Gengenbacher Schüler untersucht die Schädlichkeit von Hauskläranlagen im Schwarzwald

Bernhard Amelung

Bis heute sind zahlreiche Häuser im Schwarzwald nicht an das öffentliche Kanalisationssystem angeschlossen. Die Haushalte entsorgen ihre Abwässer mit einer Haus- oder Kleinkläranlage. Lukas Vollmer, Schüler am Marta Schanzenbach Gymnasium in Gengenbach, hat untersucht, ob diese das Ökosystem kleiner Fließgewässer belasten.



Der 17-jährige Gymnasiast Lukas Vollmer lebt in Kirnbach, einem Ortsteil der Gemeinde Zell am Harmersbach im Ortenaukreis. Sein Elternhaus liegt am Hang, eingebettet in die liebliche Hügel- und Wiesenlandschaft des Harmersbachtals. Ein wunderbarer Ort, um die unberührte Natur des Schwarzwalds zu genießen. "Weitgehend unberührte Natur", korrigiert Lukas, denn im Sommer des vergangenen Jahres machte er eine Entdeckung: Er stellte fest, dass sich ein bräunlicher, feinblasiger Schaum auf dem Wasser bildete. "Das hat mich verwundert. Ich wollte die Ursache der Schaumbildung herausfinden", sagt er.


Lukas geht der Schaumbildung auf den Grund. Er findet heraus, dass sie an der Stelle auftritt, an der das gefilterte Wasser aus der Hauskläranlage in den Bach reinfließt. Zwei Fragen bestimmen fortan seine Untersuchungen: Reinigt die 50 Jahre alte Hauskläranlage das verschmutzte Abwasser noch ordnungsgemäß? Belastet das Abwasser das Ökosystem des Baches?



Lukas untersucht zunächst die Wasserqualität des Baches. Dabei legt er den Schwerpunkt auf physikalische und chemische Messverfahren. Sie liefern ihm Aussagen über pH-Wert und Leitfähigkeit des Wassers sowie über die Konzentration von Phosphaten, Nitraten und Ammonium. In einem ersten Schritt entnimmt er Wasserproben oberhalb, unterhalb und direkt an der Einlaufstelle des Abwassers. In einem zweiten Schritt färbt er sie ein. "Schadstoffe wie Nitrat, Phosphat oder Ammonium sind zwar im Wasser gelöst, aber nicht sichtbar. Die Reagenzien färben sie ein. Die Stärke der Färbung ist dann ein Maß für die Konzentration", erklärt er.

Die eingefärbten Proben untersucht Lukas mit einem UV/VIS-Photometer. Dieser funktioniert nach dem Prinzip der Lichtabschwächung: Die eingefärbten Wasserproben werden bestrahlt, und über die Abschwächung des Lichtes kann auf die Schadstoff-Konzentration geschlossen werden. Die Messungen ergeben, dass der Bach oberhalb der Einlaufstelle der Hauskläranlage nicht oder nur gering mit Schadstoffen belastet ist. Für die Einlaufstelle selbst kann Lukas eine hohe Konzentration an Nitrat/Nitrit, Ammonium und Phosphat nachweisen. Unterhalb der Einlaufstelle schwächt sich die Konzentration der Schadstoffe schnell ab. "Interessant dabei ist, dass die pH-Werte bei allen drei Entnahmestellen im selben Bereich liegen. Ich vermute, dass der pH-Wert keinen Einfluss auf die Schadstoffkonzentration hat", so Lukas.



Lukas' Schlussfolgerungen aus seinem Experiment: Es ist nicht auszuschließen, dass alte Hauskläranlagen mit der Zeit die Schadstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Abwasser herausfiltern. "Dieses Problem kann man jedoch sehr einfach beheben, in dem man die Häuser direkt an das Kanalisationssystem anschließ", sagt Lukas.

Der Nachwuchsforscher spricht den Ortsvorsteher darauf an. Dessen Antwort fällt unbefriedigend aus. Der Anschluss an das Kanalisationssystem sei teuer, das Straßennetz müsse aufgegraben und viele Rohre verlegt werden. Eine Alternative dazu wäre, die Hauskläranlagen mit Ionenfiltern nachzurüsten, befindet Lukas. Um das Ökosystem kleiner Fließgewässer müsse man sich allerdings keine Sorgen machen. "Der Bach reinigt sich selbst. Pflanzen, die in der Nähe des Baches wachsen, können Nitrate und Phosphate aufnehmen und für ihr Wachstum verwenden."

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[Fotos / Screenshot: Lukas Vollmer]