Grüne Jugend packt Lebensmittel vor einem Supermarkt aus – um gegen Plastikmüll zu demonstrieren

Dominik Heißler

Die Grüne Jugend packte am Dienstagnachmittag bei einem Discounter demonstrativ Lebensmittel aus ihrer Verpackung aus – damit wollen sie gegen den vielen Plastikmüll demonstrieren.

Im Einkaufswagen liegen Haferflocken, Zitronen, Bananen, Äpfel und Gemüse. Doch die Gruppe junger Männer und Frauen kauft am Dienstagnachmittag im Aldi in den Westarkaden nicht etwa für ein Festival ein. Sie veranstalten eine "Plastic Attack": Vor dem Discounter befreien sie die Einkäufe von ihrer Verpackung.


Dabei füllen sie einen Einkaufswagen voll mit Verpackungsmüll, einen zweiten zur Hälfte mit Lebensmitteln. Im Anschluss gehen sie auf andere Kunden zu – so wollen sie auf unnötigen Plastikkonsum aufmerksam machen.

Warum macht die Gruppe das?

Aber was ist da gewonnen? Die Abfallmenge bleibt ja dieselbe, könnte man einwenden. "Wir machen das, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass eine Banane oder eine Gurke gar keine Plastikverpackung brauchen", erklärt Anabel Bieg. Man habe doch die Wahl, ob man als Verbraucherin und Verbraucher zu verpacktem oder unverpackten Obst und Gemüse greife. Die Alternative werde ja angeboten. Anabel Bieg ist Mitglied der Grünen Jugend. Die hatte über das Soziale Netzwerk Facebook zur Aktion aufgerufen, rund 15 Leute sind am Dienstag gekommen.

Die erste "Plastikattacke" fand im März dieses Jahres in der Nähe von Bristol in Großbritannien statt. Von dort aus hat die Aktionsform ihren Weg nach Brüssel, Berlin und ins niederländische Groningen gefunden, aber auch nach Stuttgart und in die Schweiz – und nun nach Freiburg. Die Aktivisten nutzen oft Facebook als Plattform, um ihre Aktion bekannt zu machen.

Die Konsumenten haben’s in der Hand

"Pro Person verbrauchen wir jährlich circa 100 Kilogramm Plastik", informiert zum Beispiel die Einladung der Grünen Jugend Freiburg zu ihrer Aktion. Im Jahr 2050 werde gar mehr Mikroplastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen.

"Es ist krass, wie viel Müll da entsteht", sagt eine Aktivistin, als sie die Ware auspacken. "Und so unnötig", findet eine andere. Sie packen das Obst und Gemüse in Stoffbeutel, für die Haferflocken und Linsen haben sie Gläser dabei. Stirnrunzelnd fährt derweil ein Autofahrer an der Gruppe mit den beiden Einkaufswägen vorbei.

"Wir richten uns mit der Aktion nicht gegen die Filiale", Anabel Bieg
Einige Neugierige bleiben stehen, schauen hin – und bekommen eine Rose, plastikfreies Gemüse oder einen Flyer in die Hand. "Plastik kann tödlich sein", steht darauf, darüber ein Teller mit einer Gurke, in Plastik verpackt. Das Design erinnert an das von Zigarettenschachteln. Auf der Rückseite empfiehlt die Grüne Jugend, das Gemüse lose aufs Band zu legen oder in Unverpackt-Läden oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen.

Den Discounter haben sie sich übrigens nicht explizit ausgesucht. "Wir richten uns mit der Aktion nicht gegen die Filiale", sagt etwa Anabel Bieg. Deren Leitung verweist für eine Stellungnahme an die Zentrale von Aldi Süd. Dort war bis Redaktionsschluss leider niemand erreichbar.

Die Grüne Jugend sehe neben den Konsumenten auch die Politik in der Pflicht, Gesetze zu erlassen, um Plastikkonsum einzuschränken, steht auf dem Flyer. Bieg formuliert es so: "Je mehr Leute darauf achten, was sie einkaufen, desto eher ist auch die Politik gefordert, etwas zu tun."

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