Hugstetter Katastrophe jährt sich

Meike Riebau

Das größte Zugunglück Deutschlands geschah vor 125 Jahren vor den Toren Freiburgs: 64 Tote und 230 Verletze wurden aus den Trümmern der entgleisten Breisachbahn geborgen. Die Stadt erinnert am Montag an die Katastrophe mit einer Kranzniederlegung an der Unglückstelle.



Die Hugstetter Katastrophe vor 125 Jahren war für das 19. Jahrhunderts das, was für uns heute Eschede ist: Das verheerendste Bahnunglück der damaligen Zeit.


Der 3. September 1882 war ein Feiertag. Mehr als 2000 Menschen hatten den Sedantag genutzt, um mit dem neuen Zug aus dem Elsass nach Freiburg zu fahren. Der Zug war deshalb abends mit 1200 Passagieren voll besetzt, als er Freiburg verließ. Das Unglück geschah kurz hinter der Stadtgrenze Freiburgs:

Auf freier Strecke entgleiste der Zug, die Lok blieb im Schlamm stecken und 25 der 28 Waggons sprangen aus der Spur. Die damals noch aus Holz gebauten Waggons verkeilten sich ineinander und zersplitterten.
Die ersten Helfer erreichten die Unglücksstelle erst Stunden später, denn zu allem Überfluss war auch noch die Telegrammleitung beschädigt worden.

Es bot sich ein schreckliches Bild: Die Waggons waren auf einem riesigen Gebiet verteilt. 64 der 1200 Passagiere konnten die Feuerwehrleute nur noch tot aus den Trümmern bergen, 230 Menschen waren zum Teil sehr schwer verletzt. Ganze Familien waren in dem Zug gestorben.

Das Unglück war ein Schock für das gesamte Deutsche Reich, im ganzen Land wurde halbmast geflaggt und sämtliche Feiern abgesagt.
Die Ursache für die "Hugstetter Katastrophe" ist bis heute ungeklärt.
Es wird zwar heute vermutet, dass schwere Regenfälle die Trasse unterspült hatten und der Zug aufgrund der hohen Passagierzahl Übergewicht hatte, aber selbst bei einem später stattfindenen Prozess konnten die Gründe nie gerklärt werden. Selbst bei einem späteren Prozess gegen den Eisenbahnoberispektor, Lokomotivführer und drei weitere Angestellte der Deutschen Bahn kam man zu keinem eindeutigen Ergebnis, und die Angeklagten wurden deshalb freigesprochen.



Übrigens ist das Hugstetter Unglück die Ursache, dass heute alle Lokomotiven nur noch Nummern tragen, und nicht wie vorher, mit Namen gekennzeichnet wurden:
Die Unfalls-Lokomotive trug den Namen "Kniebis", und war bei dem Unglück unbeschädigt geblieben, deshalb versuchte die Bahn, kühl ökonomisch gedacht, sie später wieder einzusetzen. Viele Passagiere aber, die den Namen wiedererkannten, weigerten sich, in die "Unglückslok" einzusteigen - deshalb ging man dazu über, Seriennummern zu verteilen.

Heute erinnert ein Kreuz in Landwasser an das schwere Unglück. Dort wird am kommenden Montag im Namen des Oberbürgermeisters ein Kranz niedergelegt werden, anlässlich des 125. Gedenktages.

Mehr dazu:

  • Staufener Wochenblatt aus der Unglückswoche: Titelblatt