Wahlergebnis

Hauchdünner Sieg: Matern von Marschall holt das Direktmandat im Wahlkreis Freiburg

BZ-Redaktion, Gina Kutkat & Joachim Röderer

Matern von Marschall hat das Direktmandat mit 28 Prozent der Erststimmen gewonnen. Kerstin Andreae musste sich mit 25,7 Prozent geschlagen geben, zog aber über die Landesliste in den Bundestag ein – wie auch Linken-Kandidat Tobias Pflüger. Auf Platz 3 landete Julien Bender.

Der CDU-Kandidat Matern von Marschall hat nach einem hochspannenden Zweikampf das Direktmandat in Freiburg geholt – und zwar in einem Last-Minute-Sieg. Er gewinnt den Wahlkreis 281 mit 28,0 Prozent vor Kerstin Andreae (Die Grünen) mit 25,71 Prozent. Von Marschalls Vorsprung auf die Grünen-Kandidatin beträgt 4140 Stimmen.


Julien Bender holte 22,7 Prozent der Erststimmen. Adrian Hurrle von der FDP kommt auf 5,3 Prozent, Tobias Pflüger von der Linken auf 7,3 Prozent der Erststimmen und Volker Kempf von der AfD holte 7,2 Prozent.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Nachdem sich am frühen Abend zunächst ein Dreikampf zwischen Andreae, von Marschall und dem SPD-Kandidaten Julien Bender angedeutet hatte, entwickelte sich der Wahlkrimi gegen Ende zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Andreae und von Marschall. Zwischendurch lagen die beiden Kandidaten nur 0,6 Prozent auseinander.

Über die Landesliste in den Bundestag

Kerstin Andreae(49) stand auf Platz 1 der Landesliste der Grünen und schaffte es darüber in den Bundestag – dem gehört sie seit 2002 an. Sie war zuletzt eine von fünf stellvertretenden Faktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag.

Auch Tobias Pflüger (52) von den Linken ist über die Landesliste in den Bundestag eingezogen. Seit 2010 gehört Pflüger dem erweiterten Parteivorstand der Partei Die Linke an. Er stand auf Platz 4 der Landesliste.



Besonders die Ergebnisse aus den Umlandgemeinden ließen lange auf sich warten. Gegen 21.30 Uhr fehlten immer noch die Stimmen aus Umkirch, der March und Breisach.

Matern von Marschall und Kerstin Andreae liegen gerade einmal 4140 Stimmen auseinander. Das ist das zweitengste Wahlkreisergebnis in Freiburg aller Zeiten. Zur Erinnerung: 1972 lagen Hans Evers (CDU) und Rolf Böhme (SPD) 1,2 Prozentpunkte auseinander.
Die Ergebnisse aller Gemeinden in Südbaden und Baden-Württemberg sowie den Gewinnern der Direktmandate in den Wahlkreisen in einer interaktiven Karte gibt es hier.

Ergebnisse in der Stadt Freiburg

In der Stadt Freiburg hat Kerstin Andreae (Grüne) mit 28,4 Prozent Platz eins geholt. Zweiter wird hier Matern von Marschall mit 23,8 Prozent, hauchdünn vor Julian Bender mit 23,7 Prozent. Den CDU- und den SPD-Mann trennen in Freiburg 61 Stimmen.

Bei den Zweitstimmen in Freiburg liegen CDU und SPD deutlich unter Bundesschnitt, die Grünen sehr deutlich darüber. Die AfD holt in Freiburg 7,2 Prozent - und liegt damit in der Stadt nur auf Platz sechs. Die Linke holte mit 13,4 % ihr bestes Ergebnis in Freiburg aller Zeiten.
Überblick: Das Ergebnis der Erststimmen und Zweitstimmen im Wahlkreis Freiburg in Tabellenform.

Vor der Wahl

Eine Prognose zur Erststimmen-Entscheidung zeigte, dass alle Wahlkreise in Baden-Württemberg sicher oder sehr wahrscheinlich in CDU-Hand seien. Bei dem Wahlkreis Freiburg stand (Stand: 17. September) nichts von sicher oder wahrscheinlich, sondern nur "Vorteil CDU" – für die Partei der Kanzlerin war es demnach der wackligste Wahlkreis im Südweststaat.

Angetreten waren elf Direktkandidaten: Matern Marschall von Bieberstein (CDU), Julien Bender (SPD), Kerstin Andreae (Grüne), Adrian Hurrle (FDP), Volker Kempf (AfD), Tobias Pflüger (Die Linke), Peter Uhrmeister (Bündnis C), Daniel Barski (Bürgerkandidaten), Sonja-Ellen Hösl (Tierschutzpartei), Martin Halbritter (MLPD) und Tim Jochmann (Die Partei). Der Wahlkreis Freiburg umfasst die Stadt Freiburg sowie 19 Gemeinden des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. 255.000 Menschen sind wahlberechtigt.

Vor vier Jahren

Bei der Bundestagswahl 2013 wurde die Green City erstmals seit 1994 wieder schwarz: Matern von Marschall hat damals mit 34,9 Prozent der Erststimmen für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Freiburg gewonnen und Titelverteidiger Gernot Erler von der SPD entthront. Viermal hatte dieser zuvor den Wahlkreis für die SPD gewonnen und rutschte nun auf 30 Prozent. Die CDU holte mit Matern von Marschall, dem Mann mit dem Apfel, auch dieses letzte Direktmandat südlich der Mainlinie. Für die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae blieb mit 20,9 Prozent nur Platz drei. Erler und Andreae zogen über die Landesliste wieder in den Bundestag ein.

Auch bei den Zweitstimmen lag die CDU deutlich vorne – im Wahlkreis insgesamt, aber auch in der Stadt Freiburg. In Freiburg lag die CDU mit 31,1 Prozent deutlich vor der SPD (23,0 %) und den Grünen (22,1 %). Bei den Erststimmen konnte sich Gernot Erler in der Stadt noch knapp vor Matern von Marschall mit 31,5 gegen 29,9 Prozent der Erststimmen halten. Den Wahlkreis zugunsten der CDU entschieden die 19 Umlandgemeinden. Dort holte von Marschall 46,4 Prozent der Stimmen. Für Erler blieben nur 26,4 Prozent, für Andreae 15,1 Prozent. Keine Rolle spielte in Freiburg die FDP, allerdings profitierte von Marschall von ehemaligen FDP-Erststimmen. Platz vier in Freiburg gehörte den Linken mit knapp 8 Prozent: Ihr Kandidat Tobias Pflüger hat es über die Landesliste in den Bundestag geschafft.

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