Ganz Italien ist ein Fußball

Markus Hofmann

Es war ein trauriges Ende! Wieder gibt es in diesen Stunden einen Autokorso auf Freiburgs Straßen. Er ist weitaus weniger gewaltig als am Freitag nach dem Argentinien-Krimi, und doch ist er fröhlich und bunt. In diesen Augenblicken - der 2:0-Halbfinalsieg der Azzuri ist seit einer halben Stunde Geschichte - ist ganz Italien ein Fußball. Bei aller Tristesse, wir gönnen es ihnen! Gratulation!

Bis zur Stunde verläuft das Italo-Fest nach Aussagen von Polizisten am Hauptbahnhof und am Bertoldsbrunnen friedlich. Überall grün-weiß-rote Fahnen, die Straßenbahnen quälen sich wie bei den deutschen Siegesfeiern mit Verspätung durch den Menschenpulk. Kein Wunder, denn die deutschen Fans marschieren nach dem Schlusspfiff zu tausenden wie bei einer großen Trauerprozession auf den Straßenbahnschienen der Linie 1 vom Eschholzpark Richtung Freiburger Innenstadt. Das Licht ist schummrig - ein gespenstisches Bild! Einige von ihnen schwören aus Frust, nun nie wieder Pizza zu essen - vermutlich werden wir sie in zwei Wochen in Rimini am Strand treffen, wo sie entspannt ihren Urlaub genießen. Andere singen "Stuttgart, Stuttgart, wie fahren nach Stuttgart". Bei allem Respekt vor der Schwabenhauptstadt, wo am Samstag das kleine Finale mit Klinsis Jungs statt findet, aber das hat schon etwas Selbstironisches. Lieber denken wir nun zurück an diese wunderbaren Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft und freuen uns über eine kleine Randbegebenheit, die sich kurz vor Mitternacht im Eiscafé Rossini vor dem Cinemaxx zugetragen hat. Dort tanzen zwei Eisdielenverkäuferinnen mutterseelenallein zu einem italienischen Popsong. Eine ist Italienerin, die andere Deutsche. Schön!