Gawker Stalker - Wo ist 50 Cent?

Carolin Buchheim

Das Medien- und Celebrity Klatsch-und Tratsch-Blog Gawker berichtet bereits seit viereinhalb Jahren auf hinreißend sadistisch-bissige Weise aus New York. Das Blog, das Teil des Gawker Blog-Verlags ist, startete vor einem knappen halben Jahr ein neues seperates Projekt: Gawker Stalker, eine Website, der jeder, der irgendwo einen Promi sichtet, seine Celebrity-Sightings live per eMail zukommen lassen kann.



Die ganze Welt kann diese Celebrities und ihre Standorte in New York online verfolgen, und zwar beinahe in real-time und auf einer GoogleMap. Das erscheint auf den ersten Gedanken als recht lustig. Aber ist es vielleicht auch gefährlich? George Clooney meint: Ja!


Es ist der 26.September, in New York ist es jetzt gerade später Nachmittag, und auf Gawker Stalker steht, dass Will Smith am späten Vormittag vor ungefähr sechs Stunden in der Greenwich Street einen Film gedreht hat. Außerdem erfahre ich, dass der Rapper 50 Cent vor ungefähr vier Stunden aus dem Haus mit der Nummer 628 am Broadyway herausgekommen ist, begleitet von fünf Bodyguards, und dass sie in einen schwarzen Escalade gestiegen sind. Wo genau das passiert ist, kann ich mir auf einer Interaktiven GoogleMap angucken.

Von hier aus, einen Atlantik entfernt, ist das mäßig interessant, aber durchaus lustig. Der Ton der Tracking-Meldungen ist biestig und lakonisch, genau so, wie man seine total unwichtigen Celebrity Nachrichten mag. Will Smith und 50 Cent waren wohl bei der Arbeit, als sie von Gawker Stalkern gesehen wurden, aber andere Celebrities, die kürzlich gesichtet wurden, standen irgendwo Schlange, kauften ein, machten normale, alltägliche Dinge, gingen ins Gym oder fuhren irgendwo Aufzug.

Da kommt die Frage auf: Macht Gawker Stalker es echten Stalkern, psychisch verwirrten Über-Fans, mit denen fast jeder Celebrity Probleme hat, das Leben vielleicht zu leicht? Ist es nicht moralisch verwerflich, Promis einen letzten Rest Privatspähre zu nehmen, indem man ihren aktuellen Aufenthaltsort zeitnah im Internet kontrollieren kann? Bei Gawker Stalker kann jeder mitmachen: Jeder kann mit seinem internetfähigen Handy oder Blackberry zum Stalker des Celebrities werden, denn eine eMail an tips@gawker.com genügt.

Während in Deutschland zufälligen Promi-Begegnungen auf sympathische Art und Weise im Webforum Wir höflichen Paparazzi gesammelt und literarisch verwertet wurden, erscheint Gawker Stalker aggressiv und aufdringlich. Gawker Stalker hat ein Archiv: Kann jemand, der wirklich fanatisch ist und die Archive Akribisch durchforstet, vielleicht Bewegungsmuster der Celebrities entwickeln und ihnen dann besser nachstellen?

Kurz nachdem Gawker Stalker im März gestartet war, ging George Clooney gegen Gawker Stalker vor, und er wählte einen ungewöhnlichen Weg: Anstatt neue Gesetze zum Schutz der Privatsphähre zu fordern, schickte George Clooney eine lange Rundmail an seine Freunde und Bekannten im Showbiz, und forderte sie auf, Gawker Stalker mit falschen Celebrity Sichtungen zu überfüllen. Ob George's Maßnahme Erfolg hatte, ist allerdings fraglich, denn sechs Monate später scheint Gawker Stalker immer noch alive und kicking, obwohl ich natürlich nicht kontrollieren kann, einen Atlantik entfernt, ob 50Cent tatsächlich heute mittag um ein Uhr vor dem Haus mit der Nummer 628 am Broadway in einen Escalade gestiegen ist.

Ich persönlich hoffe allerdings, der Gute war ganz woanders, heute Mittag um eins, unbeobachtet und unbedrängt.

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Was haltet ihr von Gawker Stalker? Findet ihr, ein Celebrity muss einfach damit leben, dass sein Aufenthaltsort live im Internet gepostet wird?