Gefährliche Lockenkiller: Gesundheitsamt kontrolliert Freiburger Friseure

Fabienne Hurst

Glatte Haare sind im Trend. Mühsames Glätten erspart sich, wer seine Haare dauerhaft mit Keratinprodukten glätten lässt. "Die reinste Kur für die Haare" schwärmen die Hersteller. Doch jetzt haben Chemiekontrolleure in einigen Mitteln hohe Konzentrationen von Formaldehyd gefunden – das ist gesundheitsschädlich. Auch in Freiburg bieten prominente Friseure Glätt-Verfahren an. Müssen sich Freiburger Friseure und ihre Kundinnen Sorgen machen?


Es ist der Look schlechthin: Lange, glänzende, superglatte Haare. Doch tägliches Glätten ist lästig, zeitraubend und obendrein schädlich für die Haare. Eine Methode, von Stars und Sternchen gelobt, soll Abhilfe schaffen. Das Glättverfahren mit dem Protein Keratin verspricht, dass Haare  bis zu fünf Monate glatt und seidig bleiben. Dabei wird ein Keratin-Mittel auf die Haare aufgetragen, bevor die Haare mit dem Glätteisen bearbeitet werden. Kostenpunkt: je nach Haarlänge bis zu 300 Euro.


Die Chemie- und Veterinäruntersuchungsämter Karlsruhe und Freiburg, die alle Gebrauchsmittel überwachen, haben in einigen Haarglättern eine viel zu hohe Konzentration von krebserregendem Formaldehyd festgestellt. Der Tipp kam von der Bundeszentrale für Risikobewertung. Auch Freiburger Friseursalons wurden kontrolliert.

Gefahr vor allem für die Friseure selbst

„Keratin Complex“ und „Brazilian Blowout“ heißen zwei der gefährlichen Produkte, nach denen die  Kontrolleure gezielt suchen. Das Freiburger Haarcafé Francek hatte im vergangenen Herbst mit beeindruckenden Vorher-Nachher-Fotos für sein Glätt-Verfahren geworben. In Anzeigenblättern hat Freiburgs prominentester Friseur, bekannt durch Veranstaltungen wie die Miss-Germany-Wahl, monatelang auf die neue Methode aufmerksam gemacht. Er verwendete damals das mittlerweile verbotene Produkt.  

"Wir hatten Keratin Complex im Angebot und haben es vier, fünf Mal ausprobiert. Wir wollten es sogar selbst vertreiben“, erzählt Friseurmeister Francek Prsa (Bild links). „Als wir erfuhren, dass es Formaldehyd enthält und dass das verboten ist, haben wir es sofort durch ein unbedenkliches ersetzt."

Gefährlich ist das Mittel vor allem für die Friseure selbst, die den giftigen Dämpfen viel öfter und länger ausgesetzt sind als ihre Kundinnen. Das ist auch Francek Prsa bewusst: "Da geht Gesundheit vor Effekt.“

Das Formaldehyd, auch Methylenglykol genannt, dient bei dem Verfahren als Lösungsmittel, damit die Haare danach neu mit dem Protein Keratin verkettet werden können. In den gesuchten Produkten wurden Konzentrationen von 1,6 bis 2,0 Prozent festgestellt. "Das ist viel zu hoch“, sagt der Freiburger Umweltmediziner Dr. Richard Gminski. „Beim Bearbeiten der Haare mit dem heißen Glätteisen werden Formaldehyddämpfe freigesetzt, die von Kunden und Friseuren eingeatmet werden können. Das kann zu Atemwegs-, Haut- und Augenreizungen führen oder zu allergischen Reaktionen der Haut. Auch nach der Behandlung kann Formaldehyd Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen.“

Auch andere Friseure in Freiburg bieten das Glättverfahren an. Mirja Vogel vom Salon Toni&Guy erprobt gerade das Mittel "Brazilian Blowdry", das sie ab Mitte Februar in Freiburg anbieten will. Der Friseur Roth wartet auf grünes Licht von den Gesundheitsbehörden für sein Keratin-Verfahren. Auch Friseur Stefan Engemann überlegt sich, Haare bald dauerhaft zu glätten. Wichtig ist letztlich das Mittel, das verwendet wird.



Vorsicht bei exotisch klingenden Marken

Der Markt ist für die Friseure nur schwer zu überschauen. Sie beziehen die Produkte über Kosmetik-Vertreter, diese widerum importieren die Mittel direkt aus dem Ausland, meistens über das Internet. Der Freiburger Salon Szenario hatte vor vier Wochen ebenfalls Kontrolleure in seinem Salon. Er hatte auf seiner Website mit dauerhafter Haarglättung geworben, wodurch das Gesundheitsamt aufmerksam wurde.

Friseurmeister Michael Schmidt war froh, dass die gefährlichen Produkte nicht in seinem Regal standen. „Wir hatten uns sehr für diese Methode interessiert und bereits Kontakt zu einem Vertreter. Aber wir wollten das Mittel nicht unerprobt kaufen. Jetzt haben wir ein Verfahren gefunden, dass ohne Formaldehyd auskommt.“ Sein Haarkosmetikvertreter Ralf Schneider sagt, dass sonst alle mit Keratin arbeitenden Produkte Formaldehyd als Lösungsmittel enthalten. "Vor allem bei exotisch klingenden Marken aus den USA und Brasilien sollte man sehr vorsichtig sein", so der Spezialist für Haarkosmetik.

Wer vorhat, seine störrischen Haare oder Locken dauerhaft mit der Keratinmethode zu bändigen, sollte sich unbedingt bei seinem Friseur erkundigen, welche Mittel verwendet werden.

Gesundheitsschädliche Produkte listet das EU-Schnellwarnsystem Rapexauf: Keratin Complex Smoothing Therapy der Marke Coppola Designer Hair Care, Acai Professional Smoothing Solution von Brazilian Blowout, KeraStraight Treatment von KeraStraight und Brazilian Keratin Treatment von Marcia Teixeira. Eckhart Benner von der Verbraucherschutzzentrale sagt: „Diese Produkte weiterhin zu bewerben ist mindestens ordnungswidrig, wenn nicht sogar strafbar.“ Deshalb sollten Friseure ihre Produkte mit Bedacht auswählen. Wer diese Mittel irgendwo angeboten bekommt oder beworben sieht, sollte sich direkt an die Zentrale wenden. Sonst wird der Look schlechthin ganz schnell zum Schock schlechthin.

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[Bild 1 und 3: Fotolia; Bild 2: BZ/Privat]