"Ich bin nicht wahnsinnig, ich lasse doch keine Ratte abknallen"

Daniel Laufer & Tanja Bury

Er habe sein Ziel schon erreicht: Am Dienstag hat Florian Mehnert das Tier dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald übergeben. Wir haben mit dem Künstler gesprochen - über das vorzeitige Ende seines Experiments:



Die Ratte ist gerettet: Der Nager, den der Markgräfler Künstler Florian Mehnert in den Fokus seines neuen Kunstprojekts gestellt hat, wurde am Dienstag von Vertretern des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald und des Polizeipräsidiums abgeholt. Am Ende der Aktion, mit der Mehnert gegen die Überwachung und den Kampfeinsatz von Drohnen protestierte, sollte der Tod der Ratte stehen. Nun hat er das Projekt vorzeitig beendet. In die Installationsbox hat er nun Fotos von Drohnentoten gehängt.


"Es war nie vorgesehen, die Ratte tatsächlich zum Abschuss freizugeben", sagt Mehnert. Seit 19 Uhr am Dienstagabend steht auf der Webseite des Künstlers: "Game Over." Schon einige Stunden zuvor hatte er dort das Ende seines Kunstprojekts "Elf Tage" angekündigt. "Ich bin doch nicht wahnsinnig, ich lasse doch keine Ratte abknallen - auch nicht im Dienste der Kunst", so Mehnert. Im Dienste der Kunst aber hatte er die Öffentlichkeit hinters Licht geführt.

Denn ursprünglich hatte er angekündigt, ein Besucher könne die Ratte nach Ablauf eines Countdowns am 25. März erschießen - ferngesteuert, vom Computer oder Smartphone aus. Seit Ende vergangener Woche war das Tier in der Installationsbox bereits über ein Live-Video im Internet zu sehen. Auf dem Lauf einer Pistole hatte Mehnert eine Kamera installiert.

Tatsächlich erhielt Mehnert große Aufmerksamkeit: Innerhalb kürzester Zeit lösten seine vermeintlichen Pläne eine Welle der Empörung aus. Der 45-Jährige erhielt Morddrohungen, es gingen mehrere Anzeigen - darunter vom Verein Menschen für Tierrechte mit Sitz in Stuttgart - ein. Rund 6000 Unterstützer unterzeichneten im Internet eine Petition und forderten, die Ratte herauszugeben. Auch der Tierschutzverein Markgräflerland sprach von einem "abscheulichen Vorgehen". Medien aus ganz Europa berichteten über das Experiment des gebürtigen Kölners.



Mehnert hat die Ratte tierschutzgerecht gehalten

"Ich wollte, dass Empörung entsteht, dass man sich Gedanken macht und Vergleiche zieht", so Mehnert. "Das Publikum sollte sich die Folgen der Überwachung bewusst machen. Die Menschen fragen sich: 'Kann ich dagegen als Einzelner überhaupt etwas machen? Vielleicht kann ich ja wenigstens die Ratte retten - dann habe ich etwas Gutes getan.'" Die Ratte als Symboltier sei ein klassischer Platzhalter gewesen - das lasse die Emotionen hochkochen.

Am Dienstagvormittag nun, nur zweieinhalb Tage nach Beginn des Countdowns, hat Mehnert Besuch von Vertretern des Landratsamts und des Polizeipräsidiums bekommen und ihnen die Ratte freiwillig übergeben. Bis dahin sei sie tierschutzgerecht gehalten worden, wie der Veterinär des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald laut Pressemitteilung festgestellt hat. Die Box war ausreichend dimensioniert, in ihr war das Tier nur vier Tage allein gehalten worden. Die Paintballwaffe, die auf den Nager gerichtet war, sei weder angeschlossen noch geladen gewesen.

Auch wenn es nun keine Ratte mehr gibt: Das Projekt wird Florian Mehnert wohl noch eine Weile beschäftigen. Er hofft, dass die Diskussionen anhalten werden. "Die Problematik ist ja noch nicht im Ansatz gelöst. Ich habe sie jetzt angestoßen."