"Guter Kaffee und gutes Essen": Die Straßenmusiker Jan Gregersen und Alexander Denckert

Annette Aly

Was passiert, wenn zwei Hamburger Kneipenmusiker, die inzwischen in Freiburg vor Anker gegangen sind, mit geschultertem Kontrabass und Gitarre auf der Kajo unterwegs sind, auf der Suche nach einem freien Platz für ein halbstündiges Straßenkonzert? Mit Tweed und Schiebermütze, Kapuzenpulli und Melone passen Jan Gregersen (31) und Alexander Denckert (35) eigentlich ganz unauffällig in Freiburgs Straßenbild. Aber dann geht’s ab.



"Happy new Year, Leute" ruft Gregersen stimmstark, der erste Song und 40 Leute stehen unter den Arkaden, Münzen fallen in den Samt des Gitarrenkastens. "Death of a clown", "Help" von den Beatles, die Musiker, die sich vor zwei Jahren im Litfass kennengelernt haben, covern Songs aus den 60er und 70er Jahren mit eigenwilligen Interpretationen und in bester stimmlicher Harmonie. Gregersen mitunter hoch im Falsett, Denckert mit einer Stimme, die nicht wundern lässt, dass er auf Solokonzerten mit Johnny Cash Songs zugange ist. Nach dem dritten Song bei feuchten fünf Grad stehen 80 Leute da.


"Klar haben wir eigene Songs, aber das interessiert auf der Straße keinen", sind sich die beiden einig. Denckert hat in London gelebt, Gregersen in Paris, immer von und für die Musik. An der Straßenmusik gefällt ihnen, dass man niemandem etwas schuldig ist. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Die inzwischen 100 Leute wollen nicht gehen.

"Fernseher brauchen wir keinen"

Klassiker aus dem Dschungelbuch stehen auf dem Programm mit Trompetenimitation und engagiertem Bearbeiten der Instrumente. Gleich drauf "Ring of Fire" von Johnny Cash. "Sich strukturiert in den Tag hineinspielen", nennen sie ihre Kooperation lachend, "kreatives Blödsinnreden" ist bei ihnen Programm und auf die Frage, die Musikern gerne gestellt wird, ob man davon leben kann, antworten sie erstaunlich nachdenklich: Ist doch eine Frage des Anspruchs. Fernseher brauchen wir keinen. Wir leben in WG’s, guter Kaffee und gutes Essen ist wichtig, dafür reicht’s.

Gregersen hat seine Gitarre von einer Freundin aus den USA geschenkt bekommen und der Kontrabass von Denckert, der unter dem Namen "Bluestramp" als Gitarrist und Sänger auftritt, hat schon bessere Tage gesehen. Gute Laune und Können ist ihr Kapital. Beide sind Autodidakten, spielen seit ihrer Jugend und "klar, warten wir auf den Durchbruch", da ist wieder der Schalk in den Augen, "und auf die Frau von Südbaden TV", ergänzt Gregersen, "die ein Feature von uns drehen wollte". Anyway.

"Singen Sie mit", fordert Gregersen zu " Mrs. Robinson" von Simon & Garfunkel auf und ein melodisches Raunen setzt unter wippenden Wollmützen ein.

Die Fingerkuppen platzen schon mal auf

Wenn man die beiden googelt, trifft man auf Jacques Brel-Lieder, selbstkomponierten Blues, gespielt in einer Unterführung in Colmar, verwackelte Amateurvideos mit beachtlichen stimmlichen und musikalischen Darbietungen, Studioaufnahmen und Kommentaren wie: "Einfach gut", "Würde am liebsten 24 Stunden zuhören." Doch für heute ist Schluss. Bei der Kälte auf der Straße platzen schon mal die Fingerkuppen auf, aber das stört sie nicht weiter. "Leben im Jetzt" ist das erklärte Motto der Freunde und jetzt gibt’s erst mal einen Kaffee und eine Pause.

Wer die sympathischen Vollblutmusiker live erleben will, sollte auf der Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg auf laute Stimmen, geschulterte Kontrabässe und große Menschenansammlungen achten oder am 16. Januar um 20 Uhr "Bei Gundi" in der Merianstraße 13 sein. Das Konzert ist kostenfrei.

La Féte de la Musique Alex The Bluestramp Jan Gregersen

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Wer die Musiker privat buchen will, kann das unter gregersen.artist@gmail.com oder bluestramp@freenet.de tun.

Was: Konzert mit Jan Gregersen und Alexander Denckert
Wann: Mittwoch, 16. Januar 2013, 20 Uhr
Wo: Bei Gundi (Google Maps)
Eintritt: frei [Foto: Thomas Kunz]