Hans Entertainment hat 300.000 Facebook-Fans und einen Plattenvertrag – warum eigentlich?

Daniel Laufer

Innerhalb von vier Monaten ist Christopher Hans zum Facebook-Star geworden. Hans Entertainment, die Seite des 21-Jährigen, hat mehr als 300.000 Likes – mehr als der SC Freiburg. Mittlerweile ist Hans nicht nur bei Universal Music unter Vertrag, sondern auch beim Ex-Manager von Gina-Lisa Lohfink. Annäherung an ein Facebook-Phänomen, made in Kenzingen.



Er feiert auf einer Yacht, tanzt am Pool mit Frauen in Bikinis, schubst einen Bademeister ins Wasser. Der hünenhafte junge Mann, 205 Zentimeter groß, 214 Kilogramm schwer, die Haartolle wasserstoffblond gefärbt, brüllt ins Mikrofon: „Eskalation!“ Es sind Szenen aus Hans Entertainments Musikvideo „Hoch die Hände – Wochenende“, gedreht auf Mallorca.




Ende Mai, vier Monate bevor dieses Video entsteht, sitzt Christopher Hans, 21 Jahre alt, in seinem Jugendzimmer in Kenzingen. Ohne Schulabschluss und Arbeit verbringt er seine Tage oft mit Videospielen und Langeweile. Hans tippt auf dem Smartphone herum. Nur wenige Angaben sind nötig, um die Facebook-Seite „Hans Entertainment“ zu erstellen. Er lädt einige Videos hoch, für die er sich selbst filmt – wie er mit Sonnenbrille und Grinsen den Zuschauern den Inhalt einer Plastiktüte zeigt zum Beispiel. „Kennt ihr diesen Moment, wenn eure gekühlten Kaffees aus sind, ihr gerade aber 20 neue gekauft habt?“

Der 21-Sekunden-Clip wird in den kommenden Tagen und Wochen auf Facebook tausende Male angesehen und geteilt, in Folge klicken viele Nutzer bei seiner Seite auf „Gefällt mir“. Hans Entertainment ist ein Instant-Internet-Hit.

Christopher Hans fühlt sich bestätigt, dreht weitere Videos. Auf einmal hat er Fans – und nicht nur online. Jugendliche sprechen ihn auf der Straße an und wollen ein Foto mit ihm, Ende Mai kommen gar zwei Dutzend zu einem Treffen auf der Freiburger Messe. Doch seine banalen Videos erzeugen auch Häme und Hass. „Du denkst, du bist der Größte? Du armseliges Würstchen!“ ist eine der harmloseren Beschimpfungen, die Nutzer auf seiner Seite hinterlassen. Hans Manager Stefan Graf sagt: „Es gab sogar Morddrohungen.“

Heute kontrolliert ein Manager, was auf Hans' Facebook-Seite passiert

Manager? Stefan Graf entdeckt Christopher Hans Ende Juni. Der 44-Jährige Freiburger ist Facebook-Berater, war Manager des Skandal-Models Gina-Lisa Lohfink. Jetzt kümmert er sich um Hans. Dank ihm ist heute nicht mehr alles, was auf der Facebook-Seite von Hans Entertainment landet, so spontan, wie das anfangs der Fall war. „Wir geben ihm keine Texte vor, haben aber ein offenes Kontrollsystem, bei dem wir uns abstimmen“, sagt Graf.Graf ist zufrieden damit, wie es läuft. „Wir haben es geschafft, dass die Menschen an der Seite mitgearbeitet haben, ohne dass es ihnen bewusst war.“

Nutzer posten Hans’ Redewendungen, beziehen sie auf eigene Erlebnisse. Das tun selbst Promis wie Fußball-Weltmeister Mats Hummels. „Kennt ihr diesen DFB-Moment, wenn man gerade Hans Entertainment geschaut hat?“, fragt er seine Fans in einem Video, das er auf einer Länderspielreise aufgenommen hat. Im Hintergrund stehen Lukas Podolski und Max Kruse. „So true“, schreien die beiden. Wie Hans.

Mehr als 300.000 Facebook-Fans hat er mittlerweile. Wer sich wundert, was den 21-jährigen Kenzinger so besonders macht, stellt womöglich die falsche Frage. „In den sozialen Netzwerken kann man potentiell die Masse mobilisieren. Hans Entertainment hat einen einfachen Witz gemacht und daraus ist so etwas geworden“, sagt der Psychologe und Medienforscher Sebastian Buggert vom Kölner Rheingold-Institut, der sich mit dem Phänomen der Internet-Stars beschäftigt. „Das allein ist für die Leute schon faszinierend. Die Menschen lechzen im Netz alle nach Aufmerksamkeit.“

Christopher Hans ist auf der Suche nach Unterhaltung, Eskalation und Anerkennung

Doch nicht alles läuft rund. Hans’ Versuch, ein #Sotrue-Festival zu veranstalten, scheitert am Widerstand der Behörden. Ende Juli wird er zudem vor dem Kenzinger Amtsgericht zu einer Woche Jugendarrest verurteilt: Er hatte mehrere Menschen beleidigt, einen Rentner geschlagen und ihm – ausgerechnet! – kalten Kaffee ins Gesicht geschüttet. „Wenn jemand kommt, der ihm nicht passt, hat er eine geringe Toleranzgrenze“, so Graf. „Der Junge ist größer und schwerer als Andere aufgewachsen, er will Aufmerksamkeit, hat immer viel abgekriegt.“

Gesucht hat Hans Aufmerksamkeit wohl auch im Sommer 2014, als er auf dem Freiburger Kartoffelmarkt auf eine Bühne zum Salafisten Sven Lau stieg. Hans sprach Lau das islamische Glaubensbekenntnis nach und konvertierte so zum Islam. Auch davon gibt es ein Video im Netz, hochgeladen von Hassprediger Pierre Vogel. Ziemlich unreflektiert sei das gewesens, gibt Hans zu. „Das war eine Phase von mir – genauso, wie ich eine rechtsradikale Phase hatte.“ Er habe Zeit gebraucht, um sich selbst zu finden.

Mit Hans’ Erfolg soll  nun auch Geld verdient werden. Anfang Juli meldet einHerbolzheimer Reifenhändler die Wortmarke „Hans Entertainment“ an. Er will T-Shirts verkaufen, auch ohne Hans’ Einverständnis, aber Manager Graf verhindert das. Inhaberin der Marke ist jetzt Gudrun Hans – Christophers Mutter. Im Prozess gegen ihren Sohn wird sie vor Gericht gefragt, wie viel Geld die Familie durch Hans Entertainment verdient habe. Gudrun Hans antwortet: „Bis jetzt haben wir nichts und Null auf dem Konto.“ Obwohl der T-Shirt-Verkauf da bereits läuft. „Hans hat mir selbst gesagt, dass sein Management ihn total abzockt“, verkündete der Reifenhändler auf Facebook.

Solche Behauptungen seien ganz normal, sagt Stefan Graf. „Das Showgeschäft ist steinhart – da gibt’s keine Freunde. Jedem geht es in erster Linie ums Geld verdienen. Wir haben zuerst einmal viel Geld investiert.“Das soll sich nun auszahlen. „So schnell wie die Leute gekommen sind, können sie auch wieder weg sein. Da muss Hans sich jetzt was überlegen“, sagt Medienforscher Buggert. Mitte September hat Hans  „Hoch die Hände – Wochenende“ bei Universal Music veröffentlicht, zwei weitere Songs sollen folgen. Graf sieht das Fernsehen als den nächsten Schritt an. „Wir wollen so noch mal eine andere Zielgruppe ansprechen.“

Christopher Hans tourt jetzt als DJ, am Freitag hatte er einen Auftritt in Hannover. Ein Kamera-Team von RTL hat ihn dabei begleitet. Zeit für ein Interview mit fudder blieb ihm da leider nicht mehr.

10 Dinge, die Leute zu und über Hans gesagt haben

„Jetzt kannst Du dich von den Brüdern unten feiern lassen.“
Sven Lau, Salafist, Kartoffelmarkt Freiburg, 7. Juni 2014

„Wenn man denkt, dass man weiß, wie man das Leben genießt. Aber dann kommt jemand vorbei, der wirklich weiß, wie man das Leben genießt.“
Jimmy Blue Ochsenknecht, Promi-Sohn, Instagram, 27. Juni 2015

„Es kann sogar sein, dass wir ihn in fünf Jahren in einer Neuauflage des Dschungelcamps sehen.“
Jan-Hinrik Schmidt, Soziologe, BZ-Interview, 30. Juni 2015

„Ey ich habs (sic!) so oft deiner Schlampe gegeben/ mittlerweile kann die echt mein (sic!) Schwanz nicht mehr sehen/ als wär ich Hans Entertainment.“
Kollegah, Rapper, Facebook, 22. Juli 2015

„Hans Entertainment' zählt jetzt zu den Großen in Südbaden, die Zahlen sprechen für sich.“
Ernst Schilling, Bürgermeister von Herbolzheim, 28. Juli 2015

„Er muss endlich verstehen, dass sein Verhalten unannehmbar ist. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich anders verhalten, sonst findet die Karriere schnell ein Ende. Mit Leuten, die unberechenbar sind, will keiner arbeiten.“
Beate Bezold, Richterin, Amtsgericht Emmendingen, 29. Juli 2015

„Alle Menschen haben immer genaue Vorstellungen davon, wie wir unser Leben am besten zu leben haben. Doch nie wissen sie selber, wie sie ihr eigenes Leben am besten anpacken sollen. Wie würde Hans Entertainment sagen: It's so true...“
Paul Janke, „The Bachelor“, Instagram, 1. August 2015

„Man weiß ja nie, was man bekommt bei Tinder. Das Foto sieht gut aus, aber dann trifft man diese Person und dann ist das eine Mischung aus Hans Entertainment und Jabba the Hut.“
Luke Mockridge, Comedian, TV Total, 8. September 2015

„Kennt ihr diesen DFB-Moment, wenn man gerade Hans Entertainment geschaut hat?“
Mats Hummels, Fußballspieler, Facebook, 8. September 2015

„Er hat bei uns einfach mal das Leben genießen können.“
Palina Rojinski, Moderatorin, Facebook, 11. September 2015

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[Bild: Universal Music]