Gerüche aus der Tiefe

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, woher der typische Geruch von U-Bahnen kommt? Es ist sicherlich schon so manchem aufgefallen, dass es in U-Bahnschächten egal welcher Stadt sehr ähnlich riecht. Ob München oder London, Berlin oder Moskau, überall sind die unterirdischen Bahnen in verschiedene Böden und mit anderen Materialien gebaut. Doch sie haben auch so einiges gemeinsam.

Dass der typische Geruch einem modrigen Kellerduft entspringt, ist recht unwahrscheinlich: Durch die fahrenden Bahnen herrscht in den Tunnels ständiger Zug (sic!) und der Kellergeruch entsteht nur bei stehender Luft. Die eventuell herumliegenden verwesenden Ratten, die weltweit die gleichen sind, machen auch nicht den dominanten Duft aus.


Schuld sind die U-Bahnen selber: Wer seine Nase genau ausrichtet, riecht zwischen den Ausdünstungen der Mitreisenden einen an Kohle erinnernden Geruch heraus. Dieser kommt von herumfliegendem Graphitstaub, also reinem Kohlenstoff. Das Graphit befand sich ursprünglich an den Stromabnehmern und sollte sich dort sogar abnutzen.

Die Stromabnehmer sind auf ihrer gesamten Breite mit einer elektrisch gut leitenden Graphitschicht überzogen. Wenn nämlich die Stromabnehmer aus Metall direkt an den Leitungen reiben würden, müsste man letztere ersetzen, was sehr umständlich und teuer ist. So nutzt sich nur das relativ weiche Graphit ab und bildet, herunterrieselnd, dunkle Schlieren an den Wänden der Schächte.

Der typische U-Bahngeruch entsteht, wenn sich einer der häufigen Funken zwischen Abnehmer und Stromleitung bildet. Dabei verbrennt das Graphit und es riecht nach verbrannter Kohle. In flacheren Untergrundsystemen, wie etwa in Berlin, ist die Belüftung recht einfach, deshalb ist der Geruch nicht so penetrant wie etwa in Paris, London oder Moskau.