"Gefühle zeigen beweist echte Stärke" – der Freiburger Musiker Luis Velten im Interview

Paula Kühn

Gerade hat er sein erstes Album "Daze" herausgebracht, auf dem er seinen ganz eigenen Stil präsentiert - eine Mischung aus R'n'B, Hip Hop und Pop. fudder hat mit dem 20-jährigen Luis über Heimatverbundenheit, Vorbilder und die Musik gesprochen.

So wirklich einordnen lässt sich Luis Velten nicht. Man hört seiner Musik an, was im Gespräch mit ihm umso deutlicher wird: Er macht was er will. Seine Songs schreibt und produziert er selbst und lässt sich dabei in seiner Experimentierfreude nicht von Normen oder Vorstellungen wie "so-soll-es-sein" aufhalten.


Luis, seit wann machst du Musik?

Mit vier Jahren begann ich, meiner Mutter mit Schlagzeug auf die Nerven zu gehen. Später fing ich dann an, Klavier zu lernen. Ich wollte immer frei spielen, ohne Noten und nach Gehör herum experimentieren. Vor viereinhalb Jahren begann ich dann zu singen und mich dabei auf der Gitarre zu begleiten. Aber Zuhause fühle ich mich immer noch am Klavier. Darauf basieren auch die meisten meiner Songs.

Wie arbeitest du?

Gleichzeitig mit dem Singen fing ich auch an, mit Synthesizern herum zu experimentieren. Ich habe ein Programm entdeckt: FL-Studios. Damit fing ich an. Heute arbeite ich mit Logic Pro X. Es gibt leider keine Workshops, die erklären, wie man am Computer Musik macht. Also hab ich mir alles selber beigebracht. Das war zum Teil ziemlich hart. Am Anfang hat man so eine Idee, wie ein Song klingen könnte, aber keine Ahnung, wie man da hinkommen soll. Da muss man sich dann ziemlich durchbeißen.



Was hat dich angetrieben, weiter zu machen?

Ich war neugierig, wollte wissen, wie das geht – wie kommt man von Nichts zu einem Song? Ich begann also auszuprobieren und so bin ich dann langsam zu dem gekommen, was ich heute mache.

Und wie kommt man, oder anders: Wie kommt Luis Velten von Nichts zu einem Song?

Bei den meisten Songs auf meinem Album war zuerst der Song, also die Melodie und der Sound da und dann hab ich mich davon inspirieren lassen und die Texte dazu geschrieben. Nur bei einem Song - "If it Ain't Broke" – hab ich etwas anderes ausprobiert, hab mehr mit Pausen und Brüchen gearbeitet. Er klingt ein bisschen spacig, fast vernebelt.

Und woher nimmst du deine Inspiration für die Songs?

Es gibt bestimmt Musiker und Künstler, die gehen spazieren, lassen sich vom Blick aufs Freiburger Münster inspirieren oder von der freien Natur. Meine beste Inspiration ist im Keller, bei geschlossenen Rollläden vor meinem Computer.



Auf dem Cover von "Daze" sieht man dich aber auf der Blauen Brücke sitzen – haben deine Songs nicht irgendwie einen Bezug zu Freiburg?

Ja, das stimmt. Ich bin zwar viel auf Reisen, in Amerika, Australien. Auch in Tunesien war ich schon. Aber egal, wo ich bin, ich komm einfach gern zurück nach Freiburg. Das Schönste ist es einfach, mit Freunden über die KaJo zu gehen oder an der Dreisam zu chillen. Deshalb auch die Blaue Brücke auf dem Cover – jeder Freiburger kennt sie.

In Freiburg habe ich meine schönsten Erinnerungen. Die inspirieren mich, wenn ich Songs schreibe. Eigentlich kann man sagen, dass meine Songs darauf basieren. Ich denke viel an schöne Geschehnisse, an coole Momente, die dann diese Stimmung vermitteln, die ich in meinen Songs verarbeite.

Wie kam es zu der Idee, das Album "Daze" zu produzieren?

Es gibt Leute, die meine Musik mögen. Mein Album hab ich aber in erster Linie wegen meiner Freunde produziert. Bei denen weiß ich, dass sie ehrlich sind und nicht nur aus Nettigkeit sagen, dass es ihnen gefällt. Und dann dachte ich, wenn die es cool finden, warum dann nicht ein Album daraus machen? Jetzt möchte ich, dass die Menschen in Freiburg und Umgebung davon hören. Die Leute sollen die Chance haben, mich kennen zu lernen und zu hören, was ich mache. Und wem es gefällt, der kann gerne mit auf meine Reise.

Was ist deine Lieblingsmusik?

Ich hab nicht wirklich ein Genre. Das hört man auch an meiner Musik – ich will mich nicht auf eine einziges Genre festlegen, sondern spielerisch viele Facetten zeigen und trotzdem einen roten Faden haben.

Deinen eigenen Stil?

Ja genau, meinen ganz eigenen Stil. Ich finde, jeder Musiker hat etwas Eigenes. Ich mag Verschiedenes. Wenn man zu mir auf eine Geburtstagsparty kommt, kann man ganz verschiedene Musikstile hören.

Wer sind deine Vorbilder?

Puh, da gibt es viele. Mit vier war es ganz klar Eminem. Ich habe immer an ihm bewundert, dass er sich in dieser harten Hip-Hop-Szene durchgesetzt hat und über Gefühle und sehr persönliche Themen geschrieben hat. Er und 2Pac haben damals ganz neue Facetten in die Hip-Hop-Szene gebracht. Ich finde, Gefühle zu zeigen, beweist echte Stärke.

Das hört man auch bei deiner Musik heraus.

Ja. Anfangs wusste ich nicht, ob ich das machen soll, über Gefühle schreiben. Aber dann dachte ich: Mach’ einfach was du willst, es gibt immer Leute, denen es nicht gefällt und Leute, die finden es super. Also kann ich einfach ganz frei sein.

Dein Lebensmotto?

Hmm ... schwierig. Ich finde, man soll sich nicht verkaufen, verstellen. Im Leben ist der Umgang mit Mitmenschen wichtig. Ich glaub zwar nicht daran, dass da oben irgend eine strafende Instanz sitzt, aber wenn man seinen Mitmenschen offen und freundlich begegnet, geht man doch leichter durchs Leben. Auch wenn man jemanden nicht so mag. Tolerant sein und die Menschen machen lassen, solange sie niemandem damit schaden - darauf kommt es an.

Und dann finde ich es noch sehr wichtig, Spaß im Leben zu haben. Klar muss man auch etwas erreichen, aber wenn das nur mit Stress verbunden ist, macht es doch keinen Sinn.
Das Album "Daze" von Luis Velten gibt es auf Amazon und Spotify

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