Hau' die Kanzlerin: Intervention gegen Politikverdrossenheit auf dem Kartoffelmarkt

Julia Nikschick

Bei der Bundestagswahl 2009 wählten nur 72,2 Prozent der wahlberechtigten Bürger. Wonach beurteilen wir eigentlich die Politiker, die wir wählen? Am heutigen Donnerstag gingen sechs Studierende der Politikwissenschaft der Politikverdrossenheit der Deutschen und politischen Vorurteilen auf den Grund. Mit dabei: ein Hau' den Lukas, der das Gesicht von Kanzlerin Merkel trägt, oder das Philipp Röslers oder Sigmar Gabriels.



Unter dem Motto "Schlag zurück!" organisierten sechs Studierende der Uni Freiburg unter Leitung von Dr. Michael Wehner, von der Landeszentrale für politische Bildung, eine Mini-Intervention gegen Politikverdrossenheit. Lisa Fiegler gestaltete die Aktion auf dem Holzmarkt in der Freiburger Innenstadt mit. "Diese Intervention ist aus einem Seminar an der Uni entstanden, das Herr Wehner leitet. Das Abschlussprojekt sollte sich entweder mit Schul- oder Erwachsenenbildung beschäftigen. Wir sechs haben uns für die Erwachsenenbildung entschieden," sagt die 21-jährige.

Das Projekt soll alle Altergruppen ansprechen, denn nicht nur mit Vorurteilen wollen die Studierenden aufräumen, es darf auch Frust abgelassen werden. "Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen," erklärt Lisa Fiegler, "warum sind so viele gefrustet? Weil sie mit den Politikern nicht zufrieden sind oder mit der Partei? Mögen sie die Politker wegen deren persönlichen oder politischen Entscheidungen nicht?" Wer seiner Wut einmal Luft machen möchte, haut einfach den Lukas. Bei dem beliebten Jahrmarkspiel wird mit einem Hammer auf eine Plattform gehauen bis es gongt. Gewählt werden darf unter sieben Spitzenpolitikern, unter anderem Angela Merkel, Philipp Rösler und Joachim Gauck.



Darüber hinaus gibt es auch noch Schautafeln die erklären, wie viel die Politiker verdienen oder wie viel Urlaub sie nehmen. Doch zu denken gibt es für die Teilnehmenden auch.

"Jeder der mit macht, bekommt symbolisch drei Euro. Diese darf er auf verschiedene Bereiche aufteilen," sagt Lisa, "wir haben uns an den aktuellen Ministerien orientiert und die ausgesucht, die für die breite Bevölkerung sicherlich am Wichtigsten sind, zum Beispiel Gesundheit oder Bildung. Aber auch die, die viel Geld verschlingen sind dabei, zum Beispiel die Verteidigung."

Hierbei zeigt sich schnell, dass Politiker keine einfach zu lösende Aufgabe haben. Wer bekommt wie viel Geld und warum? "Für manche ist es einfach, sie entscheiden nach persönlichen Gesichtspunkten. Wer Kinder dabei hat, wirft fast immer Geld in die Bildung," schildert Lisa ihre Beobachtungen, "doch die Meisten sehen schnell ein, dass es schwer ist, fair mit einer begrenzten Menge Geld zu wirtschaften."

Wer selbst noch den Hammer schwingen und Haushaltsgeld gerecht verteilen will, kann dies noch bis 18 Uhr auf dem Kartoffelmarkt tun.  

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