Holzwerkstatt für Geflüchtete sammelt über 42.000 Euro Spenden

Maike Sommer

Im Projekt puzzle³ der Stadtpiraten lernen Geflüchtete bei einem Schreinermeister Theorie und Praxis des Handwerks. In einer Crowdfunding-Aktion hat die Holzwerkstatt nun ihre Fundingschwelle erreicht.

Das Projekt puzzle³ der Stadtpiraten hat bei seiner Crowdfunding-Aktion mit über 42 tausend Euro zwar nicht sein Fundingziel, aber die Spendenschwelle erreicht. Über Startnext konnten Menschen in den vergangenen Wochen das gemeinnützige Projekt mit Spenden unterstützenund damit Geflüchteten helfen, ein Handwerk zu lernen. Die Fundingschwelle war der Mindestbetrag, den die Stadtpiraten brauchten, um das Projkannekt weiterführen zu können.


In der Holzwerkstatt der evangelischen Stadtmission im Vauban lernen aktuell acht Geflüchtete Männer aus Gambia, Afghanistan, Syrien, Serbien und dem Irak die Grundtechniken des Schreinerhandwerks. Die 16- bis 33-Jährigen treffen sich in zwei Gruppen jeweils zwei Mal pro Woche zum theoretischen und praktischen Unterricht. "Mehr Zeit haben die Männer nicht, da viele nebenbei noch die Schule, Sprachkurse oder Integrationskurse besuchen", erzählt Stadtpirat David Rösch, der Projektleiter.

Geflüchtete lernen auch Pünktlichkeit und Verbindlichkeit

Der Schreinermeister Hans-Jürgen Hug lehrt sowohl technisches Zeichnen und praktisches Arbeiten als auch Sozialkompetenzen und Reflexionsfähigkeit. Die Geflüchteten lernen den Arbeitsalltag in einem zukünftigen Betrieb kennen und erfahren, Pünktlichkeit und Verbindlichkeit einzuhalten. Auch das gewissenhafte Arbeiten nach Vorgaben sowie unter normalem Betriebstempo gehört zum Kursalltag.

"Das Projekt dauert jeweils vier Monate. Ende Mai beginnt eine neue Gruppe sowie ein Kurs für Fortgeschrittene, bei dem auch Männer aus der aktuellen Gruppe mitmachen werden. Damit wollen wir für die Geflüchteten den Sommer überbrücken, damit sie im Herbst hoffentlich eine Ausbildung beginnen können und sich vorbereitet fühlen", sagt Rösch.
Die Männer bauen und gestalten vorwiegend Haushalts-und Gebrauchsgegenstände, die sie auch im Rahmen der Crowdfunding-Aktion verkauft haben. Die Produkte sind auch nach der Kampagne auf der Homepage der Stadtpiraten erwerbbar.
Die Stadtpiraten stellen das Projekt puzzle³ im Video vor



Der Erlös wird benötigt, um das Projekt langfristig zu finanzieren und ermögliche zudem, dass auch Geflüchtete, die keinen Zugang zu bestehenden Förderstrukturen haben, teilnehmen können. "Mit den Spenden aus der Aktion finanzieren wir Material, Miete, Werkzeug, Theorieunterlagen und den Schreinermeister. Toll wäre es, genug Geld zu sammeln, um das Projekt auf die Fachbereiche Metall und Elektro auszuweiten. Und traumhaft, eigene Jobs für Geflüchtete in der Werkstatt anbieten zu können" sagt der Projektleiter.

Die Zukunft ist abhängig von den Finanzen, den Mitarbeitern und der Firmenresonanz. Letztere ist bisher durchweg positiv, die Handwerkskammer Freiburg lobt die Initiative und die Vorbereitung der Männer auf die Ausbildungssituation. Die erste Möglichkeit für die Teilnehmer mit dem Arbeiten zu beginnen, ergibt sich allerdings erst im Herbst.

In der Schreinerei können sich auch Frauen bewerben

Bei Geflüchteten Männern in Freiburg stößt die Holzwerkstatt auf großes Interesse. Die Bewerberzahlen für die Projekte übersteigen jedes Mal die Platzzahl. Auf den jetzigen Kurs haben sich für acht verfügbare Plätze 22 Menschen interessiert. Die Schreinerei ist prinzipiell auch offen für Mädchen, bisher haben sich aber nur Männer und Jungs angemeldet.

Rösch erklärt dieses Phänomen folgendermaßen: "Männer haben in den Familien häufig Schlüsselrollen und wollen Verantwortung übernehmen, die ganze Familie profitiert am Ende von der Arbeit." Kemo Demba, einer der Teilnehmer des Projekts, ist sehr begeistert vom Schreinerhandwerk und dem System der Holzwerkstatt. Er sagt: "Ich will im Herbst unbedingt eine Schreinerausbildung machen und werde sehr stolz sein, wenn ich später Schreiner bin. Das Projekt ist toll!"

Die Schreinerwerkstatt gibt es seit Januar 2017

Entstanden ist die Holzwerkstatt im März 2016 als Ehrenamt. Seit 2010 arbeitet David Rösch bei den Stadtpiraten mit Flüchtlingskindern und lernte dadurch die Wohn- und Lebenssituation der Kinder und ihren Eltern in Freiburgs Wohnheimen kennen. Häufig haben die Eltern keine Zukunftsperspektiven, wodurch es oft auch ihre Kinder schwer haben.

Aus dieser Problemlage heraus hat er zusammen mit der Stadtmission die Idee für die Schreinerwerkstatt entwickelt. Das Projekt in der aktuellen Form besteht seit Januar dieses Jahr. "Wir wollen ein Puzzlestück zwischen der aktuellen Situation der Jungs und ihrer Ausbildung sein. So ist auch der Name entstanden", erzählt Rösch. "Am Ende gibt eine theoretische und eine praktische Abschlussprüfung, allerdings kein offizielles Zertifikat. Unser Projekt hat eher einen Vorbereitungscharakter für das Berufsleben. Aber die Schüler wissen, was sie können und die Firmen können sich ebenfalls ein Bild darüber machen".

Gegenseitiges Feedback am Ende des Projekts

Außerdem füllen die Männer gemeinsam mit einem Sozialarbeiter regelmäßig Evaluationsbögen aus. Damit lernen sie, sich selbst einschätzen zu können und ihr Handeln zu reflektieren. Schreinermeister Hug gibt den Teilnehmern ebenfalls regelmäßig Rückmeldung. "Die kann sich auch ruhig von der Selbsteinschätzung der Männer unterscheiden. Wir arbeiten gemeinsam an den Unterschieden und besprechen die Gründe", erzählt Rösch.

In den Rückmeldungen geht es unter anderem um Pünktlichkeit, das Einhalten von Arbeitsvorgaben, aber auch um die Ziele nach dem Projekt, die Selbsteinschätzung über das eigene Können und darum, ob ihnen das Projekt geholfen hat. Auch geben die Geflüchteten nach dem Kurs Feedback an die Mitarbeiter und die Werkstatt.
Rösch: "Die Jugendlichen und Männer erfahren meistens durch die Sozialdienste oder durch die Stadtpiraten von uns. Wir haben viele Kontakte zu Wohnheimen, wo wir von der Werkstatt erzählen." Mehr zum Thema: