Hamel: Schöne oranje Pop-Welt

Dennis Wiesch & Gina Kutkat

Am Montagabend kehrte Gouda-Pop der Marke Hamel im ZMF-Spiegelzelt ein. In Holland sind sie Stars, im Rest Europas noch weitgehend unbekannt. fudder-Autor Dennis hat sie für uns verköstigt.



Es läuft die erste von drei Zugaben der niederländischen Band Hamel. Die Zuschauer sind voll dabei, tanzen, klatschen, strahlen über das ganze Gesicht und singen immer wieder diese eine Zeile: „Oooh what I wouldn’t give, to see you once again.“ Unterstützt von nach vorne peitschenden Ska-Rhythmen und dem charismatischen Frontmann und Bandleader Wouter Hamel herrscht im Spiegelzelt mittlerweile beste Stimmung.

90 Minuten zuvor sieht das noch ganz anders aus. Höchstens 50 Leute verlieren sich vor der Bühne, um den Singer/Songwriter und seine Band zu hören. In den Niederlanden sind sie Stars, spielen regelmäßig in großen Konzerthallen und sind auf allen wichtigen Festivals vertreten. Im restlichen Europa leider nicht. Ist schon der nationale Erfolg schwer zu erreichen, braucht man für den internationalen Durchbruch Glück, Talent und eine finanzkräftige Plattenfirma für das entsprechende Marketing.

Talent hat Wouter Hamel zweifelsohne; diesen Beweis ist der 34-jährige Sänger heute nicht schuldig geblieben. Nur mit dem Marketing hat es bisher noch nicht so recht geklappt, und so bleibt der Band nichts anderes übrig, als so viel wie möglich zu touren, um sich mühsam eine Fanbase aufzubauen.



Wie motiviert sich eine Band, die normalerweise vor zehn Mal so vielen Menschen spielt wie heute? Ganz einfach: Indem sie Spaß hat, an dem was sie macht. Von der ersten Sekunde an erwecken Hamel den Eindruck, jeden Moment auf der Bühne zu genießen. Von fehlendem Elan oder einem lustlos runtergenudelten Programm keine Spur. Die Musiker lachen, sind glücklich und verausgaben sich bis zuletzt.

Die Band präsentiert einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens: Songs des letzten Albums „Nobody's Tune“, aber auch viele neue Stücke, die auf dem bald erscheinenden dritten Album vertreten sein werden. Das Markenzeichen von Hamel ist Gute-Laune-Pop mit Einflüssen aus Jazz, Swing, Blues, Chanson und Folk.

Die meisten ihrer Songs fließen unaufgeregt vor sich hin. Sie tun keinem weh, haben selten Ecken und Kanten - sind ein wenig belanglos. Mit einem Wort: schön. Sie handeln von der Liebe, vor allem von ihren positiven und schönen Seiten. Die gut arrangierten Balladen rutschen zwar nie in Richtung Kitsch ab, leben aber eindeutig von Wouter Hamel.

Der Typ ist ein Energiebündel, absolut authentisch und er liebt es, auf der Bühne zu stehen. Hamel lebt das, wovon er singt und zieht dabei alle in den Bann. Allen Naivitätsvorwürfen zum Trotz glaubt er an das Gute im Menschen und in der Welt. Sein Glas ist niemals halb leer, und er freut sich bestimmt über jeden einzelnen Konzertbesucher.



Vor allem die weiblichen Zuschauer lesen ihm jedes Wort von den Lippen ab. Hamel hat definitiv das Zeug zum Mädchenschwarm. Er sieht zehn Jahre jünger aus als er tatsächlich ist, würde problemlos einen Sebastian-Vettel-Look-alike-Contest gewinnen und erinnert mit seiner facettenreichen und voluminösen Stimme stark an Jamie Cullum. Besonders gut zur Geltung kommt dies in „In Between“, einem der stärkeren Songs des letzten Albums.

Hamels Live-Qualitäten scheinen sich auch auf dem Mundenhof wie ein Lauffeuer zu verbreiten: Ab der zweiten Hälfte des Konzerts füllt sich das Zelt merklich mit ZMF-Personal, Sponsoren und Förderern, so dass gegen Ende etwa dreimal mehr Leute im Zelt sind als zu Beginn.

Der Auftritt ist ein stetes Auf und Ab. Langsame, romantische Stücke wechseln sich mit beschwingten, gelegentlich rockigen Popsongs ab. Gerade bei schnelleren Stücken bekommt auch der Gitarrist Rory Ronde endlich die Gelegenheit, sein außerordentliches Können zu demonstrieren.

Wouter Hamel spielt mit dem Publikum, versucht es zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Aber das will noch nicht so ganz. Erst beim Wohlfühlhit „See You Once Again“ springt der Funke endgültig über. Schlechte Laune, was ist das? Nach über anderthalb Stunden entlassen uns die Musiker dann wieder in die Welt, die sie uns gerade ein klein wenig schöner gemacht haben - zumindest für die Länge des Konzerts.

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