Hiphop als Lebensgefühl: Die Jam Down South im Haus der Jugend

Julia Gross

Das Outfit ist mindestens genauso wichtig wie die Choreografie: Wer am Samstag beim HipHop-Festival "Jamdownsouth" im Freiburger Haus der Jugend getanzt hat, kam lässig.



Der Bass vibriert im Brustkorb, das Licht in der großen Halle im Haus der Jugend wechselt seine Farbe. "Hiphop verbindet uns alle. Das ist nicht nur eine Tanzart, sondern ein Lebensgefühl", schallt es aus den Lautsprechern, dazu legt der DJ eine sanfte Nummer auf. Der Moderator, der sich "P.Dee" nennt, sagt das nächste Battle, also den nächsten Wettkampf an. Zwei Gruppen messen sich im Breakdance. Abwechselnd winden sie sich auf dem Boden, überschlagen sich rückwärts. Die anderen, die im Kreis um den Tanzenden stehen, klatschen im Takt.


Hip-Hop-Tänzer Islam Seddiki ist noch nicht an der Reihe. Er hat sich zwar fürs Halbfinale qualifiziert, muss aber noch auf seinen Auftritt warten. Aufgeregt? "Eigentlich nicht, ich tanze ja schon lange und habe schon bei vielen Wettbewerben mitgemacht." Seit drei Jahren tanzt Seddiki, täglich trainiert der Freiburger vier Stunden. "Tanzen ist mein Leben", sagt er und dreht sich dabei einmal um die eigene Achse: "Dabei ist es aber nicht so wichtig, wer gewinnt. Wichtig ist, dass man sein Können an andere weitergibt." Das tut Seddiki: In verschiedenen Jugendzentren bringt der 21-Jährige Kindern das Tanzen bei, die sich eine Tanzschule nie leisten könnten, erzählt er. "Außerdem bin ich im Team von ,Hiphop 4 hope’, wir tanzen im nächsten Jahr einen Monat lang mit Straßenkindern auf den Philipinen."

Auch Malik Machuudi hat sich fürs Halbfinale qualifiziert. Neben HipHop tanzt der 14-Jährige auch die Stile Breakdance, Hopping und Popping. Seit vier Wochen trainiert der Schüler bereits auf den Wettkampf. Außer beim Üben zuhause trainiert Machuudi beim Jugendbildungswerk. Hier gibt’s wöchentlich Kurse – für die Jugendlichen kostenlos.

"Wir wollen, dass sie sich hier wohlfühlen und mitentscheiden", erklärt Tilo Fierravanti, Leiter des "Hauses der Jugend" im Jugendbildungswerk Freiburg. Deshalb, so Fierravanti, seien die jugendlichen Tänzer auch stark in die Organisation des Festivals miteingebunden gewesen. Dass es in diesem Jahr nicht ganz so viele Anmeldungen gegeben hat wie im vergangenen, sieht der Jugendarbeiter sportlich: "Wir haben nun mal kein Preisgeld ausgesetzt, bei uns gibt’s nur Pokale. Das haben wir aber bewusst so gemacht." Wichtig sei nicht der Sieg, sondern der pädagogische Mehrwert: "Wenn hier gute Stimmung herrscht und sich alle mit Respekt begegnen, haben wir unser Ziel erreicht." In der großen Halle gibt’s zwischen den Battles einen Open Circle. Das heißt, jeder, der will, bewegt sich auf der Tanzfläche. Hier tanzt jeder mit jedem, selbst die ganz Kleinen werden von den Großen angefeuert.

Und im Hof des Jugendzentrums wird bis in den späten Abend hinein gesprayt. "HipHop ist eben nicht nur die Musik. Früher gehörten dazu auch Tanz, Graffiti und DJying. Wir wollen das alles wieder vereinen", sagt Jugendarbeiter Florian Hahn, der die Werke der Sprayer betrachtet und seinen Kopf zur Musik des Freiburger DJs El Kappo bewegt.

Letztendlich hat es weder bei Islam Sedikki noch bei Malik Machuudi für den ersten Platz gereicht. Den hat in der Hiphop-Kategorie die Gruppe "Crazy Juice" abgeräumt (die Sieger der anderen Kategorien: Locking: Vunky Lao, Popping: Pop Sail, House: Luí, Breaking: STRS). Aber die Jungs sind nicht traurig. "Ich mach’ auf jeden Fall weiter. Ich will irgendwann einer der Besten sein", sagt Machuudi schmunzelnd. Und weiter trainieren konnten die jungen Tänzer gleich am Sonntag. Da gab’s nämlich Workshops rund um Musik und Tanzen.

Eine Fotogalerie zur Jam Down South gibt's hier: Jam Down South 2014 Fotos

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