"Glück ist nicht planbar": Marianne Neumann von Berge im Interview

Bernhard Amelung

Am Mittwoch haben Marianne Neumann und Rocco Horn, das ist das Berliner Singer-Songwriter-Duo Berge, ein Konzert in der Zeche Carl in Essen gespielt. Am Freitag machen sie auf ihrer "Glück"-Tour Station im Jazzhaus. Zwischen Proben und Soundcheck hat Bernhard Amelung mit Marianne Neumann gesprochen - natürlich übers Glück und glücklich sein.



Was bedeutet für dich Glück?

Marianne Neumann: Glück bedeutet für mich in diesem Moment, machen zu dürfen, was ich mir als Musikerin erträumt habe, nämlich mit meinem Partner Rocco und unserer Band ein Album aufzunehmen und auf Tour zu gehen. Das ist uns viel Wert. Sonst ist Glück für mich relativ und stark davon abhängig, was man gerade fühlt.

Ich denke auch nicht, dass man in jedem Moment seines Lebens zu 100 Prozent glücklich sein muss. Das geht auch gar nicht. Sein Ding machen dürfen, Leute haben, die das mit einem zusammen durchziehen, das ist schon ganz großes Glück.

Wie zeigt sich für dich Glück?

Marianne Neumann: Glück ist für mich ein Moment-Ding und nicht planbar. Es kommt oft aus einer Situation heraus, die einen auf einmal total berührt. Das kann man nicht erahnen. Das ist spontan.

Bist du denn selber ein spontaner Mensch?

Marianne Neumann: Total.

Wieviel Spontanität verträgt die Zusammenarbeit mit Rocco und der Band?

Marianne Neumann: Wir planen eigentlich viel und machen uns viele Gedanken, was in den Songs und auf der Bühne passieren soll. Wir haben aber auch spontane Ideen und wollen die hauruckmäßig umsetzen. Dafür sind wir unter Musikerkollegen inzwischen berühmt-berüchtigt.

Hört man sich euer aktuelles Album "Vor uns die Sinnflut" an, drängt sich der Gedanke auf, dass ihr allen Menschen auf dieser Erde Glück wünscht. Ist das tatsächlich so?

Marianne Neumann: Ja. Das würde die Welt auch ein Stückchen besser machen. Wenn jemand etwas findet, das ihn total erfüllt, wandelt er mit einer anderen Ausstrahlung umher, mit einer anderen Energie. Er wird auch andere Dinge bewirken wollen. Das würde zu einer positiven Gesamtstimmung auf dieser Erde beitragen. Deshalb muss man allen Menschen Glück wünschen, was auch immer das dann für den einzelnen Menschen heißt.

Das klingt sehr utopisch und ist schwer umsetzbar. Wieviel Utopie verträgt eigentlich die Realität?

Marianne Neumann: Ganz, ganz viel. Utopie und Realität sind doch eigentlich auch nur so Wahrnehmungen. Es gibt nur das, was ist und das, was ich mir in meinem Kopf dazu ausmale. Da gibt es so viele unterschiedliche Wahrnehmungen, so dass man von der einen Realität gar nicht mehr sprechen kann.

Ihr seid viel in anderen Ländern unterwegs, habt in Russland und Kasachstan Konzerte gegeben. Was nehmt ihr euch von diesen Reisen mit?


Marianne Neumann:
Das Reisen ist ja immer eine sehr intensive Angelegenheit. Ich kann auf Reisen viel über mich selbst lernen, wie ich mit anderen Menschen interagiere. Das finde ich fast schon spannender als den fremden Ort an sich. Ich bin aber nicht der Globetrotter schlechthin. Ich bin gerne woanders, brauche das auch von Zeit zu Zeit. Ich kann auch einfach nur nach Brandenburg fahren und dort meinen Akku aufladen.

Was hast du im letzten Jahr über dich selbst gelernt?

Marianne Neumann: Ich habe gelernt, wann und wie ich an den richtigen Stellen entspannen und wann mich sehr konzentrieren sollte. Das Wissen darüber hat für mich als Künstlerin und Mensch sehr viel Klarheit gebracht. Was ich auch gelernt habe, ist, dass es immer auch zur Entwicklung beiträgt, wenn man auch einmal Streit zulässt.

Inwieweit macht dich dieser Lernprozess glücklich?

Marianne Neumann: Der ist für mich sehr wichtig, denn am allermeisten hasse ich Stillstand und Langeweile. Ich brauche immer etwas Neues. Deswegen brauche ich auch ein Arbeitsumfeld und Menschen, wo ich mich weiterentwickeln kann. Nur dann fühle ich mich wohl. Das habe ich auch. Ich habe einen Job, der mich sehr herausfordert, ich bin mit Menschen zusammen, die mich herausfordern. Ich habe inzwischen auch erkannt, dass alles ein Prozess ist, dass alles ein Werden ist und kein Muss. Und darauf kommt es letzten Endes an.

Berge - 10.000 Tränen

Quelle: YouTube
       

Verlosung

fudder verlost zweimal je zwei Tickets für Berge am Freitag, 27. Mai, 20 Uhr. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff "Glücksberge" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 27. Mai 2016, 10 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.


Mehr dazu:

Was: Berge
Wann: Freitag, 27. Mai 2016, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Tickets: 18,60 Euro, Tickets kaufen

[Foto: Berge / Promo]