Gescheiterter We have Band-Gig im E-Werk: Was ist am Freitag falsch gelaufen?

Franziska Kiedaisch

Vergangenen Freitag fand im E-Werk ein Konzert der Dance-Punk-Kombo We have Band statt. So ein bisschen, zumindest. Denn nach 50 Minuten verließ die Band aus London frustriert die Bühne, nachdem Probleme mit dem Sound nicht behoben werden konnten. Enttäuscht war darüber nicht nur das Publikum, sondern auch der Veranstalter. Was war da los? Fanny hat für fudder nachgefragt.

Freitagabend, kurz nach Mitternacht im E-Werk. We have band betreten die Bühne im Foyer des E-Werk. Die drei Musiker wirken entspannt und man sieht ihnen an, dass sie sich auf das Konzert freuen. Mit Synthesizer, Gitarre, Drums und ein paar Mikros wollen sie das Publikum begeistern.


Keine halbe Stunde später gibt es Probleme. Der Sound ist viel zu leise und verzerrt; dazu kommt aus den Boxen ein unangenehmes Knacken und Kratzen. Es wird gewerkelt und probiert, doch das technische Problem scheint vom anwesenden Tontechniker nicht behoben werden zu können. Nach mehreren Versuchen, das Konzert fortzusetzen, verlässt die Band nach insgesamt 50 Minuten schließlich die Bühne mit den Worten: „Sorry, we can’t play like that. We’ll come back.”

Die rund 120 anwesenden Konzertbesucher reagieren darauf unterschiedlich: Manche beschweren sich lautstark, andere verlassen das E-Werk sang- und klanglos. Der Großteil findet sich aber direkt im Anschluss an das verpatzte Konzert im Kassenbereich ein, um eine Entschädigung für den Eintrittspreis einzufordern. Erstattet wird aber zunächst einmal nichts. Resignation macht sich im Anschluss breit, und das sowohl aufseiten des Publikums, als auch bei den Künstlern. Diese wirken unzufrieden und genervt. Eine Frau aus dem Publikum sagt: "Mann, das ist ja hier wie bei ner Schulband. Nix funktioniert." "Von einem Konzert kann ja eigentlich auch gar nicht die Rede sein. Es war mehr ein langer Soundcheck", schreibt fudder-User riffraff als Kommentar unter die Konzertankündigung.

„Es wäre sicherlich ein toller Abend geworden“, sagt Moritz Oehler, der das Konzert von We have Band im E-Werk veranstaltet hat. Er hatte die Formation im Zuge eines Praktikums bei der Booking- Agentur headquarter entertainment in Berlin kennen gelernt. „In Berlin hatten We have Band einen Hammer- Auftritt. Schade, dass das in Freiburg nicht geklappt hat“, sagt Moritz. Er kann die enttäuschten Konzertbesucher verstehen, die nun ihr Geld zurückwollen und will sich für die Rückerstattung des Eintrittes einsetzen. „Leider weiß ich noch nicht, wie das genau ablaufen kann.“

Denn am Konzert waren mehrere Personen und Firmen beteiligt. Moritz Oehler gibt der Freiburger Veranstaltungstechnik-Firma TecStage die Schuld. Diese sollte am Abend die notwendige Tontechnik und die dazugehörenden Dienstleistungen liefern.



„Das Equipment der Band war keinesfalls defekt und die PA vom E-Werk hat bei den DJs später am Abend ja auch funktioniert. Schuld trägt also TecStage. Ich habe deren Dienstleistung in Anspruch genommen und sie haben diese nicht hinreichend erfüllt“, sagt Moritz. Die PA ("Public Address") ist der Teil einer Beschallungsanlage, der für den Publikumsraum gedacht ist.

Bei TecStage sieht man das anders: „Wir haben beim Soundcheck am Nachmittag die PA, die dem E-Werk gehört, eingestellt. Als wir abends wiederkamen, war diese verstellt.“ Die Firma trage keine Verantwortung für etwas, das in der Abwesenheit der TecStage- Mitarbeiter geschehen sei. „Wir waren nur für die Dauer des Konzerts gebucht. Wenn der Veranstalter hinreichend Sicherheit hätte haben wollen, dann hätte er uns den Nachmittag über auch buchen müssen", sagt ein Sprecher der Firma.

Die Band widerspricht der Darstellung von TecStage in einem schriftlichen Statement: "The mixing desk was hired in by Moritz and either the desk was broken or the sound guy did not know how to operate the desk. Either way the sound for the show was terrible. It was very quiet with occasional volume jumps and constantly distorting. The p.a. system was not at fault as the DJ decks worked fine and DJ sound was fine. The bands equipment is 100% fine and working mid tour. The sounds man suggested our equipment was at fault at the gig. This is not the case."

Hier wird deutlich: wenn ein Konzert scheitert, ist es schwer, die Sachlage zu klären. Keiner will verantwortlich sein. Die Mitarbeiter des E-Werks – ohnehin nicht die richtigen Ansprechpartner - verweisen das enttäuschte Publikum mit ihrer Bitte nach Erstattung des Eintrittspreises richtigerweise an Veranstalter Moritz Oehler. Dieser wiederum betont, die Technik sei nicht seine gewesen. Die Booking-Agentur, ebenfalls nicht für die Durchführung des Konzerts zuständig, muss sich bohrende Fragen und wütende E-Mails der Konzertbesucher gefallen lassen. Und die Veranstaltungstechnik-Firma TecStage betont, dass die PA nicht ihre gewesen sei und sie dementsprechend auch nicht haftbar zu machen seien.
Moritz Oehler versucht nun, von TecStage einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Damit wolle er den Konzertbesuchern den Eintritt zurückerstatten, sagt er. Ob die Versicherung zahlen wird, bleibt aber zunächst unklar, denn: „Unser Equipment wurde im Anschluss an das Konzert geprüft und es wurden keine Defekte festgestellt“, teilt TecStage mit.

Ob überhaupt eine Pflicht zur Rückerstattung des Eintritts besteht, ist nicht so leicht zu bestimmen. „Die vertraglichen Regelungen müssten genauer untersucht werden, um die Möglichkeit eines Schadensersatzes zu prüfen“, sagt Martin Bachmann, Anwalt bei der auf Veranstaltungsrecht spezialisierten Kanzlei Hild & Kollegen in Augsburg. Außerdem müsste dazu einer der Parteien die Schuld an dem technischen Defekt nachgewiesen werden.

Inwieweit das aber möglich sein wird, bleibt vorerst ungeklärt. Sicher ist jedenfalls: „Der Ruf von allen Beteiligten steht auf dem Spiel“, sagt Moritz. „Ich hoffe, dass sich bald eine Lösung finden lässt.“

Mehr dazu: