Hinterhof Basel: Kino aus der Jukebox

Regina Kleissler

Seit dieser Woche ist der Hinterhof Offspace in Basel ein Kino. In dem 200 Quadratmeter großen Raum wird von Mittwoch bis Samstag ein Hauptfilm gezeigt. Im Anschluss bestimmt das Publikum selbst welcher Streifen es sein soll. Und welche Rolle spielt dabei jener ominöse Zigarettenautomat?



Kinojukebox?
Das klingt nach einer neumodischen Erfindung in Anlehnung an die altbekannte Musikjukebox. Tatsächlich gibt es sie aber schon seit den 60er Jahren. Die ersten sogenannten Scopitone gab es in Frankreich; aber auch in Italien oder den USA fanden die Cineboxen Anklang beim Publikum. Dort wurden sie unter anderem auf Ozeandampfern aufgestellt, um mit Cartoons, Musicals und Reisereportagen die Gesellschaft an Bord bei Laune zu halten.


Und wenn auch nicht die größten Musical-Stars dort gezeigt wurden, so gehörten doch zumindest Show-Größen wie Nancy Sinatra zum Repertoire, die in den Scopitone-Filmen zusammen mit einer Gruppe von Go-Go-Girls den noch heute bekannten Ohrwurm "These Boots Are Made For Walking" mit Tanzeinlagen untermalte. Somit können die Kinojukeboxen quasi als Vorreiter der heutigen Musikvideos gesehen werden. Genau so eine Cinebox gibt es jetzt auch im Hinterhof in Basel. Von Mittwoch bis Samstag haben die Besucher die Möglichkeit aus einem breiten Spektrum einen Film auszuwählen. Vom A-Team über Indiana Jones bis hin zu James Bond befinden sich vor allem Klassiker der Film- und Fernsehgeschichte im Repertoire, die so die Gelegenheit bekommen, wieder auf einer großen Leinwand gezeigt zu werden.

Ein klein wenig Überraschung ist trotzdem dabei. Denn wer einen Franken in den alten Zigarettenautomat wirft, kann nur die "Marke" bestimmen: zum Beispiel "Bud Spencer" oder "James Bond". Welche Folge dann tatsächlich in voller Länge läuft, bestimmt der Zufall. Wer aus der Jukebox wählen darf, wird weder durch eine Münze, noch durch ein anderes Auswahlsystem bestimmt. "Wir hoffen, dass man sich da immer einigen kann", sagt Johannes, einer der Organisatoren des Hinterhof Cinemas.

Zumindest bei der Premiere am Dienstag hat sich dieser Wunsch schon erfüllt. "Nachdem die ersten den Film zu schauen begonnen haben, kamen die nächsten, haben sich dazugesetzt und mitgeschaut und sich gefreut, dass sie danach bestimmen können, welcher Film läuft. Das hat gut geklappt. Und es war echt witzig", sagt Johannes.



Wenn um 18 Uhr schon genügend Leute den Weg in die Hinterhof Bar gefunden haben, wird zunächst ein Hauptfilm gezeigt, der von den Organisatoren ausgesucht wird. Auch dabei gibt es kein festes Programm. "Wir wollen die Leute überraschen und dazu animieren, selbst zu kommen und Filme auszuwählen."

Das Besondere am Hinterhof Cinema ist, dass der Kinosaal sich eigentlich in einem Ausstellungsraum mit angrenzender Bar befindet. Wo in dem 200 Quadratmeter großen Offspace normalerweise Künstler die Gelegenheit bekommen, ihre Werke zu präsentieren, dekorieren und gestalten derzeit sieben große Würfel, die den Soma-Würfeln aus den Knobelspielen nachempfunden wurden, den Raum. Noch bis 8. Oktober nennt sich das Offspace ein Kino. Im Anschluss wird dort eine Einzelausstellung eines israelischen Künstlers Einzug halten.

Mehr dazu:

Was: Hinterhof Cinema
Wann: Mittwoch bis Freitag, 18 Uhr; Samstag, 23 Uhr (noch bis zum 8. Oktober 2011)
Wo: Offspace der Hinterhof Bar, Basel
Diese Woche im Filmautomaten (bis Samstag 17. September 2011)
: James Bond, MacGyver, Tierfilme, A-Team, Bud Spencer & Terence Hill, Narco Cinema
Nächste Woche im Filmautomaten
: Knight Rider, Indiana Jones
[Bilder: Hinterhof Bar]