Hörsaal-Reportage: Senat bestätigt Schiewer

Nina Braun

Es war nicht wirklich knapp, aber auch nicht wirklich eindeutig: Mit 18 Ja-, 11 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen hat der Senat am heutigen Nachmittag die umstrittene Wahl Hans-Jochen Schiewers zum neuen Rektor der Universität Freiburg bestätigt. Die Uneinigkeit innerhalb des Gremiums trat auch im Verlauf der öffentlichen Sitzung deutlich zutage. Ein Bericht aus dem Hörsaal.



Die Anspannung ist groß im voll besetzten Hörsaal 1199, und ganz offensichtlich fühlen sich die beiden Sprecher der Sitzung und Vorsitzenden von Universitätsrat und Senatswahlausschuss, Horst Weitzmann und Hermann Schwengel, vor allem dazu bemüßigt, die viel diskutierte Entscheidung vom Montag zu rechtfertigen: Der Universitätsrat hatte erstmals die von der Findungskommission vorgeschlagenen Kandidaten, dieses Mal Slavistik-Professorin Elisabeth Cheauré und Molekularmediziner Christoph Peters, zugunsten eines anderen Bewerbers übergangen. Wegen der umstrittenen Entscheidung für den bisherigen Vizerektor gilt die Bestätigung durch den Senat heute als nicht so sicher wie bei vergangenen Wahlen.


Weitzmann gibt in seiner Rede denn auch sein Bestes, den Findungsprozess zu begründen. Er wehrt sich gegen die Vorstellung, die zum großen Teil externen Mitglieder des Universitätsrates wollten der Hochschule etwas von außen aufdrücken, spricht vielmehr von ihnen als "unabhängige Geister, die sich nichts mehr beweisen müssen", und beschwört die Geschlossenheit der Universität in großen Fragen wie Personalentscheidungen.

Das Echo, das die Wahl in der Presse ausgelöst hat, erklärt er mit "internen Indiskretionen", die sich zu "medialen Kampagnen" entwickelt hätten. Seine Begründung der Entscheidung läuft schließlich auf ein Argument hinaus: Dem Vizerektor und seiner Mannschaft, die bereits seit der kurzen Voßkuhle-Zeit zusammen arbeitet, traue man eine unmittelbare Fortsetzung der momentanen Aktionen wie Exzellenzinitiative oder Verschlankung der Verwaltungsabläufe am ehesten zu.

Hermann Schwengel warnt anschließend in seiner Rede geradezu behutsam davor, die Entscheidung vom Montag aus dem Zusammenhang mit dem vorhergegangenen, langen Suchprozess zu reißen. Mehrmals betont er die Intensität der Diskussionen, die enge Ausgangslage, die Gleichwertigkeit der Bewerber und die Vielfalt der Faktoren, die in der Berichterstattung zu kurz gekommen sei.

Aus der Notwendigkeit heraus, diese Komplexität zu reduzieren, habe der Rat schließlich seine Entscheidung gefällt - "eine enge Entscheidung, die als legitim gelten darf, auch wenn sie nicht gleichermaßen von allen Seiten begrüßt wird". Wie schon Weitzmanns Ansprache wirkt auch diese fast entschuldigend und scheint diktiert von dem Bewusstsein um die öffentliche Kritik, und ebenso wie Weitzmann weist Schwengel darauf hin, dass man sich mit Schiewer die unmittelbare Fortsetzung der begonnenen Abläufe und der "Aufbruchsstimmung" des Frühjahrs erhoffe.

Schließlich wird den Senatsmitgliedern das Wort erteilt, und schnell kommt es zu deutlichem Protest. Vor allem die Frage der Gleichstellung treibt viele um. Wenn nun, wie zuvor von beiden Sprechern wiederholt betont, die drei Kandidaten gleichwertig gewesen seien: Warum dann keine Rektorin Elisabeth Cheauré?

Besonders deutlich wird hier einer der Dekane: Es gehöre ganz eindeutig zum Selbstverständnis der Universität, bei der Berufung zweier gleichwertiger Kandidaten die Frau zu wählen. Man habe eine einmalige Chance vergeben, die Gleichstellungsvorgaben tatsächlich durchzusetzen, und zugleich die Glaubwürdigkeit der gesamten Universität gefährdet. Das Plädoyer gipfelt in einem Aufruf, die Wahl Schiewers abzulehnen: "Wenn wir uns heute nicht anders entscheiden, können wir gleich aufhören!" Unterstützt wird er von einigen anderen Senatsmitgliedern: Die Universität sei bereit für eine "Führungsfrau", die Entscheidung gegen Elisabeth Cheauré ein "eklatantes Versäumnis" und vielleicht sogar rechtlich bedenklich.

Es gibt aber auch Gegenargumente: Die Geschlossenheit der Gremien, so andere, müsse gewahrt werden und der Senat sich an seiner überindividuellen Gesamtverantwortung orientieren. Ausgerechnet die studentischen Mitglieder kündigen an, die Wahl Schiewers geschlossen zu bestätigen: Ein gewisser Widerwille, sich vom Universitätsrat übergangen zu fühlen, sei von der Person zu trennen. Zudem müsste mit einer Ablehnung Schiewers das gesamte Wahlverfahren wieder aufgerollt werden; Unmut hätte es ohnehin bei jedem Ausgang gegeben.

Schiewer selbst gibt sich schließlich in seiner 15-minütigen Präsentation betont selbstsicher und kontrolliert. Auch er sagt "Rektorteam" und weist somit auf die Vorzüge seiner eingearbeiteten Mannschaft hin, spricht viel von Exzellenzen und von "Qualitäts- und Autonomiesicherung". Er kündigt an, nicht nur die Forschung, sondern vor allem auch die Lehre fördern zu wollen, und außerdem - und hier geht ein amüsiertes Raunen durchs Publikum - die Frauen.

Der designierte Rektor lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, er hat sich vorbereitet. Sein Vortrag ist gut einstudiert, aber ein wenig blutleer. Nichts überlässt er dem Zufall, nicht einmal die Gestik, mit der er das Gesagte unterstreicht. Wenn er von der Universität als "Institution" spricht, ballt er die Fäuste ein bisschen.

Bei der anschließenden Fragerunde fallen zwar einige "Ähs", aber jede Frage wird irgendwie beantwortet. Schiewer besteht seinen Auftritt vor dem Gremium: 18 Ja- gegen 11 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen bestätigen ihn im Amt. Und ein wenig Erleichterung, wer mag ihm die verdenken, zeigt sich dann doch in seinen Zügen.

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