"Generation Y": Ein Tanztheater, das mit Stereotypen aufräumen will

Melissa Betsch

Das erste Tanztheater der Freiburger Dance Company "Diamond Dust" heißt "Generation Y". Darin setzen sich die Tänzerinnen mit ihrer Generation auseinander und üben Kritik - auch an sich selbst. Am Samstag feiert das Stück Premiere im Bürgerhaus Seepark.

"Diamond Dust" – das sind neun Tänzerinnen, die eigentlich ursprünglich und sehr erfolgreich aus dem Wettbewerbstanzen kommen, sich vor einiger Zeit aber dazu entschieden haben, ein eigenes Tanzprojekt zu starten. Der Grund dafür liegt beim Wettbewerb selbst: "Nachdem zwei von uns wegen der Altershöchstgrenze gezwungen waren aufzuhören, kamen wir ins Grübeln und waren wir uns ziemlich schnell einig, dass die Wettbewerbszeit nun vorbei ist", meint Tänzerin und "Diamond Dust"-Mitglied Luca-Teresa Widmer.


Über Selbstkritik und Selbstergründung

Doch um was geht es überhaupt in "Generation Y"? Das Stück erzählt von einer Generation, die in einer immer schneller werdenden, unsicheren, globalen Zeit lebt. Mediensucht, Leistungsdruck oder Globalisierung macht die zwischen 1980 und 1999 Geborenen – und damit auch die "Diamond Dust"-Tänzerinnen – zur "Generation Y".

Dabei gehen sie auch Fragen nach wie "Was macht uns und unsere Generation aus?" "Was prägt und interessiert uns?" "Wer sind wir eigentlich?" Eine ziemlich selbstkritische und philosophische Materie, die sie sich für ihr erstes Projekt ausgesucht haben, könnte man meinen. Doch die Wahl einer solchen Thematik haben sie ganz bewusst getroffen.

Zuschauer entscheiden, wie sie antworten

Sie wollen sich dadurch sowohl mit ihrer eigenen als auch mit den teilweise sehr stereotypen und einseitigen Sichtweisen auf ihre Generation kritisch auseinandersetzen. "Es ist einfach großartig, weil man sich selbst so gut damit identifizieren kann", sagt die 21-jährige Lea-Madeleine Militz. Künstlerisch umgesetzt werde dies auf der Bühne dann durch verschiedene Themenblöcke wie "Reisen", "Liebe", "Medien" oder "Ausbildung".

Annika Siebert erklärt: "Wir versuchen, passend zu diesen Blöcken klare Thesen zu formulieren wie: 'Die Generation Y ist sehr gut ausgebildet' und stellen über alles die zentrale Frage: 'Sind wir das wirklich?'. Am Ende dürfe der Zuschauer dann für sich selbst entscheiden, wie er diese Thesen beantwortet."

"Ich vermisse die Wettbewerbszeit gar nicht." Luca-Teresa Widmer

Auch wenn die Mädchen in ihrem Stück Schauspiel und Gesang verbinden, liegt der Fokus nach Aussage der Gruppe nach wie vor klar auf den Tänzen, welche sie selbst choreographiert haben. Hierbei erwartet die Zuschauer ein bunter Mix aus verschiedenen Stilen und erzählerischem Tanz. "Jetzt, da wir etwas Eigenes auf die Beine gestellt haben, wollen wir den Leuten auch mal eine andere Seite von uns zeigen, nicht nur unser Wettbewerbsdenken", erzählt Viktoria Ottmann. Und Annika ergänzt: "Wir wollten daran auf jeden Fall wachsen, sowohl menschlich als auch tänzerisch und uns in Freiburg verstärkt einen Namen machen, da es ja komplett unsere eigene Produktion ist."

Ihrer früheren Wettbewerbszeit trauern sie dabei nicht wirklich hinterher. Lea schwärmt: "Das Tanztheater ist so abwechslungsreich, ganz anders als bei den Wettbewerben. Hier wurden uns ganz neue Dimensionen eröffnet und wir konnten uns mal richtig künstlerisch ausleben." "Ich vermisse die Wettbewerbszeit gar nicht", verrät auch Luca-Teresa.

Schon neue Ideen für nächstes Tanztheater

Und wie sehen die Zukunftspläne der "Diamond Dusts" aus? Obwohl die Premiere von "Generation Y" noch aussteht, haben sie schon neue Ideen für ihr nächstes Tanztheater. "Allerdings noch nichts Konkretes. Wir wollen erst einmal auf die Resonanz des Publikums zu diesem Stück warten und wissen auch noch nicht, was das nächste Jahr für unsere Gruppe bereithält", so Luca-Teresa. Sollte alles passen, stehe einem weiteren Stück jedoch nichts im Wege.
  • Was: Tanztheater "Generation Y"
  • Wann: Samstag, 18. November, 20 Uhr, Bürgerhaus Seepark in Freiburg (Ausverkauft)

    Samstag, 9. Dezember, 20 Uhr, Theater am Kastelberg

    Samstag, 16. Dezember, 20 Uhr, Theater am Kastelberg

    Sonntag, 17. Dezember, 16 Uhr, Theater am Kastelberg
  • Wo: Bürgerhaus Seepark, Gerhart-Hauptmann-Straße 1, 79110 Freiburg

    Theater am Kastelberg, Bergstraße 8 , 79183 Waldkirch
  • Eintritt: 9 Euro (ermäßigt)/ 12 Euro, Infos unter bz-ticket.de