Interview

Gelbe Pollen überziehen momentan alles – wie lange dauert das noch?

Peter Stellmach

Gelber Blütenstaub überzieht alles: Autos, frische Wäsche und auch den Schluchsee. Titisee-Neustadts Stadtförster Dierk Weißpfennig erklärt das Naturphänomen – und wie lange es noch dauert.

BZ: Herr Weißpfennig, Hausmänner kehren die Terrasse, wischen die Fensterrahmen ab, blaues Auto, silbernes Auto, rotes Auto, alles staubig: Eine Sysiphosarbeit. Geht es Ihnen mit Ihrem Dienstwagen auch so?

Weißpfennig: Mein Auto ist braun, aber jetzt gerade auch gelb.

BZ: Nervt Sie das? Oder überwiegt da der Förster als Fachmann und übt sich in Gelassenheit?
Weißpfennig: Ich bin ganz gelassen. Das ist ja eine gute Sache.

"Die Natur ist gerade unglaublich verschwenderisch." Dierk Weißpfennig
BZ: Schaut man auf den Hochfirst, sieht man manchmal ganze Wolken von gelbem Blütenstaub, der sich löst und langsam über den Wald hinwegzieht. Was passiert da genau?
Weißpfennig: Die Männlichkeit der Fichten entlässt ihre Pollen, und die setzen sich auf die Weiblichkeit und befruchten sie. Das sind Abermillionen von Pollen, und die Befruchtung wird ganz sicher gelingen. Die Natur ist gerade unglaublich verschwenderisch.

BZ: Sind nur Fichten so freigebig?
Weißpfennig: Die Fichten sind es extrem, die anderen werfen allerdings auch ab, nur haben wir von denen – Douglasie und Tanne – nicht so viel.

BZ: Wie oft geschieht das? Ich meine mich an einen Vier-Jahres-Rhythmus erinnern zu können... ?
Weißpfennig: Alle sieben Jahre, aber das ist nur ein Durchschnittswert, das hängt auch von den klimatischen und räumlichen Verhältnissen ab. Dieses tolle Frühjahr hat für beste Bedingungen gesorgt. Die letzte große Welle, die so stark war, liegt jetzt ungefähr zehn Jahre zurück.

"Die Pollen der Fichte sind mit Wachs überzogen, Allergiker reagieren bei weitem nicht so stark darauf wie bei anderen Blühern." Dierk Weißpfennig
BZ: Setzen sich die Pollen nur ab, siehe oben, oder besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass überall Fichten wachsen?

Weißpfennig: Nein, die Pollen brauchen Fichten, in deren gerade angesetzte Zapfen sie sich festsetzen können. Dort reifen die Samen heran, die zwei Jahre später neben dem Baum oder von ihren Flügeln befördert etwas weiter weg zu Boden fallen. Das ergibt die Naturverjüngung, über die ich ganz froh bin, denn sie ist gratis und sehr umfangreich. Was will man mehr für einen schönen Schwarzwald.

BZ: Aber es ist ja auch so, dass manche Menschen empfindlich reagieren. Die einen müssen dauernd niesen und haben Probleme mit den Schleimhäuten, den anderen klemmen die Augen. Wenn man dauernd im Wald ist wie Sie, muss das ja schrecklich sein.
Weißpfennig: Es klemmt tatsächlich in der Nase und die Augen tränen. Aber das liegt nur an der bloßen Menge. Die Pollen der Fichte sind mit Wachs überzogen, Allergiker reagieren bei weitem nicht so stark darauf wie bei anderen Blühern.

BZ: Wozu raten Sie: Zu einem besonderen Schutz oder nur zu viel Geduld?
Weißpfennig: Zu Geduld. Das geht seit einer Woche so, und mit zwei bis drei Wochen muss man rechnen. Ganz viele Blüten sind ja erst im Kommen. Es kommt auch auf’s Wetter an. Der Wind hat schon große Mengen ausgeweht, viele Blütenstände sind leer. Aber es geht weiter.

BZ: Ein Regen wäre jetzt gut, gell?
Weißpfennig: Ja, ein Schauer würde erst einmal alles auf den Boden bringen. Aber es kann dann wieder anfangen.