Geschenke umtauschen nach Weihnachten: Hab ich schon, will ich nicht, brauch ich nicht

Fabienne Hurst

Einmal im Jahr läuft das Geschäft umgekehrt. Jetzt, kurz nach Weihnachten ist die Stadt voller Menschen mit dem gleichen Ziel: Weihnachtsgeschenke umtauschen.

Freiburg, am Tag nach Weihnachten. Im Sportgeschäft stehen die Kunden bis zur Tür. Die Wartenden in der Schlange wirken erstaunlich gelassen: Sie fischen die bunten Sonnenbrillen von den Brillenständern, setzen sie auf und albern vor den Spiegeln herum oder wippen im Takt zur Musik aus den Lautsprechern. Wo vor wenigen Tagen noch „Jingle Bells“ die Kunden zum Konsum animieren sollten, schallt jetzt „Low“ von Flo Rida aus den Boxen. An der Kasse gibt ein Mädchen einen grauen Jogginganzug zurück. „Den hab ich schon“ sagt sie und grinst verlegen. Bares gibt der Verkäufer „nur ungern“ zurück, da hilft auch kein bittender Hundeblick. „Dürfen wir nicht“ bellt er beim zweiten Versuch -ihm ist wohl aufgefallen, dass die erste Antwort nicht zieht. Er scheint sich an diesem Tag einfach zu oft erklären zu müssen.


Die Verkäufer kennen die verschiedenen Umtausch-Typen: Von der ehrlichen „Gefällt mir nicht“- Zurückgabe bis zum beschämten „Ist mir zu eng“- Geständnis. „Manche Kunden erzählen eine richtige Geschichte um ihren Umtausch zu rechtfertigen“, sagt eine Modefachverkäuferin. Eine ältere Dame gibt in einem Bekleidungsgeschäft eine bunte Kinderjacke und zwei geringelte Rollkragenpullover zurück. „Dem Enkel gefällt’s nicht“ sagt sie mit matter Stimme und hievt das Kleiderknäuel auf den Kassentisch. „Sie lassen sich von ihrem Enkel ja auch nicht die Kleidung aussuchen“ entgegnet der Verkäufer. Wahrscheinlich wollte er witzig sein, die Kundin senkt nur traurig den Blick.

Beim Juwelier stehen die Verkäufer schon leicht geduckt vor ihren Verkaufstischen. Sie nehmen heute hauptsächlich Gutscheine entgegen und beraten die vielen Einlöser im Eilverfahren – verkauft ist die Ware ja bereits. Ein Herr wird darauf aufmerksam gemacht, dass er sein Fleischkäs-Weckle nicht im Laden verspeisen könne, worauf er wütend die Filiale verlässt. Überhaupt haben auffallend viele Leute einen Snack in der Hand. Sie mussten wohl trotz ernsthafter Diätvorsätze nach der Völlerei am Wochenende dem plötzlichen Heißhunger nachgeben. Ein Fischbrötchen macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett, so die Devise –  im neuen Jahr macht man sowieso mehr Sport.

Im Elektronik-Großmarkt zieht ein kleiner Junge mit seinem Vater durch die Regalreihen. „Welchen wolltest Du denn jetzt haben?“ Der Junge zeigt auf einen weißen Nintendo DS. „Entschuldige Mark, dann kaufen wir natürlich den.“ Dann gibt es noch diejenigen, denen der Umtausch zu peinlich ist. Sie lassen ihre ungeliebten Geschenke einfach ein Jahr lang unbenutzt im Schrank liegen und legen sie dann zum Weiterverschenken wieder unter den Baum.