Google Room View: Freiburg wehrt sich gegen Googles Schlafzimmer-Spion

Markus Hofmann

Googles Mission ist es, sämtliche Informationen dieser Erde verfügbar zu machen. Google digitalisiert Bücher (Google Books), google fotografiert Städte (Google Street View), Google zeigt die Welt als Landkarte (Google Maps). Nun will der Suchmaschinenriese auch noch in unsere Wohn- und Schlafzimmer vordringen: Google Room View heißt der neuste Schnüffeldienst, der virtuell sichtbar macht, was bei uns zuhause passiert. Einigen Freiburgern geht das zu weit - sie haben eine Protestaktion gestartet: Verpiss dich, Google!



Es war im Mai 2009, als ein fudder-User erstmals das ominöse pechschwarze Google-Auto in Freiburg in der Eschholzstraße gesichtet hat (Foto unten). Auf dem Dach dieses Fahrzeugs ist eine Kamera montiert, die  lückenlos alle Straßenzüge Freiburgs (und anderer Städte) fotografiert. Verfügbar gemacht werden die Bilder über den Google-Service Google Street View.




An Google Street View haben sich weltweit heftige Debatten über den Schutz der Privatspäre entzündet. Mit seinem neusten Service Google Room View  geht Google nun aber noch einen Schritt weiter: Ziel ist es, alle Wohnungen der Menschheit zu fotografieren und auf diese Weise virtuell begehbar zu machen.

Dergestalt könnte man mit einem Mausklick in Erfahrung bringen, welche Bettwäsche unsere Nachbarn haben oder ob der nette junge Mann aus dem Erdgeschoss immer noch den Softporno auf der Ablage im Flur liegen hat.



Um die Wohnzimmer dieser Welt fotografisch zu katalogisieren, sind in diesen Tagen im Auftrag von Google mobile Fotografen in Freiburg und anderen  Metropolen unterwegs, die an der Wohnungstür klingeln und um Einlass bitten - oder (wenn niemand daheim ist) ziemlich frech einfach mal durchs Fenster knipsen.

"Wir nehmen das Bedürfnis der Menschen, ihre Privatsphäre zu schützen, sehr Ernst", heißt es trotzdem aus dem Haus Google. Wer sein Wohn- und Schlafzimmer nicht im Internet finden möchte, kann Google deshalb formlos per Fax (oder Postkarte) darum bitten, dass die eigene Wohnung aus dem Suchindex verschwindet. Googles Faxnummer (beziehungsweise Postanschrift) sei auf einfache Weise im Internet zu finden - natürlich via Google.



Diese Datensammelwut geht einigen Freiburgern nun aber zu weit - sie haben eine Protestaktion gestartet und Anti-Google-Plakate an die Fenster ihrer Wohnungen gehängt. Der Slogan "Verpiss dich, Google", ist bereits an zahlreichen Fensterscheiben in Freiburg zu lesen (siehe Fotos) - eine unmissverständliche Botschaft an die mobilen Google-Fotografen, die eigenen  vier Wände nicht zu fotografieren.





Wer die Protestaktion initiiert hat, wissen wir nicht. Allerdings verbreiten sich die Anti-Google-Poster in diesen Stunden wie ein Algenteppich in Freiburg.  Die fudder-Redaktion unterstützt das Anliegen der Google-Schnüffel-Gegner und bietet euch das Verpiss-dich-Google-Plakat zum Download bereit.

Schickt uns Eure Anti-Google-Fotos!

Druckt es am besten gleich aus und klebt es mit Tesafilm an die Fenster Eurer  Wohnung, damit die Google-Fotografen wissen, dass sie bei euch nichts zu suchen haben! Gerne könnt ihr uns Fotos von den Plakaten, die an euren Fenstern hängen, an fotos@fudder.de mailen. Wir veröffentlichen alle Bilder in einer Foto-Galerie, um der Welt zu zeigen: Freiburger Wohnzimmer sind für Google tabu!
 

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