Hausbesetzung Gartenstraße: Eigentümer strebt bisher keine Räumung an

Dominik Schmidt

Freiburgs kleines gallisches Dorf, das Haus Nummer 19 in der Gartenstraße, leistet bereits seit einem Monat passiven Widerstand. Nur das Feindbild ist nicht so eindeutig wie bei dem Dorf von Asterix und Obelix: derzeit gibt es weder von der Polizei, noch vom Eigentümer konkrete Bestrebungen eine Räumung einzuleiten.



„Wir wundern uns selbst, dass wir noch hier sind. Man rechnet auch jeden Tag mit einem Räumungsbeschluss“, sagt einer der Besetzer mit dem Pseudonym Matzn. Doch das dieser in Kürze kommen wird, ist unwahrscheinlich. Ulrich Brecht, Sprecher der Freiburger Polizei, sieht nach wie vor keinen Grund zum Eingriff: „So lange keine Anzeige des Eigentümers vorliegt, haben wir keine Handlungsgrundlage.“ Der Eigentümer Walter Hafner, ein im Rheinland lebender Architekt und Stadtplaner, äußerte sich gegenüber der Badischen Zeitung: Mit der Besetzung habe er nichts zu tun. Eine Räumung scheint er nicht anzustreben, seine Interessen liegen anders.


Ende der 90er Jahre reichte Hafner einen Bauantrag beim Freiburger Baurechtsamt ein. Ein größerer Neubau soll auf dem innenstadtnahen Grundstück errichtet werden und das kleine einstöckige Häuschen weichen. „Der Antrag wurde damals vom Baurechtsamt abgelehnt, da die Baulast vom Grundstückseigentümer nicht erfüllt wurde“, sagt die städtische Pressesprecherin Petra Zinthäfner. Eine Baulast ist eine Verpflichtung des Eigentümers gegenüber der Stadt bestimmte Kriterien bei der Planung einzuhalten. Im Fall von Hafner wurde der Mindestabstand zum benachbarten Gebäude nicht eingehalten.



Hafner blieb hartnäckig und ließ den Antrag beim Regierungspräsidium und beim Verwaltungsgericht prüfen. Anfang diesen Jahres lehnte auch das Gericht den Plan ab. Nachbarn und Besetzer vermuten, dass der Eigentümer nun auf politischen Druck durch die Hausbesetzung hofft. Einen Monat hatte er nun Zeit, Anzeige zu erstatten, um eine Räumung möglich zu machen, davon hat er bisher keinen Gebrauch gemacht. Laut BZ-Informationen will Hafner sich nun mit seinem Anwalt beraten, ob er Anzeige erstattet.

Unbeirrt geben sich währenddessen die Besetzer: „Wir sind auf alles vorbereitet und wollen das Haus sinnvoll nutzen und ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn aufbauen“, erklärt Matzn. Die Umbauarbeiten im Innenbereich werden durch Helfer vorangetrieben, man ist stolz auf eine improvisierte Küche mit Gasherd, den mittlerweile gut gefüllten Umsonstladen und den neu ergatterten Schuppen im Innenhof.

„Ich hätte hier gerne ein Kino gehabt, aber jetzt wird es wohl eine Werkstatt und ein Versammlungsraum“ sagt ein Autonomer über das neu besetzte Gebäude im Hof. Es gehört dem selben Eigentümer und bietet für die Besetzer eine willkommene Ausbreitung.



Auch wenn das regnerische Wetter einige Teilzeitbewohner in der Gartenstraße vertrieben hat, ist die Stimmung gelöst. Eine Schrecksekunde gab es nur als am Samstag vor zwei Wochen drei Mannschaftswägen der Polizei vor das Gebäude fuhren. Eine Machtdemonstration der Polizei? Brecht bestreitet dies: „Das war nach der Demonstration in der Innenstadt vom Kommando Rhino, die Gartenstraße bietet da einfach gute Parkmöglichkeiten für die großen Fahrzeuge und ist nahe an der Kronenbrücke, falls diese besetzt werden sollte.“

Für Aufregung sorgte auch, als ein Banner, das von den Besetzern quer über die Straße gehängt wurde, heruntergerissen und in die Dreisam geworfen wurde. „Wir haben das Banner drei Tage später im Fluss gefunden, wer das war ist uns nicht bekannt“, meint Matzn.



Ein Obelix hätte den Verantwortlichen gepackt und weit in die Prärie hinaus geworfen, die Autonomen geben sich milde. Beschwerden der Nachbarn wegen Rauch und Feuer nimmt man ernst. Die Feuertonne kommt nun weg und wird wieder dahin zurückgehen, wo sie herkommt, meint Matzn.

Auf die Frage, ob es nicht seltsam sei, ein Haus zu besetzen, und keine Reaktion vom Eigentümer zu bekommen, zuckt einer der Besetzer nur mit den Schultern. „Die Umstände spielen doch keine Rolle. Wir nutzen den Raum. Umso länger wir das können, umso besser.“

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