HipHop-Kultur im Clownskostüm

Philipp Aubreville

Ein Regenbogen-farbener Afro, geschminktes Gesicht, bunte Klamotten: Schon das Aussehen von "Tommy the Clown" sorgt für Erstaunen. Doch wenn der US-Amerikaner mit seinen "HipHop Clowns" beim ZMF im Zirkuszelt auftritt, gibt’s keine Spielchen für die Kleinsten, sondern heiße Choreographien, die gemeinhin als "Krumping" bezeichnet werden. Philip stellt Euch die tanzenden Clowns und ihren Stil vor.



Als die Hamburger Hip Hop-Gruppe 5 Sterne de Luxe vor einigen Jahren über „HipHop Clowns und Partyrapper“ rappte, hatten sie wohl keine Tanzgruppe im Kopf. Mittlerweile sähe dies anders aus - „Tommy the Clown& the Hiphop Clowns“ sind in aller Munde. Zuerst war da David LaChapelles Krumping-Movie „Rize“, dann folgte der Medienhype mit Auftritten bei so unterschiedlichen TV-Angeboten wie der Late Night Show des US-Talkmaster Jay Leno, der Musiksender VIVA oder dem Kinderkanal.



Thomas Johnson, so Tommy the Clowns bürgerlicher Name, wurde in Detroit geboren und wuchs in im Ghetto von South Central L.A. auf. Dort erging es ihm wie vielen seiner Freunde: Er wurde straffällig und wanderte wegen Drogenhandels für fünf Jahre ins Gefängnis.

Nach dem Aufenthalt hinter Gittern krempelte er sein Leben um. Weg von der Strasse, weg von den Drogen. So arbeitete er nach seiner Entlassung zunächst als Sekretär in einem Büro, ehe es zu einem Zufall kam, der sein weiteres Leben bestimmen sollte: Eine Kollegin bat ihn, als Clown auf dem Geburtstag ihres Kindes aufzutreten. Johnson sagte zu, brachte statt Partytricks Tanzeinlagen und kam mit seiner fröhlichen Art und seinem Sinn für Humor bei den Kids so gut an, dass seine Auftritte zu beliebten Unterhaltungseinlagen auf weiteren Kindergeburtstagen wurden. Schon bald wollten die Kids selbst seinen Tänzen nicht mehr bloß zusehen, sondern auch mitmachen. Das war 1992.

Johnson gründete daraufhin „Tommys HipHop Clown Academy". Das Ziel: die Kinder von der vom Gang-Alltag geprägten Straße zu holen. Aggressionen, so seine Hoffnung, sollten ihr Ventil nicht in Gewalt, sondern im Tanzen finden. Aus dem Heer von Kids, die sonst vermutlich als Drogendealer oder Gewaltverbrecher in einer der zahlreichen Gangs in den weniger glamourösen Stadtvierteln Südkaliforniens gelandet wären, rekrutiert Johnson seitdem seine Hiphop Clowns.



Zur Zeit tritt Johnson mit elf Kindern und Jugendlichen auf: Und zwar sowohl bei Feierlichkeiten von Promis wie Pamela Anderson, in Schulen und an Straßenecken als auch in internationalen Konzerthallen.

Bei diesen Auftritten gibt es zwei Stile zu sehen: Ursprünglich performten Tommy & the HipHop Clowns lediglich einen Tanzstil, den sie„Clowning“ tauften. Bei diesem Freestyletanz kombinieren als Clowns bemalte TänzerInnen Highspeed-Akrobatik, HipHop-Moves und afrikanische Tanz-Riten. Außerdem praktizieren die HipHop-Clowns das von ihnen entwickelte "Krumping", eine leicht abgeänderte, aggressivere Form des „Clownings“, die sich starker Popularität erfreut: Madonna, Christina Aguilera und auch die Chemical Brothers übernahmen Elemente des „Krumpings“ in ihren Videos.

Wenn Tommy the Clown und seine Hiphop Clowns nun also auf dem ZMF auftreten, gibt es mehr zu sehen, als sozialpädagogisch angehauchte Gewaltprävention: Der Urvater des „Krumpings“ und seine Hiphop Clowns werden einen immer wichtiger werdenden Teil der internationalen Popkultur präsentieren und dabei sicher für staunende Blicke sorgen.

 

Mehr dazu:

Tommy the Clown: Website & MySpace

Tommy the Clown über Krumping & Clowning