"Herr Butterbrez geht Baden": Franz Handschuhs neues Buch über einen Schwaben, der nach Freiburg kommt

Nicolas Bettinger

Ein Schwabe zieht nach Freiburg. Keine einfache Angelegenheit für alle Beteiligten. In seinem Buch "Herr Butterbrez geht Baden" erzählt Autor und Maler Franz Handschuh ein urig satirisches Baden-Württemberg-Epos. Der gebürtige Schwabe und Wahl-Freiburger spricht über seine Geschichte und einen Soundtrack in Buchform:



"Ich bin ein Schwob, wie Herr Butterbrez“, sagt Franz Handschuh zu der ersten Parallele zwischen ihm und seiner Buch-Figur. Der 68-jährige Buchautor hat mit „Herr Butterbrez geht Baden“ eine urige, kritische und vor allem humorvoll satirische Lokalgeschichte erschaffen.


Das Besondere an seinem Werk ist die urige Schreibweise, die karikativen Zeichnungen und die Musik. Nein, im Buch ist keine Soundkarte versteckt und trällert ein Lied, wenn man es öffnet. Der Text ist vielmehr mit kurzen Passagen aus bekannten Songtexten gespickt.

Zeilen wie "Born to be wild“, oder "Blowin in the wind“ passen so schön in den Stil der Erzählweise, dass der Leser stets eine Melodie eines Klassikers aus den 60ern im Ohr hat. "Als ich anfing zu zeichnen, habe ich zufällig eine Woodstock-Platte aufgelegt. So entstand die Idee, Songtexte in das Buch reinzuwurschteln“, sagt Handschuh. "Nicht nur meine Generation, auch meine Töchter kennen die bekannten Songs.“

Der Schwob geht schaffe, der Badener genießt´s Lebe

Von der eigenen Biographie inspiriert, beschreibt der Künstler in seinem "Roadmovie“ einen fleißigen Schwaben, der in Zeiten von Stuttgart 21 sein Leben nochmal ändern will. "Er war fleißig, hat viel geschafft und viel verdient. Dennoch kommt er ins Grübeln, ob Haben und Besitzen das einzig Wahre ist“, sagt Handschuh über seinen Protagonisten.

Um sein Leben radikal zu ändern zieht "Herr Butterbrez“ um. Und wo könnte es schöner sein, als im sonnigen Freiburg. Dabei kommt er mit den schönen Seiten Badens in Berührung, erlebt aber auch Schwierigkeiten.

Zu allem Überfluss kehrt ihm dabei sein eigenes Hab und gut den Rücken zu. Wecker, Kleiderschrank und Co. nehmen im Buch eigene Charakterzüge an und lassen ihren Besitzer nach und nach im Stich. Als er auch noch sein Haus in Herdern verschenkt, erfährt er die Erleuchtung im Einfachen. Er findet sein Glück in Freiburg. Nicht immer nach dem Geschmack der Einheimischen.

In der Geschichte steckt die immer wiederkehrende Spannung zwischen den Regionen und die großen Unterschiede von Badenern und Schwaben. Franz Handschuh arbeitet diesen ewigen Konflikt mit wunderbar ironischer Schärfe auf. Ein Buch, das sowohl die Schwaben, aber vor allem die Freiburger zum Grinsen bringen wird.

Und wie sieht´s der Schwabe selbst?

Franz Handschuh kommt zwar aus dem Schwabenländle, lebt aber seit gut 50 Jahren im Badischen, davon schon 38 Jahre in Freiburg. "Ich mag die hiesige Lebensart, die Wärme und die Entspanntheit“, so der Wahl-Freiburger. Aus diesem Grund lässt er seine Hauptfigur auch nicht nach Essen oder Berlin ziehen, sondern eben in die Dreisam-Stadt.

Die lokale Rivalität kann er aus beiden Lagern beurteilen. "Sie ist ein Zeichen dafür, dass immer mehr Leute ihre Identität im Regionalen suchen. Was hebt meine Heimat von anderen Gegenden ab?“, sagt Handschuh und sieht darin einen Gegenstrom zur weltweiten Globalisierung.

Ironie, Satire und die größten Hits

Rivalität und Lokalpatriotismus hin oder her: "Herr Butterbrez geht Baden“ ist ein unterhaltsames Buch mit witzigen Zeichnungen. Außerdem wirkt es wie eine Hommage an Janis Joplin, die Beatles, Jimi Hendrix und weitere Musikgrößen aus den 60ern. Wer sich für satirisch angehauchte Geschichten interessiert, sollte die liebevoll gestaltete Lektüre unbedingt durchblättern. Auf der Rückseite des Hardcovers steht geschrieben: "Prima geeignet für alle so ab 6 bis 8, für woodstockige 68er und für Kindsköpfe mit 86 und älter“. Ist also für jeden was dabei.

Mehr dazu:


Herr Butterbrez geht Baden
Franz Handschuh
17 Euro
ISBN: 9783933765833 [Foto: privat]