Hendrik Vogel: Wellenreiter am Plattenspieler

Gina Kutkat

DJ Hendrik Vogel hat sich zu einem Qualitätsgaranten im Freiburger Nachtleben entwickelt. Seine Sets in der Jackson Pollock Bar sowie bei tageins und den Root Down Partys zeugen von Geschmack und Interesse. Das Publikum weiß dies zu schätzen. Der 27-Jährige im Portrait.



Wenn Hendrik Vogel ein Studium wäre, dann wohl ein interdisziplinäres. Der 27-Jährige versteht sich gut darauf, mehrere Einzelkünste spielerisch miteinander zu verbinden. Seine Fachrichtungen: Kunst und Musik. Eine naheliegende Verbindung. Er ist nicht nur DJ, er studierte auch Szenografie - die Lehre der Inszenierung im Raum -  und arbeitet mal am Theater, mal in Medienwerkstätten an Schulen oder nachts. Als DJ Hendrik Vogel ist er durch seine regelmäßigen Gigs in der Jackson Pollock Bar oder im Waldsee bekannt. Der Szenograf Hendrik Vogel ist seit seinem Diplom an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe im letzten Jahr selbstständig. Musik und Kunst gestalten sein Leben, momentan ist er mit der Musik erfolgreicher. "Ich möchte aber nicht in erster Linie über das Auflegen definiert werden," sagt er. Also eher: Musik versus Kunst?


Eine gute Einnahmequelle seien seine regelmäßigen Auftritte in Karlsruhe, Stuttgart und Freiburg schon. "Durch meine Engagements als DJ kann ich meine Selbstständigkeit ein bisschen sorgenfreier angehen," sagt Hendrik. Fast könnte der Eindruck entstehen, Hendrik Vogel würde die Situation lieber anders herum haben. Natürlich Blödsinn, er legt nur Wert darauf, auch als Szenograf anerkannt zu werden. Als DJ hat er es in der Region zu einem Status gebracht, der ihn nicht um die nächsten Bookings zittern lässt. "Es läuft ausgesprochen gut und ich kann mich nicht beklagen." Dabei ist er in das Musikmachen eher so reingeschlittert. Als Zivi, damals in der Psychatrie in Emmendingen, musste er wochenends für die Insassen Musik auflegen, "das waren meine ersten Erfahrungen als DJ."



Denn einen größeren musikalischen Hintergrund hatte er damals nicht. "Ich spiele kein einziges Instrument." Mittlerweile ist er von Musik umzingelt. Sei es beim Hören neuer Tracks oder beim Zusammenstellen des eigenen Sets. Doch auch, wenn ihm die Liebe zum Auflegen eher zugeflogen ist: Hendrik Vogel zelebriert jeden Partyabend wie eine Liebeserklärung an die Musik. Minimalistische Housemusik ist der Deckmantel, unter dem Hendrik seine vielen Tracks trägt. Regelmäßig tanzen die Leute in der Jackson Pollock Bar bei seiner Veranstaltung "Groof", im Waldsee bei tageins und Rootdown oder in Karlsruhe und Stuttgart zu seinem Mix aus House, Funk, Soul, Minimal und Techno. Kürzlich spielte er vor 4000 begeisterten Menschen bei "Das Fest" in Karlsruhe, "ein absolutes Highlight in meiner Karriere."

An der Hochschule in Karlsruhe begann er zusammen mit Tom Förderer unter dem Namen "Nugath" experimentelle Musik zu machen. Zuerst produzierten sie ihre eigenen Soundstückchen mit Computer, später kam Saxophonist Tobias Wootton dazu, "der Sound sollte dadurch wärmer und analoger werden. Das Saxophon wurde in all seinen Facetten gespielt, um sich der Musik anzupassen." Zurzeit ruht das Live-Projekt, aber Hendrik und Tom - der ebenfalls regelmäßig in der Jackson Pollock Bar spielt - wollen sich im Frühjahr wieder mehr Zeit für "Nugath" nehmen und sich dem Produzieren widmen.



Wenn Hendrik Vogel auf die Dramaturgie seines DJ-Sets zu sprechen kommt, zeigt sie sich dann ganz deutlich: Die Verbindung seiner Musik zum Theater. Manchmal plant er seine Sets schon Wochen im Voraus, schreibt die Setlist wie ein Drehbuch. Nur, um im letzten Moment wieder alles umzuschmeißen. "Meistens entscheide ich dann doch ganz spontan, welche Tracks ich abends auflege." Bei der Auswahl seiner Songs orientiert er sich an einem Schema, das mit einer stetig fließenden Welle verglichen werden kann. "Eine Welle, die zu- und abnimmt. Ich spiele mal ruhigere, dann schnellere Sachen, bis ich den Peak erreicht habe," sagt Hendrik.

Und woher weiß er, dass der Höhepunkt des Abends gekommen ist? Dieser Moment, an dem der DJ diesen einen Song spielt, der das Publikum in ekstatische Gefühle versetzt und nach dem nichts mehr so ist, wie es vorher war? Eine bestimmte Uhrzeit gebe es nicht, sagt Hendrik, als DJ beobachte er sein Publikum einfach sehr genau. "Wenn ich auf einer Party auflege, suche ich mir immer drei Leute aus dem Publikum, an denen ich mich orientiere. Eine Person, die sich wirklich für die Musik interessiert, eine Person, die sich ein bißchen dafür begeistern kann und eine Person, der eigentlich alles egal ist."

[Fotos 1 und 3: Felix Grünschloss, Foto 2: Daniel Fuchs]

Hendrik Vogel - 10:24 of nothing

Quelle: MySpace

[myspace 18429193 nolink]

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