aber der Beruf des Kochs ist für mich wie eine Droge. Ohne geht’s nicht. Schon nach zwei Wochen Urlaub juckt es mir richtig in den Fingern, wieder an den Herd zu kommen.

Der einzige Grund, das Feld doch zu wechseln wären Kinder. Für eine eigene Familie wäre ich schon bereit, umzudenken."

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  • fudder: http://fudder.de dazu:="" auto="" ein="" titel="" ich="" fahre="">Ich steh' dazu: Ich fahre ein dickes Auto