GPS-Studie: Wo treiben sich die Freiburger Touristen herum?

Benedikt Nabben

Für seine Doktorarbeit hat der Freiburger Geograph Michael Bauder 162 Touristen mit GPS-Geräten ausgestattet, um herauszufinden, wie sie sich in Freiburg bewegen. Dabei entdeckte er den Unterschied zwischen dem klassischen und dem Green-City-Touristen. Ein Interview:



Herr Bauder, warum lassen Sie Touristen GPS-Geräte durch die Stadt tragen?


Michael Bauder
: Mich interessiert die touristische Mobilität. Dabei ist mein Forschungsinteresse in erster Linie die technische und methodische Umsetzung der Untersuchungen. Bei den alten Methoden in der Tourismusforschung ist man einfach den Personen hinterhergelaufen. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß, man hat die Leute unterwegs oft verloren. Jetzt benutzen wir GPS, um die Bewegungspfade von Touristen aufzuzeichnen.

War es schwierig, Touristen zu finden, die ihre Stadttour von einem GPS-Gerät aufzeichnen lassen wolllten?

Ja, von zehn bis zwanzig angesprochenen Touristen hat sich einer bereit erklärt, am Experiment teilzunehmen. Wir haben die Leute in der Stadt angesprochen und die GPS-Geräte verteilt. Das Gerät ist ungefähr so groß wie eine Streichholzschachtel und wiegt nur 30 bis 40 Gramm, so dass es in die Hosentasche oder den Rucksack passt und die Position dann exakt aufzeichnen kann.



Was haben Sie herausgefunden?

Die allgemeine Bewegung der Touristen ist durch die Hauptsehenswürdigkeiten gesteuert. Sie folgen einer Ringstruktur: vom Rathaus zum Münster, über Herren- und Konviktstraße zum Augustinerplatz. Dann über die Gerberau zum Martinstor, und anschließend die Kaiser-Joseph-Straße wieder hoch. Das war allerdings nicht so überraschend.

Interessant ist, dass wir verschiedene Gruppen gegenüber gestellt haben. So unterscheiden sich die Touristen, die vorbereitet anreisen von denen, die unvorbereitet anreisen. Die unvorbereiteten Touristen verirren sich häufig in der Stadt und benutzen wirklich den falschen Weg. Das GPS hat gezeigt, dass sie oft in eine Straße hineingehen und direkt wieder umdrehen und herausgehen. Außerdem benutzen sie Straßen, die touristisch nicht attraktiv sind. Die vorbereiteten Touristen durchbrechen den Altstadtring, steuern Schlossberg und Schauinsland an.

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Haben Sie Besonderheiten entdeckt?

Wir konnten durch die Auswertung von Fragebögen vier charakteristische Gruppen identifizieren: Den klassischen Touristen, den Green-City-Touristen, den Ich-Touristen, der auf sein Persönliches Wohlbefinden aus ist, und den interessierten Touristen, der an fast allen Themen Gefallen findet.

Die Bewegungsprofile zeigen große Unterschiede. Der klassische Tourist verlässt die Altstadt nicht, der Green-City-Tourist hält sich nicht nur im Vauban auf, sondern besucht auch gezielt Buggi 50, Deutschlands erstes Passivhochhaus, die Ökostation am Seepark und auch das Wasserkraftwerk am Sandfangweg. Der Ich-Tourist ist der einzige, der gezielt den Schauinsland ansteuert. Außerdem wandert er und fährt Fahrrad an der Dreisam. Der interessierte Tourist deckt viele Bereiche ab. Er besucht auch das Institutsviertel und den Stühlinger.

Wieviel Arbeit steckt in der Untersuchung?

Wir haben zwei Monate lang Daten erhoben. Das hat zu 162 GPS-Aufzeichnungen und 330 ausgefüllten Fragebögen geführt. Aber am zeitintensivsten ist die Auswertung. Die hat nochmal einige Monate gedauert.

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