Für Freiburg: Diese Liste schickt der Himmel

Claudia Kornmeier

Am 7. Juni ist Kommunalwahl in Baden-Württemberg. Die Liste "Für Freiburg", die mit einer "Politik aus christlicher Verantwortung" wirbt, stellte heute ihre Spitzenkandidaten vor: Hans Lienhart und Heinrich Schwär, die von der CDU und den Freien Wählern nicht mehr nominiert worden sind. Fazit: Viel Nächstenliebe, noch wenig Konkretes.



Die Runde, die heute Vormittag in der Gaststätte Erzherzog Albrecht am Tisch saß, war überschaubar. Die sechs ersten Kandidaten der Liste waren anwesend: Hans Lienhart, Heinrich Schwär, Matthias Rotzler (Beat Bar), Gerhard Rummel (Professor an der KFH Freiburg), der Listensprecher Lars Schärer und Sarah Kurbjuweit.


Konkrete Programmpunkte standen nicht auf der Tagesordnung. Um diese auszuarbeiten, brauche die Gruppe mindestens noch zwei Wochen. Lediglich die zentralen Leitvorstellungen wollten die Kandidaten vorstellen. Formulierungen wie „christliche Wertvorstellungen“ oder „selbstloses Handeln aus christlicher Verantwortung“ fehlten dabei in keinem Satz.

In den etablierten Parteien fühlen die Kandidaten sich und ihre christlichen Wertvorstellungen nicht mehr ausreichend repräsentiert. Als verantwortliche Christen wollen sie dennoch politisch handeln. „Christentum ist keine Privatsache, sondern immer der Ruf in eine umfassende, ganzheitliche Nachfolge“, lautet das passende Zitat auf der Website der Gruppe.

Nachrichten und Kommentare auf der Seite sind gespickt mit Bibelzitaten. Zwei der Spitzenkandidaten haben Wurzeln in der Calvary Chapel. Schwär will „nicht aufhören für das christliche Abendland zu kämpfen“. Gerhard Rummel hat beim „großen Vorsitzenden“ in Tübingen studiert. Er meint den ausgewiesenen Kondomgegner Joseph Ratzinger. Das Motto der Liste, „Suchet der Stadt Bestes“, ein Bibelzitat.



Ob der Wähler es deshalb mit christlichen Fundamentalisten zu tun hat, ist angesichts der Kandidaten auf Platz eins und zwei trotzdem fraglich. Heinrich Schwär und Hans Lienhart scheinen eher nach einer Möglichkeit zu suchen, doch noch in den Stadtrat zu kommen, als die christliche Lehre verbreiten zu wollen. Die Liste sei für ihn und Hans Lienhart wie vom Himmel gekommen, nachdem CDU und die Freien Wähler ihnen einen Listenplatz verweigert hatten, sagte Heiner Schwär.

Hans Lienhart freut sich über das Engagement so vieler junger Leute. Trotzdem stehen auf den ersten Listenplätze von „Für Freiburg“ der 80-jährige Schwär und der 72-jährige Lienhart. Den Rücktritt wegen Krankheit oder Alter behalten sie sich ausdrücklich vor und hoffen auf junge Nachfolger. Warum diese jungen Nachfolger dann nicht gleich auf Platz eins und zwei stehen, erklären sie nicht.



„Wir sind Idealisten. Wir streben nicht nach Macht. Entsprechend wird es von uns auch keinen Wahlkampf geben. Wir wollen dem Wähler nur ein Angebot machen, das er annehmen, aber auch ablehnen kann“, sagte Lars Schärer. Ganz ausschließen wollte er dann aber doch nicht, dass außer Handzetteln und einem Stand auf der KaJo auch das ein oder andere Wahlkampfplakat der Liste „Für Freiburg“ zu finden sein wird.

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