Gute Lieder, böse Lieder

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was Nena, REM, van Halen, John Lennon und viele andere gemeinsam haben? Sie alle sind oder waren im Hauptberuf Musiker und haben es mit einem ihrer Lieder auf eine besondere Liste gebracht. Denn vor nicht allzu langer Zeit gab es ein Ereignis, nach dem auch bei vielen Radiosendern "nichts mehr so war wie davor".

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in New York und Washington gab es nicht nur große Veränderungen in der Weltpolitik, sondern es wurde auch über viele Lieder und vor allem deren Texte ganz neu nachgedacht. So manche Zeile und einige Songtitel ließen sich plötzlich völlig anders interpretieren.


Dass nach dem 11.9. van Halens "Jump", der Hippie-Song "Leavin' on a Jet Plane" von Peter, Paul and Mary, Nenas "99 Luftballons" und auch der Rock'n'Roll-Klassiker "Great Balls of Fire" nicht mehr in den Radios gespielt wurde, ist nachvollziehbar. Zunächst brachten alle amerikanischen Radiosender nur noch Musik, die möglichst politisch korrekt war.

Nach kurzer Zeit schickte der größte Radiosenderbetreiber der USA, Clear Channel Comunications, eine zunächst kurze Liste mit zu vermeidenden Liedern an seine lokalen Sender, deren Inhalt mit Flugzeug, fallen oder fliegen zu tun hat und die dem nationalen Gedenken schaden könnten. Doch die Liste wurde immer länger und gelangte nach einer Weile auch ins Internet, wo sie mit inzwischen über 160 Titeln als Verbotsliste interpretiert wurde.

Doch weil darauf auch eher harmlose Lieder wie "Imagine" von John Lennon und "What a wonderful world" in mehreren Versionen auftauchten, regten sich bald Zensurvorwürfe gegen die Urheber der Liste. Doch war sie nur eine Empfehlung, in den ersten Monaten nach dem Anschlag nicht so etwas wie "In the air tonight" zu senden. Verboten war keines der Lieder.



Mehr dazu:

Liste der "zensierten" Songs bei Wikipedia